RAM 1500 TRX: Im Baja-Truck durch Oberbayern

Attila Langhammer

05 März. 2021

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Kommt die automobile eierlegende Wollmilchsau aus Amerika? Ich habe den vielen Talenten des RAM 1500 TRX bei einem kurzen Ausflug ins Münchner Umland auf den Zahn gefühlt

YesAuto Bewertung:

/ 100

Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

YesAutos umfassende Bewertungskriterien berücksichtigen jeden Aspekt eines Autos. Außerdem berücksichtigen sie, wie das Auto in Verhältnis zu anderen Autos der gleichen Kategorie steht. Unten sind die Kriterien, nach den jedes Auto bewertet wird, aufgelistet. Die Autos können pro Kriterium maximal 10 Punkte erhalten, was zu einer Note von insgesamt 100 Punkte führen kann.

  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit

(Fotos: YesAuto)


Bevor ich mir gleich die Mühe mache, Dich in die hohe Fahrerkabine des Ram 1500 TRX zu wuchten um Dir dann vom sirenenhaften Jaulen des Kompressors vorzuschwärmen, bitte ich Dich, die folgenden Fragen zu beantworten:


Bietet das perfekte Auto ausreichend Platz für fünf Personen?


Sprintet das perfekte Auto in unter fünf Sekunden von Null auf Hundert?


Hat das perfekte Auto ein Ladevolumen von mindestens 1500 Litern?


Braucht das perfekte Auto 30 Zentimeter Bodenfreiheit, um auch abseits des Kindergartenparkplatzes brillieren zu können?

Wenn Du alle Fragen mit "Ja" beantwortet hast, dann solltest Du weiterlesen? Wenn Du einmal oder öfter mit "Ja" geantwortet hast, darfst Du gern weiterlesen. Und wenn Du vier Mal mit "Nein" geantwortet hast, dann kauf' Dir ein Fahrrad mit 'ner extraleisen Klingel – das könntest Du dann übrigens völlig hemmungslos auf die Ladefläche des RAM werfen – die misst in Länge mal Breite (zwischen den Radhäusern) 1,71 mal 1,29 Meter.

Alle Anderen jetzt bitte einsteigen, anschnallen und – lauschen: Auf Knopfdruck springt der V-Achtzylinder an und sofort hörst Du, das da etwas nicht stimmt. Dieser Ami klingt nicht so lässig – und stumpf – wie seine Landsmänner. Der hier klingt ein bisschen erregt, als stünde er unter Spannung; mit dem hier stimmt was nicht. Fahrstufe einlegen, Bremse lösen, anrollen, vorsichtig in den Verkehr tasten, von links das freundliche Handzeichen (in diesem Fall tatsächlich aus einem Streifenwagen), dankender Gruß zurück und dann – niemand soll ja unnötig aufgehalten werden – ein beherzter Gasstoß. Und plötzlich brüllt es urzeitlich von hinten, dabei war die Drehzahlnadel doch nur kurz bis 3500 hochgeschnellt.


Und der Riesentrümmer hat tatsächlich einen Satz gemacht – einen von der dynamischen, nicht von der grammatikalischen Sorte: Hinten eintauchen, Haube Richtung Himmel aufstellen und dann der Nase nach. Okay, die Vorderräder sind am Boden geblieben, aber wie die Fuhre um die Horizontalachse wippt ist schon extrem. Das kann schon mal passieren, wenn 2,6 Tonnen Leergewicht kurz vorm Trägheitshöhepunkt von 881 Newtonmeter Drehmoment überwältigt werden und das Fahrwerk dabei in 60 Zentimeter Stahlpudding versinkt. Klingt fies? Ist aber nicht so gemeint, denn exakt so muss das Fahrwerk eines Baja-Renners funktionieren.

Baja-Rennen – das ist der englische Begriff für die Art Motorsport, die auf unserer Seite des Atlantiks Rallye Raid heißt: Mit Vollgas über unbefestigtes Gelände, durch Matschgruben, Sprünge und so weiter. Und genau das kann dieser Trümmer dank seines weichen Fahrwerks ab.


Nach dieser kurzen Baja-Exkursion wieder zurück ins Auto. Wenn Du Dich ein bisschen für Ami-Autos interessierst, dann hat's bei den 881 Newtonmetern vielleicht schon mal kurz geklingelt? Ich packe einfach mal noch 711 PS oben drauf – jetzt vielleicht? 6,2-Liter-V8? Dieses Triebwerk ist kein unbekanntes, es steckt bereits in den Hellcat-Varianten von Dodge Challenger, Charger und Durango. Und jetzt eben in diesem fiesen Truck – der mit dieser Power den Standardsprint auf 100 km/h in unter fünf Sekunden absolviert. Zur besseren Einordnung hier nochmal das Leergewicht: 2,6 Tonnen.


