Suzuki Swift Sport im Test: Sportlicher Alltagsbegleiter

Arne Roller

26 Nov. 2020

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Der Suzuki Swift Sport ist nach dem Facelift ein Mild-Hybrid mit 129 PS. Ist er noch eine richtige Fahrmaschine für Puristen? Oder spürt man die um 11 PS geschmälerte Brust zum Wohle der Umwelt?

Der Suzuki Swift Sport ist nach dem Facelift ein Mild-Hybrid mit 129 PS. Ist er noch eine richtige Fahrmaschine für Puristen? Oder spürt man die um 11 PS geschmälerte Brust zum Wohle der Umwelt?



Richtig giftig sieht er aus, der kleine Suzuki Swift Sport im knalligen "Burning Red Pearl metallic". Ein wirklich cooles, kleines Fahrzeug, an der Front aggressiv gezeichnet, mit großen, sehr schön gestylten 17-Zoll-Alufelgen, einem Dachkantenspoiler und der auffälligen Doppelrohrauspuffanlage am Heck.


Das Heck des Suzuki Swift Sport: Zwei dicke Rohre für ein Hallelujah.


Da zeigt einer, dass er mehr draufhat als die Menge der "Normalo-Kleinwagen". Beim Styling des Exterieurs kann der Swift Sport überzeugen.


Die Front des Swift Sport mit der Carbon-Design-Lippe kann sich sehen lassen.



Suzuki Swift Sport: Der Innenraum


Und innen? Hier ist mir einfach etwas zu wenig los für ein Modell mit den Namen "Sport". Die paar Farbtupfer, die unser Testwagen hat, kosten Aufpreis, und gar nicht mal so wenig: Dekorverzierungen in Wagenfarbe an Armaturenbrett (120 Euro), Mittelkonsole (162 Euro) und Türen (233 Euro) sollen das Innere aufwerten. Aber so richtig spektakulär sieht das nicht aus. Da gefiel mir das Interieur des – zugegebenermaßen neueren – Suzuki Ignis wesentlich besser. Den richtigen Sport-Vibe, den bekomme ich hier nicht. Zu viel Hartplastik – aber zu wenig Applikationen. Das Lederlenkrad zumindest vermittelt einen sportiven Anspruch. Unten abgeflacht und mit Klavierlack verziert, gehört es zu den schönsten Elementen im Innenraum.


Das Cockpit des Suzuki Swift Sport: Lenkrad und Pedalerie sorgen für eine sportliche Note. Der Rest wirkt etwas karg.


Besonders positiv fallen die Sitze auf: Die sehen richtig sportlich aus und sind es auch. Der Seitenhalt ist bombig. Man darf nur nicht von allzu kräftiger Statur sein, um zwischen die Seitenflanken zu passen. Rennfahrer sind nicht umsonst meist von eher schmächtiger Gestalt.


Die Sitze im Swift Sport bieten enorm viel Seitenhalt.


Das Infotainment-System gehört für mich wegen seiner Klar- und Einfachheit zu den besten im Segment – wie beim Suzuki Ignis. Absolut übersichtlich und einfach zu bedienen, bekomme ich hier alles schnell erledigt. Apple CarPlay und Android Auto sowie das Aufladen des Smartphones funktionieren via Kabel. Features und Platzangebot im Swift Sport befinden sich auf einem für die Fahrzeugklasse hohem Niveau.


Hinten sitzt man sehr ordentlich. Auch ich habe mit 1,86 Metern noch ein paar Zentimeter Kopffreiheit.



Suzuki Swift Sport: 11 PS weniger nach Mildhybrid-Facelift


Nach wie vor arbeitet im kleinen Flitzer ein 1,4-Liter-Turbobenziner. Neu ist das 48-Volt-Bordsystem, das Rekuperation ermöglicht und den Verbrauch laut Suzuki um 20% auf 4,7 Liter drücken soll. Davon war ich mit meinen 5,41 Liter im Drittelmix nicht allzu weit weg. Sparfuchspotential ist also definitiv vorhanden.


Die schlechte Nachricht: Statt 140 PS liefert das Aggregat nun nur noch 129 PS und entwickelt maximal 235 Newtonmeter Drehmoment. Damit braucht der Swift Sport eine ganze Sekunde länger auf Tempo 100 als vor der Mild-Hybridisierung. 9,1 Sekunden sind nicht wirklich als „schnell“ zu betiteln. Ich sag's mal so: Wenn der Familienvater im 2.0-Liter-Diesel-Tiguan auf dem Rückweg von der Kita an der Ampel schneller ist als du in deinem "hot hatch", dann läuft was schief. Aber: Natürlich geht mehr. Für ein paar Euro holt jeder Tuner aus der Motorsteuerung mehr raus. Und dann lässt man auch Mama und Papa wieder hinter sich. Und die Welt ist im Gleichgewicht. Meine jedenfalls.


Dass der Swift Sport ein Turbo ist, merkt man ihm deutlich weniger an als vielen anderen Turbomotoren, was am früh anliegenden Drehmoment liegt. Die "Torque Fill"-Funktion stellt bei niedriger Drehzahl 53 Newtonmeter an zusätzlichem Drehmoment bereit. Die "Torque Boost"-Funktion wiederum unterstützt den Motor bis der Turbolader bei ca. 2.000 Umdrehungen in die Gänge kommt. Das sorgt für eine insgesamt sehr gleichmäßige Beschleunigung. Wer nicht ständig untertourig fährt, fällt auch nicht ins Turboloch.



