Range Rover: Royaler Rollmops runderneuert

Mathias Keiber

02 Dez. 2021

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Die britische Prunkburg mit vier Rädern geht in die fünfte Generation. Sitzprobe auf dem Thron hinterm Steuer.

Der Range Rover ist so etwas wie der Urvater moderner Stadtgeländewagen, obwohl er anders als etwa der Jeep Wagoneer ursprünglich gar nicht als Luxusfahrzeug konzipiert worden war. 1970 in erster Generation eingeführt, hatten frühe Exemplare eine zweckmäßige Innenausstattung: Vinylsitze und Kunststoffarmaturenbretter ließen sich per Schlauch reinigen, Teppichböden, Ledersitze und Holzdekors kamen erst später. Gebaut wurde die erste Generation über 26 Jahre hinweg. Seitdem sind drei weitere Generationen gekommen und gegangen, im Januar kommt die fünfte Generation des automobilen Luxustempels zu den Händlern. Und auf den ersten Blick schaut sie der vorherigen doch recht ähnlich, wirkt insgesamt aber zurückhaltender. Chefdesigner Gerry McGovern umschreibt es so: „Der modernistische Ansatz unserer Designphilosophie folgt keinen Moden oder Trends. Er ist frei von überflüssigen Details und erzeugt eine Form, aus der die Modernität spricht und die gleichzeitig voller Charme ist sowie einen hohen Grad emotionaler Ansprache zeigt.“

Drei wesentliche Linien prägen das Karosseriedesign des neuen Range Rover, deren Ursprünge sich über alle Modellgenerationen zurückführen lassen: die leicht nach hinten abfallende Dachlinie, die das Dach so wirken lässt, als schwebe es, die horizontal betonte Gürtellinie und die moderat nach hinten ansteigende Schwellerlinie. Besonders gut erkennbar ist die fünfte Generation durch einen schwarzen Bügel am Heck, der in etwa die Form einer unbenutzten Heftklammer hat, im horizontalen Teil den Modellschriftzug enthält und außerdem die bei Nichtbenutzung unsichtbaren Rückleuchten. An der Front sind die Neuerungen eher kosmetischer Natur, fast könnte man meinen, es handle sich um ein Facelift – wenn auch um ein sehr gelungenes, insbesondere beim Spitzenmodell SV mit fünfstrebigem Kühlergrill.

Augenscheinlicher sind die Änderungen im fürstlichen Innenraum. Da wäre zum einen das 13,7 Zoll große Kombiinstrument, zum anderen der zentrale, 13,1 Zoll große Touchscreen im Querformat, der sich leicht gewölbt über das Dashboard schwingt. Darunter befindet sich eine Steuereinheit für die Klimaanlage, abermals darunter, also auf der Mittelkonsole, lässt sich der haptisch hochwertige Keramik-Knauf zur Steuerung der Automatik streicheln. Platz nimmt man auf ultrabequemen Sitzen, denen Rücken und Sitzfleisch wohl auch nach mehrstündigen Fahrten die Freundschaft nicht kündigen. Gleiches gilt für den Fond, wobei Rückbänkler zum Zeitvertreib optional in den Genuss von ebenfalls 13,1 Zoll großen Touchscreens kommen, verbaut in den Rückseiten der Vordersitze. Man muss allerdings nicht die Finger bemühen, denn Amazons Sprachassistentin Alexa ist mit an Bord, Apple CarPlay und Android Auto Wireless ebenso. Als Sitzbezüge sthen allerlei edle Materialien zur Wahl, erstmals ist auch ein veganer darunter. In die Kopfstützen der Vordersitze lässt sich eine Noise-Cancelling-Funktion integrieren, die Frequenzen ins Gegenteil verkehrt und die meisten Geräusche so nahezu unhörbar macht. 

Für die Rückbank können sich Kunden zwischen zwei einzelnen Sitzen oder einem durchgehenden Layout entscheiden. Eine dritte Sitzbank, tauglich laut Hersteller auch für durchschnittlich große Erwachsene, ist für die 5,25 Meter messende Langversion verfügbar. Passagiere in der zweiten Reihe dürfen sich in dieser an einem Meter Beinfreiheit erfreuen, doch auch in den regulären, 5,05 Meter langen Range Rover muss sich hinten niemand reinquetschen. Platznehmen kann man auch auf der zweigeteilten Heckklappe, wenn geöffnet und Auto geparkt. Dahinter ist Platz für ein Gepäckvolumen von maximal 1.841 Litern. Um auch im innerstädtischen Raum navigationsfähig zu bleiben, lenken die Hinterräder um bis zu 7,3 Grad mit, wodurch sich ein Wendekreis von 11 Metern ergeben soll.

Die Basis des neuen Range Rover bildet eine Plattform mit dem Kürzel MLA-Flex, was für „Flexible Modular Longitudinal Architecture“ steht, also für flexible modulare Längsarchitektur. Die Plattform kann mit einer Vielzahl an Varianten kombiniert werden, zunächst mit Mild- und Plugin-Hybriden, ab 2024 soll es dann auch eine rein elektrisch angetriebene Variante geben. Diese soll weiteren Modellgeschwistern den Weg bereiten, denn Land Rover will bis zum Ende des Jahrzehnts in jeder Baureihe eine vollelektrische Variante anbieten.

Zum Marktstart sind ab Januar 2022 zwei Plugin-Hybride bestellbar, einer mit 440 PS Systemleistung, der andere mit 510 PS, aber beide mit einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 100 Kilometern nach WLTP-Norm. Als Topmotorisierung steht ein BMW-Achtzylinder mit 530 PS zur Wahl, der in 5,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprinten soll. Darunter gibt es mildhybridisierte Benziner mit 360 und 400 PS sowie Selbstzünder mit 250, 300 und 350 PS, alle ebenfalls mit 48-Volt-Technik. Einstiegspreis für den 250-PS-Diesel: schlappe 121.000 Euro. Wer Wert auf ein gewisses Overstatement legt, kann die neuen Range Rover locker bis zum Preis nördlich einer Viertelmillion hochrüsten. 

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Mathias Keiber

02 Dez. 2021