Selbstfahrendes E-Auto: Zwischen Hyundai und Apple funkt es

Mathias Keiber

08 Jan. 2021

Beim autonomen Fahren bahnt sich ein amerikanisch-koreanischer Schulterschluss an – oder doch nicht? Oder doch?

Der Aktienkurs eines Autoherstellers explodiert innerhalb von Minuten um über 9 Milliarden Dollar. Kann sich nur um Tesla handeln, oder? Vermutlich mal wieder ein Tweet von Elon Musk. Doch: Pustekuchen! Es geht nicht um Tesla und den Kurznachrichtendienst, es geht um Hyundai und den Fernsehsender Korea Economic Daily. Der Spartenkanal hatte am frühen Freitagmorgen von einer möglichen Allianz zwischen Hyundai und dem US-Tech-Giganten Apple für die gemeinsame Entwicklung eines selbstfahrenden Autos berichtet. Interne Gespräche seien bereits beendet, Hyundai erwarte nur noch die Zustimmung seines Chairmans, hatte es geheißen. Das war genug, um die Aktie des Autoherstellers auf Himmelfahrt zu schicken. Plötzlich war Hyundai 25 Prozent mehr wert.


Doch der koreanische Konzern beschwichtigte umgehend. In einem Statement hieß es, man sei einer von einigen Autoherstellern, mit denen Apple über die Entwicklung eines autonomen Autos spreche. 30 Minuten später gab es ein neues Statement – ohne Verweis auf andere Autohersteller. Alles korrekt nun also? Mitnichten. Kurze Zeit später folgte die nächste Mitteilung von Hyundai. Von Apple war in dieser keine Rede mehr. Stattdessen hieß es: „Wir haben von verschiedenen Unternehmen Anfragen für eine mögliche Entwicklung autonomer Elektroautos erhalten.“ Jegliche Gespräche befänden sich jedoch noch in einem sehr frühen Stadium, keine Entscheidung sei getroffen. Der Effekt auf den Aktienkurs blieb überschaubar. Das Papier pendelte sich erstmal bei etwa 18 Prozent plus ein. Nachvollziehbar, denn ein Dementi gab und gibt es nicht. Auch nicht von Apple.


Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm? Die Katze bleibt im Sack!


Der Tech-Riese sagte dasselbe wie eigentlich immer: überhaupt gar nichts. Denn Geheimniskrämerei ist bei den Kaliforniern Marktmaxime. Von neuen Produkten der Firma erfährt die Öffentlichkeit, wenn alles nach Plan läuft, bei der offiziellen Vorstellung. Während der Finanznachrichtendienst „Bloomberg“ von Apple also „keinen Kommentar“ auf seine Anfrage zu der Angelegenheit bekam, dürften die Leitungen zwischen dem kalifornischen Nest Cupertino und der Weltmetropole Seoul heiß gelaufen sein. Denn der Tech-Riese versteht bei Indiskretionen keinen Spaß.


Von Leuten mit Kenntnis der Pläne will „Bloomberg“ aber erfahren haben, dass Apple mindestens noch ein halbes Jahrzehnt bis zum Launch eines autonomen Elektroautos brauche, da die Entwicklung noch in den Kinderschuhen stecke. Es bestehe daher keine Eile, sich für einen Partner aus der Riege der Autohersteller zu entscheiden. Dass Apple einen solchen braucht, steht jedoch außer Frage. Die Firma hat weder die Produktionskapazitäten noch das Vertriebsnetz, über das die Autohersteller verfügen.


Wie ist die Sache demnach zu bewerten? Antwort: Am Freitagmorgen ist so mancher Anleger in kürzester Zeit sehr viel reicher geworden. Inwiefern die Indiskretion den Chancen von Hyundai einer möglichen Partnerschaft mit Apple geschadet hat, bleibt abzuwarten.


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Mathias Keiber

08 Jan. 2021