Straßentest: 2020 Volkswagen Golf Life 1.0-Liter TSI

Tyler Heatley

23 Dez. 2020

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Der Volkswagen Golf ist das wichtigste Modell der deutschen Marke, aber kann dieses Auto der achten Generation mit seinen beeindruckenden Vorgängern mithalten?

Die Macht des Volkswagen-Konzerns ist schon beeindruckend, wenn man darüber nachdenkt. Von Skoda bis Lamborghini, von Bugatti bis Audi ist es ein riesiges Imperium mit Hunderten von Modellen. Volkswagen selbst bietet derzeit 16 verschiedene Autos an, weitere sollen im nächsten Jahr hinzukommen. Doch bei aller industriellen Kraft ist das wichtigste Auto von Volkswagen der Golf.


Die bescheidene Limousine ist nicht nur der Verkaufsschlager der Marke, sondern repräsentiert VW auch weltweit. Seit seiner Einführung im Jahr 1974 wurden über 35 Millionen Exemplare verkauft. Der neue Mk8 Golf muss also in große Fußstapfen treten.



Exterieur


Zuerst war ich nicht von der Optik des Golf 8 überzeugt, vor allem nicht von der ziemlich abgerundeten Front, die er jetzt besitzt. Aber nachdem ich einige Zeit mit ihm verbracht und mehr von ihnen auf der Straße gesehen habe, ist mir sein Aussehen ans Herz gewachsen. Es ist eine interessante Mischung aus neuem Styling und vertrauten Zügen.


Die abgerundete Nase trägt eine einfachere Version des VW-Schriftzuges, die mehr an das ursprüngliche Logo erinnert. Ein schmaler, glänzender Kühlergrill verbindet die beiden filigranen LED-Scheinwerfer, wobei das Ganze über einem großen, mit karosseriefarbenen Lamellen eingefassten Lufteinlass sitzt.

Während das Gesicht des Wagens auf den ersten Blick etwas befremdlich wirken mag, ist der Rest des Golfs wesentlich vertrauter. Eine hohes Verglasung und eine einzige klare Linie definieren das Seitenprofil - ein gutes Beispiel dafür, dass weniger mehr ist. Eine dicke C-Säule führt zu einem flachen Fließheck, das einen dezenten Kofferraumspoiler trägt. Der Kofferraumdeckel selbst ist etwas kantiger als bisher und die Rückleuchten sind mit LED ausgestattet.


Wenn man bedenkt, dass dies der Golf Life ist - der einfachste Golf, den man bestellen kann - finde ich, dass er immer noch ziemlich hochwertig aussieht. Vorbei sind die Zeiten von Stahlrädern und Plastikverkleidungen für das sparsamste Modell, stattdessen sind Dinge wie 16-Zoll-Leichtmetallräder und LED-Beleuchtung Standard. Das neue Auto bleibt vornehm und erwachsen, auch wenn die optionale limonengelbe Lackierung unseres Testwagens nicht jedermanns Sache sein wird.





Innenausstattung


Im Innenraum des neuen Golf werden die bisherigen Besitzer den Generationswechsel am deutlichsten spüren. Die vielen Knöpfe und Drehknöpfe sind zugunsten eines minimalistischen Looks verschwunden. Eine kontrastierende Ablage teilt das Armaturenbrett und beherbergt ein großes 10-Zoll-Display, von dem ein Großteil der traditionellen Schaltgeräte verschwunden ist. Ein zweiter großer Bildschirm befindet sich in der Instrumententafel anstelle der analogen Zifferblätter, um dem Fahrer mehr individuell anpassbare Informationen zu liefern.


Ein allgemeiner Eindruck von Solidität und Dauerhaftigkeit bleibt erhalten - eine der besten Eigenschaften des Golf. Alles, was Sie anfassen, fühlt sich ausgereift an und besitzt die Voraussetzungen, um den Test durch Kleinkinder zu bestehen. Es ist fair zu sagen, dass der Innenraum an manchen Stellen vielleicht etwas zu viel Hartplastik beherbergt, aber das Auto tut gut daran, selbst in seiner einfachsten Ausstattung persönliche Qualität zu bieten.

Ein Paar bequeme Stoffsitze nehmen die vorderen Insassen auf und bieten dank der vielen Verstellmöglichkeiten ein gutes Maß an Komfort. Diese beiden Sitze sind in diesem Auto auch beheizt, da sie Teil des 600€ teuren Winterpakets sind. Die Sicht ist dank der großen Fenster rundherum ausgezeichnet. Diese Art von Ergonomie ist es, die den Innenraum ausmacht. Kleine Dinge, die man sofort als selbstverständlich ansieht, sind so gut ausgeführt und machen den Golf einfach zu einem angenehmen Erlebnis. Abgesehen von den haptischen Knöpfen - dazu kommen wir später noch - ist der Innenraum gut gemacht.


Die hinteren Insassen genießen mehr Platz als je zuvor. Die kastenförmige Dachpartie bietet gute Kopffreiheit und der vergrößerte Radstand reichlich Beinfreiheit. Es ist der mittlere Passagier, der den Kürzeren zieht, mit einem auffälligen Getriebehöcker im Boden und einigen hervorstehenden Lüftungsöffnungen, die Platz wegnehmen.

Öffnet man die Heckklappe, kommt eine beeindruckend große Öffnung zum Vorschein, die das Einladen von sperrigen Gegenständen in den Kofferraum erleichtert. Insgesamt stehen Ihnen 381 Liter Platz zur Verfügung, was vielleicht nicht klassenführend ist, aber mehr als in einem Ford Focus oder dem neuen Citroen C4.




