Skoda: Was passiert mit hunderttausenden Octavia-Käufern?

Mathias Keiber

08 Dez. 2021

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Von Skoda gibt es aktuell nur ein Elektroauto, den Enyaq, ein SUV. Auch die nächsten beiden Stromer der Marke werden SUVs sein. Allerdings waren 60 Prozent der Autos, die Skoda im letzten Jahr verkaufte, keine SUVs.

Bei den jeweiligen Bestsellern der Automarken stellt Skoda eine Art Sonderfall dar: Verkaufen sich dieser Tage mehr denn je SUVs besonders gut, kommt bei der tschechischen VW-Marke absatzmäßig kein Modell an den Octavia heran. Knapp 160.000 neue Exemplare des Modells fanden in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Käufer. Alle anderen Modelle in der Produktpallette Skodas blieben zeitgleich im fünfstelligen Bereich, auch wenn die drei SUV-Modelle Kamiq (rund 99.000), Karoq (rund 97.000) und Kodiaq (rund 83.000) mehr oder weniger an der 100.000er-Marke kratzten.


Dem Erfolg der Stadtgeländewagen ist es wohl zu verdanken, dass das einzige vollelektrische Modell der Marke momentan auch ein SUV ist – der Enyaq. Auch bei anderen Marken kann man diesen Trend der Elektrifizierung beobachten, auch wenn es technisch betrachtet paradox ist, dass ausgerechnet luftwiderstandsungünstige Autos vornehmlich mit vollelektrischem Antrieb auf den Markt kommen. Aber der Markt verlangt eben nach SUVs. Wie man an den Verkaufszahlen des Octavia sehen kann, verlangt ein gewaltiger Anteil der Skoda-Kunden aber nach anderen Karosserieformen. Denn auch der Superb verkauft sich ganz ordentlich. Letztes Jahr waren es weltweit rund 86.000 Exemplare (Octavia: 257.000 / Karoq: 137.000 / Kodiaq: 132.000 / Kamiq: 129.000).


Zählt man noch die Modelle Fabia (106.000), Rapid (80.000), Scala (63.000) und Citigo (15.000) hinzu, stellt man fest: Etwa 60 Prozent aller weltweit verkauften Skoda-Modelle waren im Jahr 2020 keine SUVs. Allerdings soll es sich bei den nächsten zwei Autos mit reinem Elektroantrieb von Skoda wiederum um SUVs handeln. Es stellt sich also die Frage: Was ist mit den mehr als 600.000 Kunden weltweit, die letztes Jahr einen neuen Skoda kauften, der kein SUV war? Sollen die alle switchen?

Auch beliebt bei Skoda-Kunden: der Superb: (Alle Fotos: Skoda)


Nein. Gegenüber dem britischen Automagazin „Autocar“ gibt Vertriebs- und Marketingchef Martin Jahn aktuell Entwarnung: „Wir sind den Bedürfnissen unserer Kunden verpflichtet.“ Skoda wolle auch in Zukunft immer versuchen, Karosserieformen anzubieten, nach den die Kunden verlangen. Weswegen man an Modellreihen wie dem Octavia und dem Superb noch für einige Zeit festhalten werde. Und darüber hinaus?

Auch darauf gibt Jahn gegenüber „Autocar“ eine Antwort: „Wir erwägen ein Auto, das dem Octavia ähnelt und einem ähnlichen Zweck dient: für Leute, die etwas konservativer sind, die keinen SUV wollen, oder für Firmenkunden, die keine SUVs haben wollen und andere Karosserieformen bevorzugen.“


Das heißt übersetzt: Von Skoda dürfte es künftig ein Elektroauto geben, das dem Octavia und dessen großen Bruder Superb ähnelt, das aber nicht Octavia (oder Superb) heißen wird. Vermutlich dürfte es sich dabei um eine abgespeckte Variante des Aero-B handeln, der für die Kernmarke des VW-Konzerns ab 2023 als Limousine und Kombi in Emden produziert werden soll. Beim Aero-B handelt es sich im Prinzip um einen vollelektrischen Passat. Skoda bedient mit dem Octavia und dem Superb ähnliche Bedürfnisse.  


Streng genommen ist der Octavia zwar ein Kompaktmodell, da er auf derselben Plattform wie der VW Golf basiert. In puncto Platzverhältnisse spielt der Octavia jedoch eher in der Mittelklasse. Beim Kofferraumvolumen etwa übertrifft der Octavia Combi den Audi A4 Avant mit 640 Litern deutlich. Der Ingolstädter kommt nur auf knapp 500 Liter. Wie beim Aero-B dürfte das Elektroauto, das den Octavia ersetzen soll, ebenfalls als Kombi erhältlich sein. Das sind gute Nachrichten für Skoda-Kombi-Fans. Denn den neuen Fabia wird es nicht mehr als Kombi geben.


Mathias Keiber

08 Dez. 2021

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