Seat Ibiza 1,5 TSI FR (2021): Facelift von innen

Arne Roller

29 Juli. 2021

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Außen Evolution, innen Revolution – so untertitelt Seat die Modellpflege des Ibiza. Es macht Sinn: Wer schön ist, muss sich auf die inneren Werte konzentrieren.

YesAuto Bewertung:

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Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

YesAutos umfassende Bewertungskriterien berücksichtigen jeden Aspekt eines Autos. Außerdem berücksichtigen sie, wie das Auto in Verhältnis zu anderen Autos der gleichen Kategorie steht. Unten sind die Kriterien, nach den jedes Auto bewertet wird, aufgelistet. Die Autos können pro Kriterium maximal 10 Punkte erhalten, was zu einer Note von insgesamt 100 Punkte führen kann.

  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit


Obwohl der aktuelle Seat Ibiza als sehr jugendlich auftretendes Fahrzeug daherkommt, ist er eigentlich der Papa aller Seat. Schon 1984 kam er auf den Markt und stellt damit die am längsten laufende Baureihe unter allen heutigen Modellen der Marke dar. Mit über sechs Millionen verkauften Fahrzeugen kann ihm auch so schnell niemand den Rang ablaufen. 


Zwar ist heute der Seat Leon der Verkaufsschlager der Spanier, aber an die insgesamt verkauften Exemplare kommt er mit bisher zwei Millionen noch lange nicht ran. Auch geschichtlich gesehen ist der Ibiza das wichtigste Modell der Spanier. Er war nach der Trennung von Fiat 1981 (zuvor baute Seat lediglich Lizenzprodukte des italienischen Herstellers) die erste Eigenentwicklung der Marke. Der Ibiza legte den Grundstein für Seat, wie es heute ist. In seinem Heimatland ist er aus all diesen Gründen automobiles Kulturgut.  


Drum wundern mich auch die Blicke der Passanten nicht, als ich mit dem Facelift-Modell der nun fünften Modellgeneration durchs Baskenland fahre. Es sind Kennerblicke. Ihre Augen scannen das Fahrzeug. Sie schauen genau hin. Möglich, dass sie die neusten Änderungen suchen. Im Falle dieses Facelifts müssen sie bei der Außenhaut des Ibiza die Sehrorgane ordentlich zusammenkneifen, um einen Unterschied erspähen zu können. 

Bei Seat wissen sie: Wenn etwas hervorragend funktioniert, musst du es nicht revolutionieren. Veränderung nur der Veränderung willen, das hat man sich verkniffen. Bei Seat sind sie selbstredend der Meinung, dass der Ibiza sowieso das schönste Design in seiner Klasse hat. Und ich bin der Meinung: Da könnten sie Recht haben. Außerdem stimmen die Verkaufszahlen. Ergo: es gibt so gut wie keine Änderungen. 



Seat Ibiza Facelift (2021): Außen gut wiederzuerkennen


Vorne finden sich nun serienmäßig sogenannte Eco-LED-Scheinwerfer (noch hellere Voll-LEDs gibt’s für 600 Euro Aufpreis) und zentral am Heck prangt der Modellname in großer Schreibschrift. Wem die Schrift nicht gefällt, der kann die Kennzeichnung im Konfigurator ganz einfach abwählen.


Optional gibt es jetzt den geschwungenen "Ibiza"-Schriftzug zentral am Heck.


Zusammen mit zwei neuen Lackfarben (Asphalt Blue und Saphire Blue) und drei neuen Felgen-Designs ist damit die Evolution des Exterieurs schon beschrieben. Vorher-Nachher-Bilder erzielen hier keinen großen Effekt. Vorher buneo, nachher bueno.



Seat Ibiza Facelift (2021): Innen alles neu


Die wirkliche Revolution findet sich dort, wo die Augen der spanischen Passanten bei meinen Vorbeifahrten nicht hinreichen: im Interieur. Hier hat Seat das Design komplett erneuert. 


Der neue Infotainment-Screen sitzt nun "freischwebend" obenauf. Das Dashboard besteht nun aus einem weichen Material mit Musterung. 


Der zentrale Infotainment-Screen ist nach oben gewandert, thront nun freischwebend über der Mittelkonsole. Die Luftausströmer sind mit farbigen Umrandungen aus Plastik versehen, die im Dunkeln leuchten und sich ins Ambiente-Licht integrieren (auch diese Neuerung kann man im Konfigurator abwählen).


Das Nappaleder-Multifunktionslenkrad ist in alle Richtungen verstellbar, die Sitzeinstellung erfolgt manuell.



