Fahrbericht Renault Arkana TCe 140: Einfach und gut und ohne Mätzchen

Attila Langhammer

21 Dez. 2021

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Der Renault Arkana ist das jüngste Fahrzeug im Programm des französischen Herstellers. Hier erfährst Du, was das Kompakt-SUV mit dem exotischen Namen drauf hat und wo es schwächelt

YesAuto Bewertung:

78/ 100

Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

YesAutos umfassende Bewertungskriterien berücksichtigen jeden Aspekt eines Autos. Außerdem berücksichtigen sie, wie das Auto in Verhältnis zu anderen Autos der gleichen Kategorie steht. Unten sind die Kriterien, nach den jedes Auto bewertet wird, aufgelistet. Die Autos können pro Kriterium maximal 10 Punkte erhalten, was zu einer Note von insgesamt 100 Punkte führen kann.

  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit

Den Renault Arkana gibt es seit März diesen Jahres auf dem deutschen Markt. Es handelt sich dabei um ein kompaktes Fließheck-SUV mit 2,72 Meter Radstand und 4,57 Meter Gesamtlänge sowie einem guten Platzangebot. Die technische Basis bildet die CMF-B-Plattform, die sich Mitsubishi, Nissan und Renault teilen, bei Renault werden aus diesem Baukasten die aktuellen Generationen von Captur und Clio gefertigt. Von der Größe her sortiert sich der Arkana aber eher in der Nähe des Kadjar ein – der wiederum im nächsten Jahr vom Renault Austral abgelöst wird.


Motorisierung und Antrieb des Renault Arkana


Der Renault Arkana ist aktuell mit zwei Benzinern (140/158 PS) und einem Hybridantrieb (Systemleistung 143 PS) verfügbar, in allen Modellen werden ausschließlich die Vorderräder angetrieben. Im Testwagen Arkana TCe 140 steckt ein 1332 Kubikzentimeter großer (kleiner) Vierzylinder mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 140 PS und 260 Nm stark. Die Kombination mit einem integrierten Startergenerator (ISG) macht den Arkana zum Mildhybrid. Der ISG wird von einer Zwölf-Volt-Lithiumbatterie unter dem Beifahrersitz gespeist, damit erwacht der Arkana schneller aus der Stopp-Phase, wenn an der Ampel der Motor automatisch ausgeschaltet wird und er kann beim Bremsen bis zum Stillstand schon den Motor abschalten, bevor der Wagen zum Stillstand kommt. Leider passiert das nahezu immer, wenn sich der Wagen langsam bewegt: Beim Einparken ging jedes Mal der Motor aus bevor ich den Rückwärtsgang eingelegt hatte. In der Folge blieb die Servounterstützung aus, das Lenkrad verhärtete und ich musste entsprechend warten bis nach dem Lösen der Bremse der Motor wieder ansprang – diese Unterbrechung des Fahrvorgangs nervt.

Die Kraft wird im Arkana von einer Siebengang-Doppelkupplungsautomatik sortiert, die, ganz im Sinne des Spritsparens, sehr verhalten agiert; für meinen Geschmack schon zu träge. Erst im Sportmodus wirkt sie so, wie erwartet. Den Fahrmodusschalter gibt's aber erst ab der zweiten Ausstattung Intense. Das Zusammenspiel des kleinen Motors mit der Automatik funktioniert in dem wuchtig wirkenden SUV aber trotzdem gut, weil es völlig unhektisch zugeht, zeigt sich der mindestens 1340 Kilo schwere Wagen relativ sparsam. Ein Verbrauch um sieben Liter ist locker drin, insbesondere wenn Du das Fenster des Maximaldrehmoments zwischen 1750 und 3500 Umdrehungen klug nutzt. Unter hoher Drehzahl klingt der Hubraumzwerg schnell gequält.

Zur entspannten Grundstimmung passt auch das komfortable eingerichtete Fahrwerk, erst wenn hohe Tempi auf dicht gereihte Unebenheiten treffen, verliert es ein wenig die Fassung und wird zum strengen Trampler. Weil der Arkana also ein ganz gechilltes Auto ist scheint er es auch beim Wenden nicht zu eilig zu haben und ruht sich gern auf der größtmöglichen Umlaufbahn aus. 11,2 Meter sind aber deutlich zu viel, damit fühlt er sich regelmäßig unhandlich an und erfordert mehr Rangierzüge als erwartet. Zudem steht er auch nur auf 215er Reifen – da muss irgendwas schief gelaufen sein.


