Škoda KAMIQ 1,0 l TGI G-Tec: Erdgas-Fahrzeug mit smarten „Simply Clever“ Gimmicks

Arne Roller

08 Jan. 2021

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Der KAMIQ von Škoda ist das kleinste SUV der Tschechen. Wer sparsam und umweltfreundlich fahren will, aber keinen Wert auf einen großen Kofferraum legt, sollte ein Auge auf den G-Tec werfen.

(Fotos: YesAuto)




Erdgas steht aktuell auf verlorenem Posten. Im durchaus positiv zu sehenden Elektro-Boom scheint die Politik vernünftige Alternativen aus den Augen zu verlieren. Lange war die Rede von einer Umweltprämie nicht nur für Elektrofahrzeuge, sondern auch für Ottomotoren und Diesel. Dazu kam es zwar nicht – aber eine Kaufprämie zumindest für Erdgasfahrzeuge, das wäre eine Option gewesen. Schließlich ist der Antrieb bei den Emissionswerten dem konventionellen Verbrenner weit überlegen. Rund ein Viertel weniger CO2-Emissionen, zwei Drittel weniger Stickoxide – und die Feinstaub-Emissionen des Antriebs fallen fast vollständig weg (- 99%). Auch aus diesem Grund wollen wir einen genaueren Blick auf die noch verfügbaren Erdgasfahrzeuge werfen. Der andere Grund: Immerhin ist der Antrieb durch eine geringere Besteuerung an der Zapfsäule gefördert. Noch bis 2026 bleibt Erdgas daher deutlich günstiger als Benzin. Zudem sind Erdgasfahrzeuge in der Anschaffung kaum teurer als die vergleichbaren Benzinmodelle. Spar- und Umweltschutzpotenzial sind also gegeben.


Unser Testfahrzeug ist der Škoda KAMIQ aus dem Volkswagen-Konzern. Das kleine SUV reiht sich beim Design brav in die aktuelle Reihe der Škoda-Modelle ein, sofort erkennbar am typischen Grill:

Der Grill mit vertikalen Streben ist bekannt. Auffallend sind die besonders scharfkantig eingefassten Scheinwerfer.


Der Škoda KAMIQ kommt mit einem 1,0-Liter-Dreizylindermotor, der 90 PS und ein maximales Drehmoment von 160 Newtonmetern liefert. Das macht sich beim Sprint von null auf hundert bemerkbar: ganze 12,5 Sekunden dauert es. In Sachen Spritzigkeit kann er damit nicht punkten, als sparsames, höhergelegtes Fahrzeug mit guter Ausstattung jedoch schon.

Am Heck prangt wie bei allen neuen Škoda statt des Logos jetzt der Markenname in Großbuchstaben. (Foto: YesAuto)


Škoda KAMIQ: Durchaus schicker Innenraum


Im Inneren des Škoda KAMIQ geht es sehr sachlich zu, was aber auch seine Vorteile hat. Wir haben hier alles, was wir brauchen: Sitzheizung (965 €), die kabellose Smartphone-Einbindung, die als Teil des Business-Pakets 2.115 Euro kostet, sowie ein Fach für das induktive Laden des Smartphones. Dieses ist wie die zuvor genannte Ausstattung als Teil des Business-Pakets zu haben oder einzeln für 283 Euro Aufpreis. So oder so eine gute Investition. Das Business-Paket beinhaltet unter anderem auch noch das Navigationssystem sowie Remote Access und Online-Infotainment für jeweils drei Jahre. Und eigentlich gehört zum Paket auch das digitale Kombiinstrument und eine Verkehrszeichenerkennung. Aber genau diese zwei Sachen fallen beim G-Tec weg. Das Gasfahrzeug gibt's nur mit analogen Instrumenten.


Wirklich herausragend einfach ist das Infotainment-System – und kann dabei doch viel. Alles ist hier recht selbsterklärend, große Symbole machen die Bedienung einfach und auch das Zusammenspiel mit dem Smartphone ist denkbar simpel. Frustration? Fehlanzeige!


Da es bei Škoda ja bekanntlich "simply clever“ zugeht, verfügt auch der KAMIQ über durchdachte "Gimmicks", zum Beispiel den kleinen Abfalleimer oder den ausziehbaren Regenschirm auf der Fahrerseite. Er kostet als Bestandteil eines Ablagepakets 97 Euro extra. Kostenlos aber sind der Tickethalter an der Windschutzscheibe und der Eiskratzer im Tankdeckel.

