Schlussakkord mit Rekord

Ralf Kund

18 Nov. 2020

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Gerade erst wurde der Mercedes-AMG GT Black Series vorgestellt, da ist er auch schon Rekordhalter: Maro Engel umrundete die Nordschleife in 6:48,047 Minuten. Damit ist das auf maximale Rennstreckenperformance optimierte V8-Geschoss neuer Spitzenreiter bei den nicht modifizierten Sportwagen mit Straßenzulassung und löst den Lamborghini Aventador SVJ ab, der den Kurs in 6:44,97 Minuten umrundete.

(Fotos: Mercedes-Benz)


Gerade erst wurde der Mercedes-AMG GT Black Series vorgestellt, da ist er auch schon Rekordhalter: Mit GT3-Profi Maro Engel am Steuer umrundete der 730 PS starke Bolide die legendäre Nürburgring-Nordschleife in 6:48,047 Minuten. Damit ist das auf maximale Rennstreckenperformance optimierte V8-Geschoss neuer Spitzenreiter bei den nicht modifizierten Sportwagen mit Straßenzulassung und löst den bisherigen Rekordhalter Lamborghini Aventador SVJ ab, der den Kurs in 6:44,97 Minuten umrundete.

Wie kann das sein? Es gibt seit jeher zwei Längen, auf die sich die Rekorde beziehen. Traditionell wurde ein Stück, genauer 232 Meter im Streckenabschnitt „T13“, ausgelassen. Die meisten Rekorde beziehen sich also auf eine Streckenlänge von 20,6 Kilometern. Um mehr Ordnung und Vergleichbarkeit zu schaffen, hat die Nürburgring GmbH 2019 festgelegt, dass Rekorde auf der gesamten Strecke gefahren werden, gibt die Punkte für die Zeitmessung vor und listet offiziell die gefahrenen Zeiten, getrennt nach Fahrzeugkategorien. Zur Zeit des Lamborghini-Rekords gab es diese Vorgaben noch nicht, die Zeit bezieht sich also auf die 20,6 Kilometer. Auch diese Zeit hat Mercedes-AMG ermittelt und gibt dafür 6:43,616 Minuten an. Wer sich jetzt auch noch wundert, warum der Porsche GT2 RS MR mit seinen 6:44,749 Minuten (auf der langen Strecke) nicht als Rekordhalter genannt wird – er zählt nicht zu den Seriensportwagen, sondern wird als schnellstes, modifiziertes Fahrzeug gelistet, da er von Manthey Racing (vor allem aerodynamisch) optimiert wurde. Zugegeben: ganz schön kompliziert.


Als unkompliziert, aber beeindruckend empfand dagegen Maro Engel seine Rekordfahrt, die auf der Döttinger Höhe die 300 km/h knackte, „deutlich schneller als mein GT3-Rennfahrzeug“, und im Streckenbereich Kesselchen fast 270 km/h erreichte. Dabei halfen Fahrer und Team auch die vielfältigen Einstellmöglichkeiten, die Gewindefahrwerk und Aerodynamik-Teile ab Werk bieten. So wurde der Sturz bis zum maximal Möglichen ausgereizt (vorn minus 3,8, hinten minus drei Grad), das Fahrwerk vorn um fünf und hinten um drei Millimeter abgesenkt, um den Venturi-Effekt des Frontsplitters in der Race-Position maximal zu nutzen. Für die Querstabis wählte Engel die härteste der drei Einstellungen und regelte die neunstufige Traktionskontrolle je nach Streckenabschnitt zwischen Stufe sechs und sieben ein.

Gefahren wurde die Rekordzeit auf speziell für den Black Series angefertigten Reifen von Michelin, die straßenzugelassen und ab Werk bestellbar sind. Die extremen Michelin Pilot Sport Cup 2 R MO in der Dimension 285/35 ZR19 und 335/30 ZR 20 (hinten) werden in zwei unterschiedlichen Mischungen (hard und soft compound) angeboten und erlauben besonders schnelle Rundenzeiten, sind aber im Alltag – etwa bei Nässe – nur eingeschränkt tauglich.

Kenner wissen: Wenn ein Black Series kommt, rückt das Ende der Modellreihe näher. 2022 soll es so weit sein mit der Wachablösung. Die Gerüchteküche brodelt, ein paar Details gelten aber als sicher. Etwa, dass sich der nächste GT eine Plattform mit dem SL teilt (MSA-Plattform = Modulare Sport Architektur) und so näher an die Serienmodelle heranrückt. Das könnte zur Folge haben, dass die nächste Generation keinen GT Roadster mehr anbietet, dessen Rolle dann ein sportlicherer SL übernimmt. Ebenso wahrscheinlich ist, dass das Doppelkupplungsgetriebe einer modifizierten Variante des 9G-Tronic-Automatikgetriebes weicht. Damit wäre die noch aus SLS-Zeiten stammende Torque Tube zum Getriebe an der Hinterachse passé, weil die Automatik direkt am Motor sitzt. Daraus wiederum ergibt sich eine ungünstigere Gewichtsverteilung mit Folgen für die Traktion und damit die Längsbeschleunigung. Da Mercedes mit seinem 4matic+-Allradantrieb ein probates Gegenmittel für Traktionsprobleme hat, könnte er im nächsten AMG GT zum Einsatz kommen.


Bei den Motoren wird spekuliert, dass sich die Palette in der nächsten Generation deutlich erweitert. Als Basisantrieb ist der neue Zweiliter-Vierzylinder aus dem C 43 denkbar, der mit elektrischem Turbolader 390 PS leistet. Für rund 500 PS könnte ein Plug-In-Hybrid Vierzylinder mit E-Motor an der Hinterachse sorgen. Natürlich wird auch der V8-Biturbo bleiben, den es in zwei Ausbaustufen geben könnte: Als Mildhybrid mit mehr als 600 PS, kombiniert mit dem integrierten Startergenerator (ISG) mit Boost-Funktion, und als Plug-In-Hybrid mit Elektromotor an der Hinterachse und einer Gesamtleistung von bis zu 800 PS.



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Ralf Kund

18 Nov. 2020