Ram 1500 DT: Die Mutter aller SUV

Attila Langhammer

12 Aug. 2021

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Hoch sitzen? Check! Viel Platz? Check! Ausreichend Bodenfreiheit für fiese Bordsteine? Check! Fetter V8? Check! Auf den ersten Blick klingt so ein Ram 1500 nach einem vielversprechenden Automobil. Hier erfährst Du, was er auf den zweiten Blick tatsächlich liefer

(Fotos: YesAuto)


Der Ram 1500 ist einer der größten (und mächtigsten) PKW, die Du auf dem deutschen Markt kaufen kannst. Hier ein paar Eckdaten zum Testwagen: 3,67 Meter (!) Radstand, 5,91 Meter Gesamtlänge, 1,97 Meter hoch, 2,5 Tonnen schwer und in der Lage fast 1000 Kilo Zuladung zu schlucken – und damit die dicke Fuhre trotzdem so richtig in Gang kommt, steckt unter der Haube ein V8, der 401 PS Leistung und 556 Newtonmeter Drehmoment generiert. Zeig mir ein SUV, das da mithalten kann! Wirst Du nicht finden.

Um den Abstand zur Massenware auf deutschen Straßen noch zu vergrößern, noch mehr Zahlen: die Bodenfreiheit beträgt mindestens 20 Zentimeter, die Sitzhöhe liegt etwa 92 Zentimeter überm Boden – und das heißt Du schaust ganz lässig auf die bemitleidenswerten BMW-X5- oder Mercedes-GLE-Fahrer runter. Außerdem darf jeder Ram, der von AEC importiert wurde zu seinen maximal zulässigen 3,5 Tonnen Eigengewicht auch noch 3,5 Tonnen Zuglast an den Haken nehmen. Solltest Du das vorhaben, bist Du mit einem maximal sieben Tonnen schweren Gefährt unterwegs – und für diesen speziellen Fall brauchst Du den Führerschein BE.

Ohne Anhänger darfst Du den Ram aber auch mit dem Führerschein der Klasse B fahren – und nach einer gewissen Eingewöhnung gelingt das auch mit dem 2,08 Meter breiten Riesen problemlos. Dennoch hier ein paar Tipps, die ich mir in meinen 14 Tagen als Ram-Fahrer angeeignet habe:


  • Blinke rechtzeitig! Ich habe immer den Blinker betätigt, dann zweimal alle Spiegel gecheckt, denn der Tote Winkel kann im ungünstigsten Fall schonmal einen Kompaktwagen schlucken. Die Totwinkel-Überwachung ist bei der Ausstattung Laramie Sport zum Glück serienmäßig an Bord. Und dann kannst Du in der Regel sicher die Spur wechseln.
  • Fahr etwas weiter vor! Das gilt zum Einen, wenn Du wenden willst; mit langem Aufbau und Radstand ist der Ram nicht gerade wendig, vorm Zurücksetzen in eine Gasse hast Du mit mehr Abstand auch mehr Korrekturmöglichkeiten. Eine Rückfahrkamera gibt's ebenfalls serienmäßig.
  • Aber vorsichtig! Bei meiner Größe – 1,86 Meter – und der tiefsten Sitzposition im Auto ist die nicht einsehbare Strecke vorm Auto zwischen acht und neun Meter lang. Bei der Fahrzeugbreite entstehen so rund 16 mysteriöse Quadratmeter, auf denen sich eine Menge verbergen kann.
  • Fahr amerikanisch! Du hast einen V8 mit 5,7 Liter Hubraum und der pumpt bei 1500 Touren schon 460 Nm und das heißt, Du kannst mit wenig Gas erleben, wie sich die Achtstufenautomatik von ZF fein frühzeitig von einer Welle auf die nächste wuchtet. Sch*** drauf, was die anderen denken – niemand hupt Dich an, wenn Du im Ram sitzt.
  • Lass die Heckscheibe auf! Der Ram hat ein kleines Fenster in der Mitte der Heckscheibe der Kabine. Dieses Fenster lässt sich – natürlich – elektrisch öffnen. Und es sorgt an warmen Tagen nicht nur für einen angenehmen Luftsog in der Kabine, auch das Brabbeln oder Volllast-Trommeln des V8 kommt damit viel deutlicher an die Fahrerohren. Und das ist ein leckerer Genuss.

Wenn Du diese Hinweise berücksichtigst (und Deine Routen so planst, dass Du möglichst wenig rückwärts fahren musst), dann steht der Fahrfreude im Ram nix im Weg. Die Lenkung ist ausreichend direkt, lediglich das allererste Ansprechen aus der Geradeaus-Lage kommt etwas gehemmt. Trotzdem bekommst Du immer ganz gut mit, was Deine Vorderräder in etwa treiben – das ist für die lässige Pick-up-Gangart allemal und sogar für schnelles Landstraßenfahren genug. Und auch das Fahrwerk verkraftet Rumgekurve ganz gut; das ist um so beachtlicher, da es eine Zuladungsspanne von fast 1000 Kilo abdecken und im Leerbetrieb trotzdem nicht zu steif wirkt.


Ich will jetzt einen Ram kaufen!