Äußerst aufgeräumt: Der Innenraum des KAMIQ.


Hervorzuheben sind die in unserem Testwagen verbauten Sportsitze. Weich umschmeicheln sie den Fahrer und können so vom ersten Platz nehmen an überzeugen. Sie bieten viel Seitenhalt und werten den Innenraum sichtbar auf. Der Aufpreis im Ausstattungspaket "Dynamic" liegt bei verhältnismäßig günstigen 610 Euro und beinhaltet zusätzlich Edelstahlpedalerie, das Sportlenkrad, einen schwarzen Dachhimmel sowie Dekorverzierungen, die sich je nach Ausstattungsvariante unterscheiden.

Stoff-/Mikorfaser-Mix: Die Sportsitze im Škoda KAMIQ erfreuen Betrachter und Insassen.


Abstriche muss man beim Kofferraum machen, der wegen der zwei Gastanks recht klein geraten ist. Lediglich 278 Liter passen hier im "Normalzustand" rein. Klappt man die Rücksitze um, sind es immerhin 1.273 Liter.

Magere Ausbeute: In den Kofferraum des Škoda KAMIQ passen lediglich 278 (1.273) Liter rein.


Škoda KAMIQ 1,0 l TGI G-Tec: Fährt sich wie ein Benziner


Wer sich noch nie mit dem Kraftstoff CNG beschäftigt hat, mag sich fragen: Ist irgend etwas anders beim Fahren eines Erdgasfahrzeugs? Die Antwort: Nein, nur der Tankvorgang unterscheidet sich, das Fahren an sich bleibt aber das Gleiche. Letztendlich sind Motor und Getriebe dieselben wie im Otto.

Richt gut "connected": Apple Carplay und Android Auto über Wlan funktionieren einwandfrei. So lässt sich auch das viel geliebte Google Maps nutzen.


Mit seinen 90 PS ist der Erdgas-KAMIQ nicht besonders flott und leistet 5 Pferdchen weniger als sein Benziner-Bruder. Wer ihn aber stets über 2000 Umdrehungen bewegt, kommt ausreichend schnell voran. Darunter sollte man sich nicht bewegen, denn dann landet man dort, wo besonders ich nicht hin will: im Turboloch. Und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis man diesem wieder entflohen ist. Die Lenkung des KAMIQ gibt sich derweil erfreulich leichtgängig, ohne je schwammig zu wirken. Allradantrieb und Automatikgetriebe sind für den Erdgas-KAMIQ übrigens nicht verfügbar. Der G-Tec treibt die Vorderräder an und kommt immer mit einer leichtgängigen und knackigen Sechsgang-Handschaltung.

Im Cockpit der einzige Unterschied zum Benziner: Die zusätzliche Tankanzeige.


Auf der Autobahn kann der KAMIQ durchaus überraschen. Bis Tempo 160 beschleunigt er gut durch und auch die Fahrtgeräusche halten sich angenehm in Maßen. Mit seinen guten Sitzen und den Fahrassistenzsystemen eignet sich der KAMIQ daher überraschend gut als Langstreckenfahrzeug. Wären da nicht die kleinen Tanks ...


