SLK: Künftiger Klassiker feiert Vierteljahrhundert

Mathias Keiber

22 Apr. 2021

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1996 fährt in Bremen das erste Coupé mit Variodach vom Band. Hunderttausende folgen.

Vor 25 Jahren landet Mercedes-Benz einen echten Kracher. Mit dem SLK der Baureihe R 170 kommt das erste Cabriolet mit einem festen, automatisch klappbaren Faltdach überhaupt. In weniger als einer halben Minute verwandelt sich das Fahrzeug in ein Coupé mit geräuschdämmendem Stahldach. Die Idee ist nicht neu in der Automobilbranche, doch bei den wenigen Konstruktionen zuvor senkt sich das komplette Dach in den Kofferraum – was Platz kostet.


Die Mercedes-Ingenieure lösen das Problem mit dem intern genannten „Trick mit dem Knick“: Das Dach aus Stahl- und Glaselementen faltet sich nach hinten unter die in Fahrtrichtung geöffnete Kofferraumklappe. So ist ein kurzes Karosserieheck möglich, und selbst im offenen Zustand bleibt im Kofferraum noch Platz für Gepäck. Genau genommen für 145 Liter. Die Neuerung bricht so stark mit Konventionen, dass seinerzeit Stimmen (Neider?) laut werden, ob die Funktionalität des Kniffs denn auch langfristig gewährleistet sei.

Ein echter Hingucker: Der SLK der Baureihe R 170. (Fotos: Mercedes-Benz)


Doch Mercedes hat entsprechend getestet: Eine Elektrohydraulik choreografiert mithilfe von fünf Zylindern den Öffnungs- und Schließvorgang. Vor dem Serienanlauf müssen 30 Prototypen jeweils 20.000 Mal den Prozess über sich ergehen lassen. Auf zehn Jahre hochgerechnet entspricht das einem täglich sechsmaligen Öffnen und Schließen des Dachs.


Auf Kundenseite gibt es genannte Bedenken aber ohnehin nicht. Schon bei der Vorstellung auf dem Autosalon in Turin sorgt der SLK für Aufsehen, das umgehend in einem wahren Bestellrausch mündet. Bis 2004 werden im Werk Bremen 311.222 SLK der Baureihe R 170 gebaut. Und insofern diese noch unterwegs sind, funktioniert auch das Variodach im Regelfall noch. Denn die Zweifel bewahrheiten sich nicht, hingegen wird das „retractable hardtop“ von der Konkurrenz reihenweise kopiert.


„S“ wie sicher und „k“ wie kurz


Doch überzeugt der R 170 auch anderweitig, zum Beispiel bei der Sicherheit. In den gängigen Crashtests macht der SLK bis hin zum Überschlag eine gute Figur. Dafür verantwortlich sind u.a. zwei stabile Überrollbügel, rohrverstärkte A-Säulen ergänzen die Schutzwirkung. Außerdem ist der SLK serienmäßig mit Airbags, Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern ausgerüstet. Die neu entwickelte Ellipsoid-Stirnwand als Teil der Vorderbaustruktur vergrößert beim Frontalaufprall den vorderen Deformationsbereich. Dadurch sinkt die Gefahr, dass der Fußraum eingeengt wird.

Auch von hinten kann sich das Modell sehen lassen.


Seinen Namen erhält der SLK während der Konstruktionsphase, als ihn Ingenieure in Anspielung auf den SL als „SL kurz“ bezeichnen. Tatsächlich ist die Baureihe R 170 mit einer Karosserielänge von 5 Metern rund 50 Zentimeter kürzer als die SL-Roadster der damals aktuellen Baureihe R 129.


Zunächst wird der Roadster als SLK 200 mit 136 PS sowie als SLK 230 Kompressor mit 193 PS angeboten. Nach einer Modellpflege im Jahr 2000 ergänzen die Sechszylindermodelle SLK 320 mit 218 PS und SLK 32 AMG mit 354 PS das Angebot. Das Leichtbaukonzept mit Magnesium reduziert das Gewicht der Basisversion SLK 200 auf 1.270 Kilogramm. Der niedrige Schwerpunkt und die breite Spur machen ihn agil – egal in welcher Version.


Häufig verkauft, preislich heute moderat


Der Erfolg des SLK kommt seinerzeit nicht von ungefähr: Offene Zweisitzer erleben damals eine Renaissance. In Westeuropa steigen die jährlichen Zulassungszahlen im Marktsegment von 11.300 im Jahr 1992 auf 98.500 Fahrzeuge im Jahr 1995. Der SLK reitet auf dieser Welle ganz oben mit und ist zeitweise das meistverkaufte Fahrzeug mit Faltverdeck in Deutschland.

Geschmackssache: die schräg abgeschnittenen, verchromten Einfassungen der Instrumente.


Für Mercedes-Benz ist die Baureihe aber nicht nur in nackten Absatzzahlen von großer Bedeutung, sondern auch was die Altersstruktur der Kundschaft betrifft: Sie spricht eine jüngere und lifestylige Käuferschicht an. Im Rückblick sagt das damalige Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert: „Die Modelle SLK, CLK oder die M-Klasse haben viel zu einem neuen Image von Mercedes-Benz beigetragen.“


Aus dem ersten SLK entsteht eine Traditionslinie: Im Januar 2004 stellt Mercedes-Benz den nachfolgenden SLK der Baureihe R 171 vor. Ein Highlight ist der optional lieferbare AIRSCARF. Diese Weltneuheit befördert zwischen Sitzlehne und Kopfstütze Warmluft in den Nackenbereich der Insassen und ermöglicht in Verbindung mit dem serienmäßigen Windschott offenes Fahren auch bei niedrigen Außentemperaturen. Die dritte SLK-Generation (R 172) kommt im Jahr 2010 auf den Markt. Sie wird 2016 in SLC umbenannt und bis 2020 hergestellt.


In insgesamt drei Generationen mit den Baureihen R 170, R 171 und R 172 wird der offene Roadster mehr als 710.000 Mal verkauft – ab 2016 als SLC. Gepflegte SLK 200 der ersten Generation kosten laut classic-analytics.de zwischen etwa 6000 und 8200 Euro, für SLK 230 Kompressor sind es um die 10.000 Euro. Von künftig steigenden Preisen ist auszugehen.





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Mathias Keiber

22 Apr. 2021