Renault Kiger: Ein Kompakt-SUV nur für Indien

Lukas Schmidt

03 Feb. 2021

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Renault stärkt seine Marktposition in Indien und bringt ein neues Modell exklusiv für den aufstrebenden Markt.

Dass die Zukunft der Automobilindustrie in Fernost entschieden wird sollte spätestens seit der China-Fokussierung sämtlicher Hersteller bekannt sein. Nun rückt wieder Indien in den Fokus, hier schlummert ein noch größeres Potenzial. Renault hat das schon länger erkannt und bringt nun mit dem Kiger das dritte Modell exklusiv für den Subkontinent.


Der Kiger soll Renaults starke Position in Indien festigen (Alle Bilder: Hersteller)


Was ist das Besondere am indischen Markt?


Jeder Markt hat seine eigenen Gesetze, diese Binsenweisheit gilt auch für Indien. Seit Jahren gilt der Subkontinent als großer Hoffnungsträger für die Industrie, doch bisher ist es noch keinem Hersteller gelungen den schlafenden Riesen zu erwecken. Im Gegenteil: Nach Rekordjahren 2017 (3,2 Millionen) und 2018 (3,4 Millionen) fielen die Verkaufszahlen 2019 wieder auf das Niveau von 2016 mit rund drei Millionen Fahrzeugen, um 2020 auf ein Zehn-Jahres-Tief von 2,4 Millionen Fahrzeugen abzufallen.


Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, schließlich kommen in Indien erst etwa 30 Fahrzeuge auf 1.000 Einwohner, im weltweiten Durchschnitt sind es 155, in Deutschland 557. Großes Aufholpotenzial also. Doch der Markt ist nicht nur hart umkämpft, neben den heimischen Herstellern und den Europäern buhlen zunehmend auch chinesische Hersteller um Kunden, sondern auch sehr preissensibel. In der Oberklasse wird zwar Marge gemacht, Masse aber gibt es nur im unteren Preissegment.


Volkswagen hat jahrelang vergeblich versucht ein günstiges Fahrzeug für den Markt zu entwickeln und zuletzt die Führerschaft für den Subkontinent an Škoda abgetreten. Die Tschechen sollen richten, was die Wolfsburger jahrelang nicht geschafft haben. Billig ist Škoda aber schon lange nicht mehr, daher wird auf SUVs gesetzt, die auf dem eigens für Indien angepassten Modularen Querbaukasten MQB-A0-IN basieren. Im März soll das Mittelklasse-SUV Kushaq die Konzern-Offensive India 2.0 anführen. Etwas Günstigeres muss aber auf jeden Fall noch folgen.



Was VW nicht gelungen ist, hat Renault 2015 mit dem Kwid vollbracht. Der Kleinwagen wurde von Grund auf für Indien neu konzipiert und kostet etwa 3.500 Euro, ohne sich billig anzufühlen oder auszusehen. Mit der Adaption des Dacia Duster unter der Marke Renault und dem nur für Indien entwickelten Triber setzten die Franzosen direkt nach und haben sich als absatzstärkster europäischer Anbieter in Indien festgesetzt.



Was bietet der Kiger?


Nach Kwid, Duster und Triber ist der Renault Kiger das vierte Modell der Marke auf dem indischen Markt und das dritte, das nur hier angeboten wird. Mit dem Kompakt-SUV folgt Renault den Verkaufstrends im B-Segment: SUVs haben hier ihren Marktanteil seit 2015 mehr als verdoppelt.


Der Kiger ist recht sportlich gezeichnet und hat breit ausgestellte Kotflügel, eine konturierte Motorhaube und eine markante Frontschürze. Zum SUV-Charakter tragen ein umlaufender Rammschutz, die Bodenfreiheit von 20,5 Zentimetern und eine funktionale Dachreling bei. LED-Tagfahrlichter und optionale 2-Farb-Lackierung runden das optisch ansprechende Gesamtpaket ab.



Der Radstand von 2,50 Metern bildet die Basis für ein großzügige Raumangebot. Die „Smart Cabin” des Kompakt-SUV vereint Geräumigkeit, Technologie und Funktionalität. Der 3,99 Meter lange Fünfsitzer wartet mit einem Kofferraumvolumen von 405 Litern auf. Bei zusammengefalteter Rückbank steigt die Ladekapazität auf 879 Liter – beides Rekordwerte im Segment. In den gehobenen Ausstattungen bietet Renault ein Infotainmentsystem mit 8-Zoll-Touchscreen sowie kabelloser Smartphone-Integration und Spracherkennung per Apple CarPlay und Android Auto. Je nach Ausstattung sind außerdem das Multi-Sense System zur Personalisierung des Fahrerlebnisses und das schlüssellose Zugangs- und Startsystem verfügbar.



Als Motorisierungen stehen zwei hochmoderne 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner zur Wahl. Neben der Saugmotorvariante mit 72 PS, 5-Gang-Schaltgetriebe oder automatisiertem Easy-R-Getriebe bietet Renault für den Kiger eine Turbovariante mit 100 PS an. Das Topaggregat in dem SUV-Modell mobilisiert ein maximales Drehmoment von 160 Nm und ermöglicht einen Kraftstoffverbrauch von 5 Litern Super pro 100 Kilometer. Renault kombiniert den Turbomotor mit dem 5-Gang-Schaltgetriebe oder dem komfortablen CVT-Getriebe X-tronic.



Zu den Preisen hat Renault noch keine Details bekannt gegeben. Größentechnisch reiht sich das Modell zwischen Triber und Duster ein, preislich wird der Kiger entsprechend zwischen umgerechnet den für diese Modelle aufgerufenen 6.000 und 11.000 Euro starten, wir schätzen gut unterhalb der 10.000 Euro.


Kommt der Kiger auch zu uns?


Mit Dacia fährt Renault in Europa eine Zwei-Marken-Strategie, die „billigen“ Autos werden hier von der rumänischen Tochter angeboten. Ein Kwid macht bei uns wenig Sinn, Kleinwagen haben in Deutschland sowieso schon einen schweren Stand und es gibt ja schon den Twingo. Einen Duster gibt es ebenfalls und der Triber ist als Minivan eher schwer zu vermitteln. Ein Kiger hätte da schon bessere Chancen und tatsächlich schließen die Franzosen nicht aus, das Modell auch auf weiteren Märkten anzubieten. Neben Captur und Kadjar ist der Platz aber arg begrenzt, daher vermuten wir, dass Europa auch bei größerem Erfolg in Indien nicht zu den Zielen des Kiger zählen wird.

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Lukas Schmidt

03 Feb. 2021