Technik und Ausstattung


Das 10,25-Zoll-Display, das standardmäßig bei jedem Golf vorhanden ist, ist groß genug, um Schriften in einer übersichtlichen Größe anzuzeigen. Es ist reaktionsschnell und grafisch ansprechend mit Illustrationen innerhalb seiner verschiedenen Menüs. Es gibt ein paar zu viele Fallen, in die man tappen kann, wenn man schnell etwas suchen will, aber das ist eine Eigenart, an die sich der Fahrer mit der Zeit gewöhnen wird. Abhilfe für die etwas unübersichtliche Benutzeroberfläche schaffen Apple CarPlay oder Android Auto, die jeweils über Ihr Telefon an den schicken neuen USB-C-Anschlüssen betrieben werden.


Es scheint, als ob die Minimalausstattung im heutigen Golf durchaus alles bietet. Adaptiver Tempomat, Smartphone-Konnektivität, 10 anpassbare Farbtöne für die Ambientebeleuchtung, schlüssellose Zündung, Spurhalteassistent, Parksensoren vorne und hinten, automatische Scheibenwischer und Klimaautomatik sind kostenlos. Wenn Sie auf der Suche nach einem Golf mit einer Handvoll Auswahlmöglichkeiten sind, benötigen Sie vielleicht nicht einmal eine zusätzliche Ausstattung.


Lassen Sie uns über Knöpfe sprechen, oder das Fehlen von Knöpfen. In der gesamten Volkswagen Produktpalette werden Sie die Einführung von haptischen Tasten sehen. Dabei handelt es sich um Tastflächen, die den Druck einer Taste imitieren sollen. Der einfachste Golf vermeidet sie am Lenkrad - keine schlechte Sache -, behält sie aber für eine Reihe von Tastenkombinationen unterhalb des Touchscreens bei. Im Prinzip ist das eine gute Idee, aber in der Praxis ist es schwieriger, sie während der Fahrt zu benutzen. Ein kleines Versäumnis von Volkswagen ist, dass die Tasten für die Temperaturregelung bei Nacht nicht beleuchtet sind, was bedeutet, dass man sich durch die Menüs des Touchscreens hangeln muss, um die Heizung einzustellen. Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück.





Auf der Straße


Unter der neuen Motorhaube steckt ein exzellenter Dreizylinder-Benzinmotor mit 110 PS und 200 Nm Drehmoment. Mit 10,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h ist er alles andere als schnell, aber für einen Motor mit einer ungeraden Anzahl von Zylindern ist er unglaublich sanft. Keine Vibrationen oder Unruhe, nur eine beeindruckend weiche Art und Weise, mit der er seine Arbeit verrichtet. Könnte das der neue Maßstab für Dreizylindermotoren sein? In puncto Komfort denken wir ja.


Es gibt einen Hauch von Turboverzögerung, aber darüber hinaus zieht der TSI sauber durch und nutzt sein Drehmoment gut für satte Leistung. In diesem Auto ist er an ein manuelles Sechsgang-Getriebe gekoppelt, bei dem der Schalthebel perfekt in der Hand liegt - auch das gehört zu den Dingen, die man als selbstverständlich ansieht. Die Schaltung selbst ist präzise, aber vielleicht nicht kraftvoll genug, um wirklich zu überzeugen, aber wenn Sie zur Arbeit pendeln, steht das nicht unbedingt ganz oben auf Ihrer Prioritätenliste.

Eine weitere Verfeinerung findet sich im Fahrverhalten des neuen Golfs, der bei Unebenheiten sehr nachgiebig ist und die Seitenneigung der Karosserie in weiten Kurven mit Bedacht einsetzt. Kleinere Autos haben eine Torsionsbalken-Aufhängung anstelle einer Einzelradaufhängung, was normalerweise ein Nachteil sein würde. Der Golf Life macht seine Sache jedoch sehr gut, denn das beträchtliche Profil der Reifen hilft, Unebenheiten der Straße zu dämpfen.


Bei dynamischerer Fahrweise vermittelt das Fahrwerk eine starke Sicherheit mit viel Grip und dem Gefühl einer stabilen Plattform unter Ihnen. Die Lenkung ist das schwache Glied in der Kette, denn sie wirkt losgelöst von dem, was unter Ihnen passiert, und hat kein Gefühl. Trotzdem ist sie gleichermaßen präzise und kontrollierbar. Diese zusätzliche Schicht von Reife, wie der Golf arbeitet, mag ihn die Handling-Krone gegen Rivalen wie den Ford Focus gekostet haben, aber in der realen Welt würde die Mehrheit der Fahrer das Auto lieber als einen komfortablen Raum als einen aufregenderen sehen.



Fazit


Kritiker des neuen Volkswagen Golf werden schnell darauf hinweisen, dass sein Einstiegspreis von 26.000€ im Vergleich zu Konkurrenten wie dem Honda Civic ein wenig teuer ist, und sie haben Recht damit. Dennoch ist die Vielzahl der serienmäßigen Ausstattungen des Golf, die zuvor optional erhältlich waren, beeindruckend und rechtfertigt den Preisanstieg in gewisser Weise. Wir sind der Meinung, dass in der Modellpalette noch Platz für ein 20.000-Basismodell ist, aber VW will den Golf eindeutig noch ein bisschen weiter nach oben bringen.


Der Mk8 ist vielleicht nicht das Auto mit dem meisten Fahrspaß in dieser Klasse, und die haptischen Knöpfe sollten überdacht werden, aber er ist ein wirklich angenehmes Auto, mit dem man gerne lebt. Die Leute werden nicht nach einem Golf gieren, das haben sie nie, aber sie werden bewundern, wie er sich perfekt und ohne viel Schnickschnack in den Alltag einfügt. Er ist ein dezenter Überflieger.

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Tyler Heatley

23 Dez. 2020