Seat Ibiza Facelift: Konnektivität und Fahrassistenz mit großen Upgrades


In Sachen Technologie dreht sich die Erde noch etwas schneller als beim Design. Neue Features schreien in immer höherer Taktung nach Aufmerksamkeit. Und Seat hört hin. Autonomes Fahren auf Level 2 und kabellose Smartphone-Integration haben besonders laut gerufen und finden dementsprechend ihren Weg in die Facelift-Version des Ibiza. Mit Letzterem ist nun in einem Kleinwagen zu haben, was selbst in manchen Mittelklasse-Fahrzeugen nicht auf der Preisliste steht. Es zeigt auch: Seat kennt seine Kundschaft. Die ist jung – im Schnitt zehn Jahre jünger als beim Rest des Volkswagen-Konzerns. Und die “Digital-Natives” wollen das neueste Zeug in Sachen Smartphone-Konnektivität. Sie kriegen es. Neben induktivem Laden und USB-C-Anschlüssen sorgt die Seat-Connect-App dafür, dass man Latte Macchiato schlürfend vom Café aus auf dem Handy nachschauen kann, wo man denn das Auto geparkt hatte. So geht Urban-Lifestyle.

Dank integrierter SIM-Karte ist der Ibiza zudem “always on”, bezieht Echtzeit-Verkehrsinfos und kriegt hunderte von Internet-Radiosendern rein. Auch an die Sicherheit ist gedacht: Das Fahrzeug setzt automatisch einen Notruf ab, wenn ein Unfall registriert wird. 


USB war gestern. Jetzt gibt’s induktives Laden und darüber zwei moderne USB-C, Anschlüsse.


Was hingegen nicht dem Gebot der Stunde widerspricht, ist die fehlende Elektrifizierung der Motorenpalette beim Facelift. Dafür gibt es eine so einleuchtende wie einfache Erklärung: Die aktuelle Baureihe des Ibiza steht (wie auch der VW Polo oder der Seat Arona) auf der MQB-A0-Plattform und die ist für jedwede Elektrifizierung nicht ausgelegt. Also bleiben die Motoren unverändert. 



Seat Ibiza 1,6 TSI FR: Von gemütlich bis wild


Auf meiner Testfahrt bin ich mit der Topmotorisierung, dem 1,5-Liter TSI-Vierzylindermotor in Kombination mit der Ausstattungsvariante FR unterwegs – im stärksten Ibiza, den man aktuell kaufen kann. Als ich durch die Stadt fahre, bin ich zunächst über die Härte des Fahrwerks und das abrupte Ansprechverhalten des Gaspedals an der Ampel überrascht. Ein Blick auf die Fahrmodi-Einstellungen hilft weiter. Alles ist auf Sport gestellt. Das muss im dichten Stadtverkehr nun nicht sein. Also stelle ich Lenkung, Fahrwerk und die Motoreinstellung von Sport auf Normal. Und schon wird die Fahrt ganz anders, das Anfahren entspannter und die künstlichen Bodenwellen, die in Bilbao gefühlt alle fünfzig Meter stehen, wesentlich weniger ruppig. 


Es geht raus aus der Stadt. Auf der Landstraße stelle ich dann schnell wieder alles scharf. Auch das Getriebe verfügt über einen Sportmodus, den ich nun einschalte. Das DSG sortiert die Gänge schnell und gekonnt. Sollte ich trotzdem selber schalten wollen, kann ich das über die Pedals hiner dem Lenkrad. Mit der jetzt strafferen Lenkung zirkele ich den Ibiza um die Kurven. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den spanischen Straßen sorgen dafür, dass der kleine Seat jede Kurve nimmt, ohne auch nur in die Nähe irgendeines Grenzbereichs zu kommen. Kein Untersteuern, keine Neigung. Ein sportlicher Kleinwagen, ein “hot hatch”, wie er sein soll. 



Seat Ibiza 1,5 TSI FR: Fazit


Die Facelift-Version des Seat Ibiza ist ab sofort bestellbar. Los geht es bei 14.950 Euro und damit rund 500 Euro unter dem Basispreis vor dem Facelift. Für die von mir gefahrene FR-Version in Verbindung mit dem 150 PS-Vierzylinder samt DSG muss man mindestens 24.900 Euro auf den Tisch legen. 


YesAuto-Redakteur Arne Roller präsentiert den aufgefrischten Seat Ibiza.


Äußerlich fast unverändert bleibt der Ibiza einer der attraktivsten Kleinwagen. Dank des deutlich aufgewerteten Innenraum und den Upgrades beim Infotainment sowie den Asisstenzsystemen ist die fünfte Generation des Ibiza für ihren zweiten Lebenszyklus gut gerüstet.