Škoda KAMIQ: Überzeugend niedriger Verbrauch


Der größte Nachteil neben dem kleinen Kofferraum sind die ebenfalls nicht üppig dimensionierten Tanks im Škoda KAMIQ. 14,2 Kilogramm Gas kann der Tank laut Datenblatt aufnehmen, neun Liter passen in den Benzintank. Das ist summa summarum: nicht besonders viel Kraftstoff. 3,5 Liter Benzin beziehungsweise Kilogramm Gas soll sich der 1,0-Liter-TGI-Motor im Schnitt gönnen, die für 400 Kilometer Gasreichweite und eine Gesamtstrecke von 630 Kilometern reichen sollen. Dass das nicht der Realität entspricht, ist klar. Allerdings: Ich fand schon den im Drittelmix erreichten Wert von 4,1 Kilogramm Gas auf 100 Kilometer ziemlich gut. Und gar nicht mal so unrealistisch, wie man das gewohnt ist. Rein rechnerisch ergibt sich also eine Gasreichweite von 315 Kilometern. Und sparsam wie man ist, möchte man eigentlich nur mit Gas fahren. Den Mini-Benzintank sollte man daher als "eiserne Reserve" ansehen. Auf langen Strecken kommt man ums Nachtanken damit aber nicht umher. Und hier kann es etwas umständlich werden: Es gibt nur rund 900 Erdgas-Tankstellen in Deutschland. Das bedeutet erfahrungsgemäß immer wieder: runter von der Autobahn. Zwar hatte ich im Testzeitraum nie ein Problem, eine Gastankstelle zu finden – aber kleine Umwege musste ich in den meisten Fällen in Kauf nehmen. Äußerst hilfreich und nicht wegzudenken in der Fremde sind Apps, die einem die nächste Tankstelle mit Erdgassäule anzeigen, und die Navigation dorthin auch gleich in Google Maps oder die Apple Karten-App übertragen. Das ist äußerst praktisch und limitiert das Extra an Aufwand auf die kleinen Umwege, die man für das sparsamere und umweltfreundlichere Vorankommen in Kauf nehmen muss.


Erdgas: Alles anders beim Tanken?


Das Tanken von Erdgas läuft durchaus etwas anders ab als bei Benzin oder Diesel. Abschrecken muss das aber nicht. Beim Škoda KAMIQ befindet sich der Tankstutzen für das Erdgas direkt neben dem für das Benzin, ganz herkömmlich versteckt hinter ein und demselben und zudem ganz gewöhnlichen Tankdeckel. Das Aufsetzen der "Zapfpistole" geht denkbar einfach vonstatten und auch die verschiedenen Verschlussmechanismen, die einem begegnen können, sind recht selbsterklärend: Entweder ist es wie beim gängigen Zapfhahn ein kleiner Haken, der aber nicht wie gewohnt nach hinten gezogen, sondern ach vorne gedrückt werden muss. Oder man hat einen leichtgängigen Hebel umzulegen. Nach der "Anbringung" der Zapfpistole und dem Betätigen des Start-Knopfs an der Säule geht es los. Kleine Unterbrechungen sind dabei sind ganz normal: Es wird neuer Druck aufgebaut, bevor es weitergeht. Deshalb dauert's auch etwas länger als bei Benzin oder Diesel. Ist der Tank voll, stoppt der Vorgang automatisch. Will man nicht volltanken, kann man natürlich auch vorher schon den Stopp-Knopf betätigen und nach dem Entriegeln den Zapfhahn wieder entfernen.


Die ersten zwei Male ist das Erdgastanken noch ungewohnt. Dann erkennt man schnell, dass auch diese Art der Befüllung keine Raketenwissenschaft ist. Schnell hat man den Bogen raus.


Der Aufpreis des KAMIQ G-Tec gegenüber dem konventionellen 1.0 TSI liegt bei 1.190 Euro in der Variante Ambition, der mittleren Ausstattungsvariante. Und nur in der ist der G-Tec zu haben. Während es den Benziner in der Variante Active bereits ab 18.462 Euro gibt, fängt der G-Tec preislich bei 22.420 Euro an.


Mit der angesprochenen Sitzheizung, dem praktischen Mülleimerchen und den Konnektivitäts-Features wie der kabellosen Smartphone-Einbindung und dem induktiven Laden fürs Handy kommt man bei 25.880 Euro raus.


Eine staatliche Förderung beim Kauf von CNG-Fahrzeugen wäre eine feine Sache. Ist aber nicht in Sicht, da alles auf Elektro getrimmt ist. An der Zapfsäule ist Erdgas allerdings steuerlich bevorteilt. Hier kann man eine Menge sparen. Noch bis Ende 2023 läuft die Vergünstigung voll, ab 2024 nimmt die Steuerersparnis pro Kilogramm Erdgas dann schrittweise ab. CNG wird aber auf Jahre hin noch wesentlich günstiger sein als Benzin. Hinzu kommt die höhere Energiedichte von Erdgas. Mit einem Kilo Erdgas kommt rund 20% weiter als mit einem Liter Benzin.

YesAuto-Redakteur Arne Roller mit dem KAMIQ 1.0 TGI G-TEC: Sparsame Feiertage mit vielen Tankstellenbesuchen.


