Scheuer fordert Verbrenner-Aus für Jahr 2035

Mathias Keiber

14 März. 2021

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Der Bundesverkehrsminister sieht für die Antriebstechnologie jedoch eine Zukunft in Form synthetischer Kraftstoffe haben.

(Titelfoto: bmvi)


Wie lange werden Autos mit Verbrennungsmotoren in Deutschland noch neu zugelassen? Anders als etwa in Frankreich oder Großbritannien hielt sich die Bundesregierung bislang bedeckt. Konkrete Jahreszahlen nannten Politiker mit Regierungsverantwortung nur auf der Ebene der Bundesländer. Sowohl der bayerische Ministerpräsident Markus Söder als auch sein baden-württembergischer Amtskollege Winfried Kretschmer brachten 2035 als das Jahr ins Spiel, in dem des Verbrenners letztes Stündchen für Neuzulassungen beim KBA schlagen soll. Nun hat sich Bundesverkehrsminister in der „Welt am Sonntag“ erstmals zu dem Thema geäußert.


„Unser Ziel muss das Auslaufen des fossilen Verbrenners bis 2035 sein“, stimmte der CSU-Politiker in den Kanon süddeutscher Landesväter mit ein. Allerdings betonte Scheuer, der Verbrenner sei damit aber nicht völlig am Ende. Seinem Willen nach sollen synthetische Kraftstoffe „die in Deutschland hoch entwickelte Technologie des Verbrenners in die Zukunft zu führen“. Die auch E-Fuels genannten Sprits müssten „raus aus dem Reagenzglas und rein in die Massenproduktion“. Um sie konkurrenzfähig zu machen, müsse der Gesetzgeber Druck machen. „Wir müssen technologieoffen bleiben und gleichzeitig weiter strenge Klimaschutz-Vorgaben machen, damit die Anreize da sind, die nächsten 15 Jahre zu nutzen, um konkurrenzfähige, saubere Kraftstoffe für Verbrenner zu entwickeln“, so Scheuer.


Die Umweltschutzorganisationen sehen das naturgemäß anders. Zum Beispiel der Verkehrsexperte Benjamin Stephan von Greenpeace. Gegenüber dem „Handelsblatt“ nahm der Aktivist Stellung zum Scheuer-Interview: „Die Herstellung synthetischer Kraftstoffe benötigt Strom. Mit der gleichen Menge Strom fährt ein E-Auto mit Batterie mindestens fünfmal so weit wie ein Verbrenner mit strombasiertem Kraftstoff.“ Strombasierte Kraftstoffe seien deshalb eine „hanebüchene Verschwendung“ und „dauerhaft viel zu teuer für den Betrieb von Autos“.

Tankdeckel Porsche 911 GT 3: soll in ein paar Jahren noch genau so aussehen. (Porsche)


So mancher Autohersteller hat E-Fuels jedoch alles andere als abgeschrieben. Porsche zum Beispiel will damit seine Markenikone 911 fit für die Zukunft machen. Dafür beteiligt sich das Zuffenhausener Unternehmen an einer Pilotanlage zur Produktion von E-Fuels im Süden von Chile. Der geplante Bau des chilenischen Energiekonzern Andes Mining & Energy (AME) befindet sich aktuell in der Genehmigungsphase. Neben Porsche beteiligen sich auch Siemens Energy sowie der italienische Stromkonzern Enel.


Die Energie zur dortigen Herstellung synthetischer Kraftstoffe soll zu 100 Prozent aus Windkraft kommen, die sich in Patagonien dank beständig starker Luftströme aus der Antarktis besonders gut gewinnen lässt. So steigt auch der Wirkungsgrad der Anlage. AME will damit jährlich 350 Tonnen grünes Methanol sowie 250 Tonnen grünen Kraftstoff herstellen. Derweil strebt Porsche an, dass ab 2024 alle neuverkauften 911er mit E-Fuels betrieben werden können.


Das Thema bleibt auf jeden Fall spannend. Denn eines darf man auch nicht außer Acht lassen: Eine Infrastruktur zum Tanken von E-Fuels muss nicht erste aufgebaut werden, sie existiert bereits – in Form von 14.000 Tankstellen zwischen Garmisch und Flensburg.


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Mathias Keiber

14 März. 2021