Seat Ibiza 1,5 TSI FR: Technische Daten


Fünftürer, fünfsitziger Kleinwagen mit Frontantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.059 mm/1.780 mm/1.444 mm

Radstand: 2.564 mm  

Motor: 1,5-Liter-Reihenvierzylinder-Turbobenziner, 110 kW/150 PS bei 5.000-6.000 U/min, maximales Drehmoment: 250 Newtonmeter bei 1.500 – 3.500 U/min

Motorposition: Frontmotor, quer verbaut

Antrieb: Vorderradantrieb

Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG)

Leergewicht: 1.184 Kilogramm        

Kofferraumvolumen: 361 bis 1.165 Liter

0-100 km/h: 8,1 s

Vmax: 216 km/h

Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 5,0 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 114 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Effizienzklasse: B

Tankinhalt: 40 Liter

Preis: ab 19.490 Euro



Seat Ibiza (2021): Motorenpalette


Dreizylinder:

1.0 MPI (80 PS, 5-Gang-Handschaltung)

1.0 TSI (95 PS, 5-Gang-Handschaltung)

1,0 TSI (110 PS, 6-Gang-Handschaltung/7-Gang-DSG)


Vierzylinder:

1,5 TSI (150 PS, 7-Gang-DSG)


Erdgas (Dreizylinder):

1,0 TGI (90 PS, 6-Gang-Handschaltung)



Seat Ibiza (2021) Assistenzsysteme


  • Travel Assist (autonomes Fahren auf Level 2)
  • Spurhalte-, Notbrems- und Fernlichasssitent
  • Verkehrzeichenerkennung sowie Totwinkel- und Müdigkeits-Überwachung.

 


Seat Ibiza (2021): Ausstattungsvarianten und Preise


Reference (ab 14.950 Euro)


  • Infotainmentsystem mit 8,25 Zoll großem Touchscreen
  • integrierter Freisprechanlage
  • Audio-Streaming und SEAT CONNECT
  • Multifunktionslenkrad
  • elektrische Außenspiegel und Fensterheber vorne



Style (ab 17.610 Euro)


  • 15-Zoll-Leichtmetallrädern (Reference: Stahlräder)
  • Lederlenkrad
  • Schalthebel mit Lederbezug (DSG-Getriebe) beziehungsweise in Lederoptik (Handschaltung)
  • Klimaanlage
  • sechs statt vier Lautsprechern
  • Geschwindigkeitsregelanlage 



Excellence (ab 19.490 Euro)


  • 16-Zoll-Leichtmetallräder
  • Chromleisten an den Seitenfenstern
  • Kühlergrill in Chrom-Diamant-Design
  • Heckleuchten in LED-Technik
  • Ambiente-Beleuchtung, Dekoreinlagen in der Armaturentafel und den vorderen Türen in „Ice Metal“, Dachhimmel in Schwarz
  • Mittelarmlehne vorne, weitere Ablagemöglichkeiten vorne und hinten
  • Klimaautomatik Climatronic
  • schlüsselloses Schließ- und Startsystem “Kessy”
  • Elektrische Fensterheber hinten
  • Nebelscheinwerfer
  • Regensensor
  • Einparkhilfe



FR (ab 19.490 Euro)


  • 17-Zoll-Leichtmetallräder
  • Stoßfänger und der Heckdiffusor im „FR“-Design
  • zweiflutiges Abgasendrohr (nur 1.5 TSI DSG)
  • Sportfahrwerk
  • elektronischen Differentialsperre
  • individuell wählbare Fahrprofile
  • Sportsitze und spezifisches FR-Lenkrad-Design zweifarbige Ambient-Beleuchtung in den vorderen Türen
  • rot und weiß beleuchtete Lüftungsdüsen



Zusatzausstattungen (Auszug)


  • 18-Zoll-Felgen ( je nach Variante ohne Aufpreis bis 590 Euro)
  • Modellbezeichnung am Heck und farbige Luftüngsdüsen können kostenfrei zu- oder abgewählt werden
  • Winterpaket: 410 Euro
  • Panorama-Glasdach: 860 Euro
  • 9,2-Zoll-Media mit Navi und Full Link: 950 Euro
  • Voll-LED-Scheinwerfer: 600 Euro#
  • Variabler Gepäckraumboden inkl. Mittelarmlehne: 320 Euro
  • Virtual Cockpit: 350 Euro



Versicherung, Wartung, Garantie


Versicherungsklassen KH/VK/TK: 14/19/22

Wartungsintervall: 30.000 km/12 Monate (erste Inspektion 30.000 km/24 Monate)

Garantie: 2 Jahre / unbegrenzte km



Mitbewerber



(Fotos: Seat)

Arne Roller

29 Juli. 2021