Der Preis für Erdgas liegt aktuell bei rund 1,10 Euro. Rechnet man die höhere Energiedichte des Kraftstoffs mit in den Preis ein, kommt man auf einen Preis von unter 80 Cent. Man fährt also deutlich günstiger als mit Benzin und schont die Umwelt. Durch erneuerbares CNG kann der CO2-Ausstoß sogar um nahezu 97% verringert werden. Bio-Erdgas ist also fast CO2-neutral und kann daher neben synthetischen Kraftstoffen auch dazu beitragen, den Verbrenner umweltfreundlich und damit zukunftsfähig zu machen. Leider geht dieser Umstand im Elektro-Boom gerade etwas unter.


Beim Kaufpreis können Erdgasfahrzeuge den E-Autos kaum Konkurrenz machen. Da es die Umweltprämie nur für Plug-in-Hybride, reine E-Autos und Wasserstoff-Fahrzeuge gibt, sind die Gasfahrzeuge hier weniger attraktiv. Allerdings hat ein günstiges SUV wie der Škoda KAMIQ bisher nicht viel elektrische Konkurrenz: Kia hat mit dem e Soul und dem E Niro zwei elektrische SUV, Hyundai hat den Kona Elektro. Bald kommt jedoch Konkurrenz aus Deutschland hinzu: Der Opel Mokka und der VW ID.4 stehen in den Startlöchern. Höhenluft haben Erdgasfahrzeuge am Neuwagenmarkt derweil nie so richtig geschnuppert. Und auf absehbare Zeit dürften Umweltprämie und Elektro-Boom das Schicksal des Erdgasantriebs besiegeln.


Trotzdem machen sie Sinn und können für manche Ansprüche genau das Richtige sein: Wer zu Hause auf keine Wallbox zurückgreifen kann, auf wessen Arbeitsweg sich zwar keine Ladesäule, dafür aber eine Tankstelle mit Erdgassäule befindet, für den ist ein Erdgasfahrzeug eine umweltfreundliche Alternative zum E-Auto. Und ganz allgemein spricht viel dafür, ein Erdgasfahrzeug statt eines normalen Benziners zu kaufen.


Fazit


Der Škoda KAMIQ macht im Test einen sehr soliden Eindruck. Dank des adaptiven Abstandsassistenten, ausreichend Leistung für hohe Reisegeschwindigkeiten, des sechsten Gangs und einer guten Geräuschdämmung liefert er ein angenehmes und entspanntes Fahrgefühl. Lediglich die Reichweite schränkt seine Praktikabilität auf langen Fahrten ein. Viel abgewinnen kann ich den pfiffigen Gimmicks im KAMIQ und seinen sehr nützlichen Ausstattungsoptionen: Kabellose Smartphone-Einbindung und induktives Laden bietet nicht jedes Fahrzeug dieser Klasse. Überzeugen kann der Škoda KAMIQ auch beim Verbrauch. 4,1 Liter sind aller Ehren wert. Wer zusätzlich sicher geht, mit Bio-Erdgas nachzufüllen, der kann sich auf die Fahnen schreiben, seine Mobilität sehr umweltschonend zu gestalten.



Skoda KAMIQ 1.0 TGI G-TEC – Technische Daten:


Fünftürer, fünfsitziges SUV mit Frontantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.241 mm/1.793 mm/1.527 mm

Radstand: 2.651 mm

Kofferraumvolumen: 278 bis 1.273 Liter

Motor: 1,0-Liter-Reihendreizylinder (999 ccm), 66 kW/90 PS bei 4.000-5.500 U/min, maximales Drehmoment: 160 Newtonmeter bei 1.800 – 3.800 U/min,

Motorposition: Frontmotor, quer verbaut

Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe

Leergewicht: 1.332 Kilogramm

0-100 km/h: 12,5 s

Vmax: 176 km/h

Durchschnittsverbrauch: 3,5 L / 3,5 kg / 100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 97 / 95 g/km

Abgasnorm:EU6d-temp / 95 CNG

Effizienzklasse: A+ / A+

Tankinhalt: 9,0 Liter + 14,2 kg CNG

Preis: ab 22.420 Euro


Zusatzinformationen

Testverbrauch: 4,1 kg/100 km

Steuer pro Jahr: 24 Euro

Versicherungsklassen KH/VK/TK: 13/16/18

Wartung: 30.000 km / 1 Jahr

Garantie: 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung


Arne Roller

08 Jan. 2021