Wenn Du jetzt Appetit auf Ram bekommen hast, dann kannst Du natürlich sofort auf die Autobörse von YesAuto wechseln und den erstbesten Wagen anklicken und ordern. Aber vielleicht solltest Du noch ein bisschen weiterlesen, denn wenngleich das bis hierhin schon ganz schön viel war, war das noch lange nicht alles. Es gibt den Ram nämlich nicht nur wie hier gezeigt in der (üppigen) Basis-Ausstattung Laramie Sport (ab 60.000 Euro).

So ein Laramie-Sport-Ram hat schon sehr viele nette Extras an Bord, die ich hier nicht alle aufzählen werde. Zusätzlich zu den oben erwähnten Funktionen gibt's unter anderen noch folgende: klimatisierte Sitz (kalt oder warm), Komfortschlüssel samt Startknopf, Ledersitze, LED-Scheinwerfer, Parkpiepser hinten und vorn sowie eine Rückfahrkamera, vertikales 12-Zoll-Infotainment inklusive Europa-Navigation, 18-Zoll-Leichtmetallräder.

Die paar Dollar sind ein Witz, gemessen am Gesamtpreis des Ram 1500 – aber die (Münz-)Ablage nur eine von vielen praktischen


Ab 72.500 Euro bekommst Du einen Ram 1500 Laramie Night. Der hat zusätzlich zum Sport-Modell unter anderem eine 360-Grad-Kamera, den Adaptivtempomat, einen Einparkassistenten, Lordosenstützen vorn, elektrisch anklapp- und beheizbare Spiegel sowie ein Panoramadach dabei.

Radstand 3,67 Meter, Gesamtlänge fast sechs Meter


Für mindestens 74.500 Euro bekommst Du einen Ram 1500 Rebel, das ist der Tough Guy im nicht gerade untoughen Ram-Lineup. Ein-Zoll-Höherlegung, massiver Unterfahrschutz, 18-Zoll-Felgen mit All-Terrain-Reifen und darüber Kunststoffbeplankung an den Radhäusern.

1500 Liter gehen in das Bett, verschiedene Deckel gibt's gegen Aufpreis


Die Top-Ausstattungslinie in puncto Komfort heißt bei Ram Limited und sie startet als Limited Longhorn bei 78.000 Euro. Jeder Limited-Ram steht bereits auf 20-Zöllern, innen werden sie von Holzdekor inklusive Holzeinlagen fürs Lenkrad geziert. Auf den Longhorn Limited folgt der Longhorn (ab 80.000 Euro) – der hat dann beispielsweise auch noch Luftfederung, Sitzkühlung auch für Fondpassagiere, Querverkehrswarner, eine induktive Handyladeschale. Der Ram Limited Night (ab 85.000 Euro) packt nochmals einen drauf, beziehungsweise rein: Harman-Kardon-Soundsystem mit 19 Lautsprechern, klappbare Ladeflächenabdeckung. So ein Ram Limited ist dann in etwa die S-Klasse des Texaners und hat mit der Intention des Ur-Ram, einem fleißigen und fähigen work truck, nur noch wenig gemein.

Das elektrische Schiebefenster sorgt für angenehmen Luftsog, so geht's auch mal ohne Klima


An der Stelle ist aber noch nicht Schluss, einen gibt's noch: den Ram 1500 TRX – Kompressor-V8, 711 PS, 881 Nm, ein vollwertiger Baja-Truck mit Straßenzulassung. Wenn so ein Limited-Ram die us-amerikanische S-Klasse vorstellt, dann ist der TRX vielleicht sowas wie der amerikanische M3. Wie dieses mächtige, etwa 142.000 Euro teure Goldstück abgeht, erfährst du im Fahrbericht.


Ram? Oder doch lieber ein "normaler" PKW


Auch der mächtige Ram 1500 ist ein normaler PKW, wenngleich ein wenig ausladender als der Rest des Angebots auf dem deutschen Automarkt. Und schon in der Ausstattung Laramie Sport, die AEC als Basismodell importiert und vertreibt hat er unglaublich viel zu bieten: Nutzlast, Platz, Sound, Vielseitigkeit, und auch der Ausstattungsumfang kann sich mehr als sehen lassen. Das alles für 60.000 Euro – da kann weder ein BMW X5/X6 noch ein Mercedes-Benz GLE mithalten.

Peinlich: Der verliebte Redakteur kann sich kaum vom Auto lösen


Auch der Fahreindruck des 2,5-Tonnen-Ram enttäuscht nicht; immer in Anbetracht des außergewöhnlichen Fahrzeugs, um das es hier geht. Mein Tipp lautet allerdings: Ersetze die Allwetterreifen, mit denen er ausgeliefert wird zügig gegen ein paar höherwertige.


Bei all dem Lob, das der Ram hier erfährt, gibt's aber auch Abstriche: der Oberschocker ist der Verbrauch. Klar der kommt nicht überraschend, abhängig von Deinem Fahrstil musst Du zwischen zwölf und 15 Liter Super einplanen. Und da kann bei den aktuellen Kraftstoffpreisen, schon die simple Fahrt zur Tankstelle zum Horrortrip werden. Mit seinen Ausmaßen ist der Ram auch nicht gerade altstadtfreundlich, Du solltest Deine Wohnsituation also dahingehend überprüfen, dass Du an den wichtigsten Orten in Deinem Leben rund 15 Quadratmeter Platz hast um den Ram abzustellen – zum Rangieren brauchst Du entsprechend ein Vielfaches.

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Attila Langhammer

12 Aug. 2021