Damit wirklich jeder diesen Erfolg aus dem Auto rauskitzeln kann, findet sich unterhalb des Startknopfes, da wo die Fahrmodi gewählt werden, eine Launch-Taste im XL-Format. Da drauf ist sogar Platz für die farblich sortierten übereinanderliegenden Lichtpunkte einer Dragrace-Ampel. Wenn Du die Taste drückst, wird das ESP ausgeschaltet und im Kombiinstrument erfolgt die Aufforderung zum Bremsen, wenn Du das tust – mit dem linken Fuß natürlich – wird Dir dann der anliegende Bremsdruck angezeigt, 100 bar sind kein Problem. Dann rechten Fuß aufs Gas und die Drehzahl hochbringen. Der Kompressor jault. Die Fuhre zuckt mit den Hinterläufen wie ein Hund dem die Brust gekrault wird.


Bremse schlagartig lösen. Und dann rollt der Ram los. Auf den ersten Metern nicht so brachial wie erwartet, aus der Bewegung dann aber um so vehementer. Der Kompressor faucht das Gemisch in die Brennräume, die Pleuel trampeln stampedisch auf der Kurbelwelle rum und fertig ist die Hundert. Den irrwitzigen Sound, der dabei abgeht, kann ich hier leider nicht mitliefern, aber im Video kannst Du ein paar Schnipsel aufschnappen.

Um den Klang so richtig zu verstehen, solltest Du aber folgendes wissen: damit der Kompressor so richtig herzlich schmerzlich aufjaulen kann, muss der V8 ihm erstmal rund 80 PS Energie liefern. Mit diesem Energieeinsatz lassen sich dann aber rund 170 der 711 PS schöpfen.


Im Auto kannst Du den Klang zum Glück fast beliebig reproduzieren und das geht am besten im Geschwindigkeitsbereich zwischen 30 und 120 km/h, dass ist auch das Geschwindigkeitsfenster in dem sich die Leistung am brachialsten ergießt und genießen lässt. Davor und danach ist der TRX keinesfalls langsam, aber aus dem Stand kann er sich nicht gleich entfalten, weil sich sonst wahrscheinlich die Felgen in den Goodyear Wrangler LT235/65 R18 drehen würden – und oben raus merkst Du, wie der Luftwiderstand den Ansturm bremst. Aber alles trotzdem auf schnellem Niveau.


Wenn Du nicht ganz so ambitioniert unterwegs bist, stehen acht Fahrmodi zur Wahl: zum Beispiel ein Hängerprogramm mit einer speziellen Schaltstrategie, ein Schneemodus für etwas mehr Schlupf, ein Sportprogramm in dem alles etwas straffer wird und der Wagen trotzdem noch waberweich über die Straße rollt. Und dann gibt's den Baja-Modus, also die Abstimmung für den Extrem-Gelände-Sport. Da ist das Fahrwerk so weich, dass sich mit ungewöhnlich heftigen Lastwechseln fast die Vorderachse in die Luft wuchten lässt.

Abseits all dieser spaßigen Einstellmöglichkeiten lässt sich der Highperformance-Ram auch recht normal bewegen. Dann verwöhnt er auf Wunsch alle fünf Passagiere mit beheiz- oder kühlbaren Sitzplätzen; lässt durchs Panoramadach Licht (und Luft); auf dem hochkant ausgerichteten Zwölfzoll-Uconnect-Infotainment stehen die gewohnten Konnektivitätsfunktionen zur Verfügung und da wird auch das Bild der Rückfahrkamera dargestellt. Mit dieser fällt es ziemlich leicht, den 5,93 Meter langen und 2,23 Meter breiten Geländerennwagen zu rangieren. Das flüssige Mitfahren im Stadtverkehr bedarf da je nach persönlicher Versiertheit schon ein wenig Eingewöhnungszeit – natürlich nicht in Längsrichtung, nur innerhalb der schmalen Fahrspuren.


Fazit


Ich weiß, dass ich mich wiederhole, aber ich muss hier nochmal das Gewicht des Ram 1500 TRX anbringen: 2,6 Tonnen wiegt die Kiste. Und trotzdem sprintet die Fuhre in unter fünf Sekunden von Null auf Hundert. Wenn Du Dir mangels Autoerfahrung darunter nicht so richtig was vorstellen kannst, dann lass Dir gesagt sein: Das. Ist. Wahnsinnig.


Und wider die Physik.


Und ein bisschen scheint der Ram 1500 TRX mit seinem Extra-Dick-Auftrag auch aus unserer saubergeheuchelten Elektroautowelt rauszufallen. Andererseits: Es sind die unvernünftigen Dinge die Spaß machen – und naiver positiver Spaß ist eine ganz große Stärke dieses Dinosaurier auf Rädern.


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Attila Langhammer

05 März. 2021