Wieviel Platz bietet der Dicke?


Für ein Auto seiner Größe bietet der Arkana ausreichend Platz, das Adjektiv großzügig kann er sich mit der beschnittenen Karosserieform aber nicht verdienen. Dennoch passe ich mit meiner Größe von 1,86 Meter auch noch problemlos in den Fond. Hier hilft es, das das Dach sich in der Höhe deutlich über den Türausschnitt wölbt. Reihe eins passt sowieso problemlos.

Der Kofferraum fasst im Normalmaß 513 Liter, das ist ein guter Wert, aber weil das Blech statt eines Kombiabschlusses einen Fließheckdeckel hat, verschenkt er das gute Startkapital auf dem Weg zum Maximum: höchstens 1296 Liter gehen bei umgelegter Rückbank hinten rein. Die Rückbank ist übrigens immer im Verhältnis 1/3 zu 2/3 geteilt, eine dreiteilige Variante gibt es nicht. Dafür ist die maximale Ladetiefe mit 1,87 ganz ordentlich – und dank des doppelten Ladebodens ist die Fläche auch topfeben.


Ausstattung und Konnektivität im Arkana auf der Höhe der Zeit


Der Innenraum des Renault Arkana ist herrlich funktional. Es gibt noch ausreichend Tasten um relevante Funktionen schnell und suchfrei zu steuern, die Klimasteuerung imitiert mit den Drehkränzen um runde Displays ein bisschen den Audi-Chic. Im Testwagen sind die Polster der Sitze zudem mit Leder bezogen (1490 Euro) – diese Option gibt's aber nur für die zweite Ausstattung Intense, die Topausstattung R.S. Line schmücken Alcantara-Lederpolster.


Schon in der Basis Zen kommt der Arkana mit anklapp-, beheiz- und elektrisch einstellbaren Außenspiegeln, sinnvoller Rückfahrkamera, Schaltpaddles hinterm Lenkrad, Sprachsteuerung, Startknopf sowie Voll-LED-Scheinwerfern – auch hier bolzt das SUV voll in die Komfort-Kerbe. All diese Ausstattungsmerkmale sollte ein Auto gegenwärtig haben, gut gemacht. Die Sprachsteuerung versteht zwar keine fließenden Spracheingaben, dafür führt sie Dich ordentlich durch die Eingabe und teilt Dir immer mit, welche Befehle Sie erwartet und versteht. Das funktioniert besser als "freies Sprechen" das schlecht realisiert ist.

Den 9,3-Zoll-Infotainmentbildschirm im praktischen Hochformat (inklusive Android Auto & Apple Carplay) gibt es erst für Intense (Standard), darunter musst Du mit sieben Zoll im Querformat vorlieb nehmen – und für die Mobilfunkintegration extra zahlen.

Im Bereich der Assistenten kann sich der Arkana mit den Standards Notbremsassistent inklusive Fußgängererkennung sowie einem Spurhalteassistenten und Verkehrszeichenerkennung zwar nicht hervortun, muss er aber auch nicht – ich jedenfalls begüße die Freiheiten die er lässt. Der Spurhaltehelfer funktioniert zudem recht angenehm, weil er nicht ruckartig ins Lenkrad greift. Darüber hinaus lassen sich solche Helfer wie Querverkehrs- und Totwinkel-Warner oder ein Stauassistent dazu konfigurieren.


Wer sollte einen Renault Arkana kaufen?


Wenn Du beim Autofahren viel Wert auf Komfort und umfangreiche Verwöhnausstattung legst, dann bekommst Du mit so einem Arkana ein ganz ordentliches Paket. Erst bei genauerem Hinsehen fallen ein paar kleine Schwächen auf: Wendekreis, lediglich einfach geteilte Fondsitzbank, teils eher einfache Materialien. Und dynamisch verhält es sich sehr ähnlich: Komfort wird mächtig groß geschrieben, Performance solltest Du eher keine erwarten – dafür hilft der Leistungsverzicht beim Sparen.


Fotos: Renault, YesAuto

Attila Langhammer

21 Dez. 2021