Seat-Unternehmensstrategie „Future Fast Forward“ nimmt Fahrt auf: 3 Fragen beantwortet

Lukas Schmidt

24 März. 2021

1/5
Totgesagte leben länger: eben noch Gerüchte über die Abwicklung der Marke, jetzt kündigt Seat ein neues E-Fahrzeug an und will das Hauptwerk Martorell zum Elektro-Hub im VW-Konzern machen.

Bei seiner Jahrespressekonferenz hat Seat am Montag sein erstes urbanes Elektrofahrzeug angekündigt. Es gilt als wichtigster Treiber der ehrgeizigen Unternehmensstrategie „Future Fast Forward“, die zudem ein neues Cupra-Modell und nichts weniger als die Neuerfindung der spanischen Autoindustrie umfasst. Wir schlüsseln die Details noch einmal auf.

So soll Seats neues urbanes E-Auto aussehen (Alle Bilder: Seat)


Was hat es mit dem urbanen Elektrofahrzeug auf sich?


Das urbane EV soll zwischen 20 und 25.000 Euro kosten und im Jahr 2025 eingeführt werden. Das Modell soll die Elektrifizierung der Automobilindustrie in Spanien anführen. Dafür sollen im Hauptwerk Martorell mehr als 500.000 urbane Elektrofahrzeuge pro Jahr produziert werden können – und zwar nicht nur für Seat, sondern für den gesamten Volkswagen Konzern. Die spanische Marke will daher die Entwicklung dieser Sparte im Konzern leiten und die eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung entsprechend um- und ausbauen. Lokale Partner hat Seat bereits, es fehlen noch die Unterstützung durch die spanische Regierung und die EU-Kommission. Will heißen, ohne Fördermittel kann sich Seat den ehrgeizigen Plan wohl nicht leisten, und Volkswagen will ihn sich vielleicht nicht leisten?

Welche weiteren Modelle hat Seat angekündigt?


Bei Seat selbst sieht es mit neuen Modellen abseits des angekündigten urbanen EVs in nächster Zeit mau aus. In diesem Jahr stehen nur „Produktaufwertungen“ für den Ibiza und das SUV Arona an. Die Tochter Cupra, von den Spaniern vehement „eigenständige Marke“ genannt, hat da schon mehr Pfeile im Köcher. 2021 kommt mit dem sportlichen Cupra Born der erste Stromer der Marke. Bis dahin müssen das SUV Formentor und die Sport/Cupra-Ableger der Seat-Modelle die Fahne hochhalten. 2024 soll sich dann das dritte eigenständige Modell der Marke dazugesellen: Der ebenfalls rein elektrische Tavascan, der in Barcelona entworfen und entwickelt wird. Beide Stromer basieren auf der MEB-Plattform des Konzern, der Born wird in Zwickau vom Band laufen, wo der Tavascan gefertigt wird, steht noch aus.

Welche Pläne verfolgt Seat in Europa und weltweit?


2020 war Corona-bedingt ein hartes Jahr für die Spanier. In Summe stand ein Verlust von 194 Millionen Euro in den Büchern, der Absatz ist im Vergleich zu 2019 um ein Vierteil eingebrochen. Auch die schleppende Elektrifizierung der Marke fordert ihren Tribut. Zwar verkaufen sich die neuen SUV besser und Seat konnte seinen Marktanteil in ganz Europa verteidigen und in einzelnen Märkten wie Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz, Israel und der Türkei sogar erhöhen, für den Betrieb der Flotte muss Seat allerdings CO2-Zertifikate zukaufen und hat 2020 so mehr als 260 Millionen Euro ausgeben müssen.


Auch hier muss es erstmal Cupra richten: Der Formentor kommt als E-Hybrid und der elektrische Born soll den Flottenschnitt drücken, bevor eigene Modelle auf den Markt kommen. Da darf die Marke Cupra dann übrigens wieder zu Seat gerechnet werden. Dennoch ist Seat kein Kind von Traurigkeit, bis 2025 wollen die Spanier 5 Milliarden Euro investieren und in Forschung und Entwicklung stecken. Für Cupra ist darüber hinaus eine Expansion nach Australien geplant. Dieser junge Markt mit hohem Einkommen der Mittelschicht passe perfekt zur neuen Marke Cupra, so die Hoffnung.

Seat selbst bleibt weiter seinen europäischen Märkten treu, braucht für das Ziel, in Martorell mehr als 500.000 urbane Elektrofahrzeuge pro Jahr zu produzieren und damit die spanische Automobilindustrie zu elektrifizieren, aber die Unterstützung der EU und des Landes. Ganz gesichert ist die Zukunft von Seat also noch nicht, aber den Unkenrufen der letzten Wochen werden die Spanier wohl noch eine Weile trotzen können.

360°

Details

Gebraucht

Videos

News

Du weißt nicht, welches Auto zu Deinem Lebensstil passt? Frag YesAuto! Unser Kaufberater zeigt Dir alle Informationen, die Du brauchst um die richtige Entscheidung zu treffen.

Lukas Schmidt

24 März. 2021