Formel-1-Duell kocht über: Titelrivalen crashen erneut

Frederik Hackbarth

06 Dez. 2021

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Unglaubliche Szenen beim spektakulären Saudi-Arabien GP: Lewis Hamilton und Max Verstappen schenken sich wieder nichts, es kracht erneut

Nächste Eskalationsstufe im Titel-Thriller: Lewis Hamilton gewinnt in Saudi-Arabien vor WM-Rivale Max Verstappen. Nach einem neuerlichen Kontakt zwischen den beiden Streithähnen sparen weder der Mercedes-Star, noch die internationale Presse, an Kritik für die aggressive Fahrweise Verstappens:

 

"Braking Bad", titelt etwa die britische 'Sun' in Bezug auf einen vermeintlichen Bremstest des Niederländers gegen seinen Mercedes-Rivalen. Die italienische 'Gazzetta dello Sport' findet: "Das Duell zwischen den beiden Titanen ist eines der härtesten und gefährlichsten in der Formel-1-Geschichte. Hamilton hat noch nie gegen einen so zähen und skrupellosen Rivalen wie Verstappen kämpfen müssen."

Hamilton bezeichnet Verstappen nach mehreren grenzwertigen Manövern bereits während des Rennens am Funk als "verdammt verrückt", später legt der Titelverteidiger nach: "Ich habe versucht heute cool zu bleiben. In 28 Jahren Rennsport bin ich gegen viele Piloten gefahren. Es gibt einige, die etwas über dem Limit operieren, für die die Regeln offenbar nicht gelten oder die nicht an sie denken", sagt der Brite in Richtung seines Gegenspielers.

Verstappen kontert: "Heute sind viele Dinge passiert, mit denen ich nicht unbedingt einverstanden bin. Aber jetzt ist es, wie es ist. Immerhin habe ich heute alles versucht." Anders als die Rennleitung, honorieren die Zuschauer Verstappens (Über-)Mut, wählen ihn zum Fahrer des Tages: "Zum Glück haben wenigstens die Fans einen klaren Kopf. Was heute passiert ist, ist verrückt: in diesem Sport geht es mittlerweile mehr um Strafen als um Racing. Das ist nicht die Formel 1", wettert Verstappen.

 

Mercedes-Sportchef Toto Wolff, der nach der nächsten Kollision der beiden WM-Rivalen wutentbrannt seine Kopfhörer auf den Boden donnert, ist nach dem Grand Prix um Deeskalation bemüht: "Es war hartes Racing, vielleicht zu hart. Zumindest bewegt es sich auf der roten Linie. Wir wollen einfach, dass es fair zu Ende geht, auch in Abu Dhabi." Dort bekommt die F1 kommendes Wochenende ein Knaller-Finale: Hamilton zieht durch den Sieg und die schnellste Rennrunde mit Verstappen in der WM gleich, die beiden gehen nun punktgleich ins letzte Saisonrennen.

 

Fehler, wie der von Verstappen am Samstag, als er es im Qualifying übertreibt, darf sich keiner der Titelrivalen mehr leisten: im Kampf um die Startplätze lässt es der Red-Bull-Star fliegen und liegt bereits klar auf Bestzeit-Kurs, wirft sein Auto dann aber in der Zielkurve in die Wand und die Pole damit weg. Der empfindliche Patzer im WM-Kampf wird am Sonntag jedoch schnell hinfällig. Zwar kann sich Verstappen nach dem Start von der dritten Position aus erstmal nicht verbessern, ein Abflug von Haas-Pilot Mick Schumacher sorgt dann jedoch für ein Safety-Car.

 

Während Mercedes beide Fahrer zum Reifenwechsel an die Box holt, bleibt Verstappen draußen und übernimmt die Führung. Weil die Reparaturarbeiten an der Unfallstelle aber länger dauern, unterbricht die Rennleitung den Grand Prix schließlich mit der roten Flagge und schenkt Verstappen dadurch die Möglichkeit, seine Reifen ebenfalls zu wechseln, ohne die Spitzenposition abzugeben. Letzteres passiert dann allerdings beim Restart, bei dem der Holländer schlecht loskommt.

 

Zwar holt sich Verstappen die Position in Kurve eins mit der Brechstange von Hamilton zurück, weil er dabei aber die Strecke verlässt, gibt es Ärger. Verstappens Problem: bei der Aktion hat sich zudem Alpine-Pilot Esteban Ocon zwischen ihn und Hamilton geschoben – außerdem ist das Rennen nach einem neuerlichen Crash zwischen Sergio Perez und Charles Leclerc, sowie einem im Getümmel dahinter folgenden Auffahrunfall zwischen Nikita Mazepin und George Russell sofort wieder unterbrochen.

Die FIA und Red Bull lassen sich nach kuriosen Diskussionen am Funk in der Folge auf einen Kuhhandel ein: Verstappen muss, um einer Strafe zu entgehen, in der Startaufstellung hinter Hamilton auf Platz drei zurück, Ocon erbt die Pole. Für den zweiten Restart zieht Red Bull seinem WM-Leader aber gelbe Medium-Reifen auf. Diese funktionieren am Start besser als Hamiltons harte Pneus und Verstappen sticht mit einem sehenswerten Manöver innen rein, um sich nicht nur Hamilton sondern auch die Führung zurückzuholen.

 

Im weiteren Verlauf des Rennens wird aber klar, dass Red Bulls Reifenpoker nur bedingt aufgeht, denn Verstappens weichere Gummis lassen schneller nach und Hamilton kommt ihm mit der Zeit immer näher. Eine Attacke des Briten wehrt Verstappen erneut hart ab, verlässt dafür aber wieder die Strecke. Dann kommt es zum großen Missverständnis: Verstappen will Hamilton die Position abtreten, um einer Strafe zu entgehen und geht deutlich vom Gas. Sein britischer Kontrahent ist darüber aber nicht informiert, zögert und kachelt Verstappen bei der Aktion ins Heck!

 

Der nächste Crash der beiden Titelrivalen, die bereits in Silverstone und Monza aneinandergerieten, lässt im Cockpit und an den Boxen die Gemüter überkochen, geht aber vergleichsweise glimpflich aus, denn beide können weiterfahren. Trotz ramponiertem Frontflügel geht Hamilton in der Schlussphase an Verstappen vorbei, der mit seinen Reifen kämpft und den Fight um den Sieg sowieso aufgeben muss, weil er für das frühere Abkürzen der Strecke eine Fünf-Sekunden-Strafe der Rennleitung aufgebrummt bekommt.

 

Nach dem Rennen kommen für die kontroverse Kollision mit Hamilton, für die die FIA Verstappen als Hauptverantwortlichen ausmacht, weitere zehn Strafsekunden dazu – diese ändern jedoch am Rennergebnis nichts, da Verstappen genug Vorsprung auf den Drittplatzierten Bottas hat. Der Finne komplettiert in seinem 100. und vorletzten Rennen für Mercedes das Podium, schnappt sich dafür auf den letzten Metern vor der Ziellinie noch den tapfer kämpfenden Ocon.

Nach Mick Schumachers Crash in der Anfangsphase, scheidet mit Sebastian Vettel auch der zweite Deutsche im Feld am Sonntag aus. Der Aston-Martin-Pilot gibt das Rennen wenige Umläufe vor Schluss in aussichtsloser Position auf: Vettel war zuvor mit Yuki Tsunoda und Kimi Räikkönen kollidiert und lag in Folge fernab der Punkteränge.


Fotos: F1, Mercedes, Red Bull

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Frederik Hackbarth

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