Siegertyp: C-Type wiederbelebt

Mathias Keiber

03 Feb. 2021

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Nur acht Stück: Jaguar legt sein Le-Mans-Siegerauto von 1951 und 1953 als Continuation-Car neu auf.

Sieben Gesamtsiege beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans konnte Jaguar erringen. Zum ersten Mal gelang das Kunststück vor 70 Jahren im legendären C-Type. 267 Runden fuhren Kapitän Peter Walker und sein Partnerpilot Peter Whitehead am Wochenende des 22. und 23 Juni 1951 in ihrem Jaguar XK 120C (Zieleinfahrt im Bild) – neun mehr als das zweitplatzierte Team aus Frankreich im Talbot-Lago T26 GS. Insgesamt vier Teams traten im Jaguar C-Type an – und um Mitternacht hatten drei davon noch die ersten drei Plätze belegt. Doch musste das Team um den legendären Stirling Moss mit einem Defekt aufgeben, ebenso das vom Italiener Clemente Biondetti geführte Fahrer-Duo.

Das Siegerauto von 1953. (Alle Abbildungen: Jaguar)


Zum Jubiläum des ersten Gesamtsieges in Le Mans legt Jaguar Classic eine auf acht Einheiten limitierte Serie sogenannter „Continuation Cars“ des C-Types auf. Mit den komplett in Handarbeit bei Jaguar Classic Works in Coventry gefertigten Neuschöpfungen erhalten erstklassig betuchte Liebhaber des historischen Motorsports die Gelegenheit, eine originalgetreue Nachbildung des legendären Langstreckenrenners zu erwerben. Allerdings in Gestalt des Siegerwagens von 1953, der als ultimative Evolution des C-Types mit Scheibenbremsen und dem auf 220 PS gesteigerten Reihensechszylinder bestückt war. Damals am Steuer saßen Tony Rolt und Duncan Hamilton. Beim Debüt 1951 waren noch Trommelbremsen zum Einsatz gekommen.


In der Saison 1952 beschritt Jaguar mit dem ersten Einsatz der zusammen mit Dunlop entwickelten Scheibenbremse im C-Type technologisches Neuland. Nach einem ersten Test bei der Mille Miglia mit der Paarung Stirling Moss / Norman Dewis schrieb Jaguar beim Grand Prix von Reims – erneut mit Moss am Steuer – ein Kapitel Motorsportgeschichte: erster Sieg eines Rennwagens mit Scheibenbremsen.

C-Types in Le Mans, 1953.


Mit einer weiterentwickelten und nun auch auf eine 24-Stunden-Distanz ausgelegten Bremsanlage gelang dann 1953 mit dem zweiten Le-Mans-Sieg der endgültige Durchbruch der neuen Technik. Neben der standfesten Verzögerung half beim Sieg auch die Aerodynamik des C-Types. Dafür verantwortlich war Malcolm Sayer, einer der ersten Ingenieure, der die Prinzipien der Aerodynamik bei der Formgebung einsetzte. Rolt und Hamilton erreichten so bei ihrer Siegesfahrt 1953 eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gut 160 Stundenkilometern. Obendrein gelang Jaguar in diesem Jahr der Vize-Titel in der erstmals ausgeschriebenen Sportwagen-Weltmeisterschaft.


Entsprechend freudig lässt sich Dan Pink, Leiter von Jaguar Classic, zum C-Type-Continuation-Car zitieren: „70 Jahre nach dem ersten Le Mans-Sieg ist Jaguar Classic stolz darauf, mit Hilfe modernster Fertigungstechnologien – flankiert von traditioneller Handwerkskunst und großer Expertise – diesen legendären Rennwagen einer neuen Generation von Enthusiasten zugänglich zu machen.“


53 C-Types wurden in den fünfziger Jahren gefertigt, 43 davon wurden an private Kunden verkauft – analog zu den 51er-Werkswagen mit Trommelbremsen, zwei SU-Vergasern und 200 PS Leistung. Die acht neuen Continuation-Modelle kommen mit der Technik des 53er-Siegerwagens, also mit Scheibenbremsen, drei 40DCO3-Vergasern von Weber und einem 3,4 Liter großen Reihensechszylinder mit 220 PS Leistung.

C-Type: Continuation-Car, 2021.


Für den Nachbau scannten die Ingenieure Daten von einem originalen C-Type und ergänzten diese mittels modernen CAD-Programmen. Herangezogen wurden zudem originale Technikzeichnungen und weitere Dokumente des ursprünglichen C-Type-Entwicklungsteams, das neben Sayer noch Rennleiter Lofty England, die Ingenieure William Heynes und Bob Knight sowie Cheftestfahrer Norman Dewis umfasste.


Als Novum nutzt Jaguar die CAD-Daten zusätzlich für die Möglichkeit, das Continuation-Modell erstmals über einen Online-Konfigurator virtuell zu visualisieren und personalisieren. Das neue Kundenwerkzeug (abrufbar unter classicvisualiser.jaguar.com) eröffnet den Vergleich zwischen zwölf Exterieur-Farben und acht verschiedenen Interieur-Trimms. Auch die Anbringung von Startnummern oder Lenkrad- und Motorhauben-Emblemen lassen sich dabei darstellen.

C-Type: Continuation-Car, 2021.


Zu den zusätzlichen Extras zählen ein FIA-zertifiziertes Rückhaltesystem und ein Überschlagschutz. Der Grund: „Diese authentischen neuen C-types sollen nicht im Museum oder in der Garage Staub ansetzen, sondern bei historischen Renn-Events oder auf abgesperrten Rundkursen und Straßen bewegt werden“, heißt es vom Jaguar-Sitz in Coventry.


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Mathias Keiber

03 Feb. 2021