Suzuki Swift Sport: Erfrischend oldschool


Es sei gesagt: Der Suzuki Swift Sport bietet keine verschiedenen Fahrmodi. Und ich liebe es! Es trägt positiv zum Feeling einer reinen Fahrmaschine bei. Hinter Schaltern, Fahrmodi und Getriebekonfigurationen versteckte Sportlichkeit tut dies oft weniger (Fahrbericht BMW 530i: Einstellungssache). Die Schaltung im Swift Sport ist gut, erfüllt aber kein Höchstmaß an Präzision oder Schnelligkeit. Das Fahrwerk sorgt für viel Freude auf der Landstraße. Es ist schön sportlich, aber nicht zu hart. Das passt zur Rolle als Alltagsbegleiter mit einer Extra-Portion an Power, die der Swift Sport sehr gut ausfüllt. Bei einer starken Gasabfrage im zweiten Gang hat der Swift zumindest auf Winterreifen Probleme damit, die Kraft auf die Straße zu bringen. Bei der Beschleunigung in Kurven spürt man am Lenkrad die Fronttriebler-typisch starken Krafteinwirkungen an der Vorderachse.


Womit wir bei der Lenkung sind, und die ist hervorragend! Schön leichtgängig bei langsamen Geschwindigkeiten, wird sie mit zunehmendem Tempo griffiger. Ich habe das gute Gefühl, dass sie von mir stets eine angemessene Krafteinwirkung verlangt. Zudem gibt sie viel Feedback über den Zustand der Straße, die Position der Räder und die genannte Krafteinwirkung auf die angetriebene Achse. Das bringt richtig Leben in die Sache und so macht das Kurvenkratzen auf Überland-Strecken mit dem Suzuki Swift Sport enorm Laune. Hier kitzle ich dann auch gerne alles aus dem Sound des Turbomotörchens raus. Ab 4.000 Umdrehungen klingt er zumindest von innen ganz ordentlich. Im Bereich von 4.500 Umdrehungen und mehr kommt ein Fahrmaschinen-Gefühl auf, bei 5.500 Umdrehungen ruft der Swift Sport seine volle Leistung ab. Hochtourig unterwegs erlebe ich einen sportlichen Fahrgenuss. Für einen Vierzylinder ist das Soundbild schön. Dennoch: Mein Herz konnte die Klangkulisse des Swift Sport nicht bewegen. Enthusiasten werden auch hier Hand anlegen.



Suzuki Swift Sport: Die Preise


In Sachen Preis ist alles schön einfach beim Swift Sport: 23.200 Euro kostet er. Die Aufpreisliste besteht hauptsächlich aus optischen Upgrades: Mit ein bisschen Felgendekor (93 Euro), Tankdeckel-Verzierung (93 Euro) oder dem Rennstreifen (180 Euro) lässt sich der Suzuki Swift Sport enorm aufwerten. Auch eine Mittelarmlehne für 150 Euro ist verfügbar – und die sollte man sich gönnen!


Der Dachkantenspoiler gehört beim Suzuki Swift Sport zur Serienausstattung.


Sogar eine Bodenleuchte mit "Swift-Sport"-Schriftzug gibt es für die Tür. Zusammengerechnet hat man dann für 23.350 Euro einen sehr schönen, kleinen Flitzer vor der Haustür stehen.


Die 17-Zöller am Suzuki Swift Sport. Hier fehlt die Dekorverzierung, die sie noch schöner macht. Auch Bremssättel in Wagenfarbe sind bestellbar.


Vor dem Facelift kostete der Swift Sport noch 21.400 Euro. Die Mildhybrid-Technik kostet Geld. Alles für die Umwelt eben. Mit höherem Preis wird er es gegen die wie Pilze aus dem Boden schießenden, kleinen Elektro-Schleudern aber nicht leicht haben. Mit dem Umweltbonus von 9.000 Euro sind sie aktuell besonders günstig. Bei den 9,1 Sekunden von 0 auf 100 können viele von ihnen mithalten, nur auf die 210 km/h Endgeschwindigkeit kommen sie nicht. Ein Opel Corsa e beispielsweise ist mit der staatlichen Vergünstigung ab rund 20.000 Euro zu haben. Der Corsa e leistet 136 PS und bringt es in exakt den 8,1 Sekunden auf Tempo 100, die der Swift vor seinem Facelift auch erreichte. Ein MINI Cooper mit 136 PS kostet 22.030 Euro, der Elektro MINI mit seinen 184 PS schlägt abzüglich der Umweltprämie gar nur mit 22.680 Euro zu Buche. Puh. Immerhin ist der Swift Sport günstiger als der Seat Ibiza mit dem 150 PS starken TSI-Motor (ab 24.260 Euro). Auch ein Polo GTI ist mit 25.520 Euro teurer. Aber der Vergleich hinkt. Der Polo GTI hat 200 PS und erreicht in 6,7 Sekunden Landstraßentempo. Auch wenn der Suzuki Swift Sport ein gutes Auto ist, bleibt es abzuwarten, ob der neue Preis inmitten des subventionierten Elektro-Booms für gute Verkaufszahlen sorgen kann.



Fazit


Ist der Swift Sport eine Fahrmaschine für Puristen? Vielleicht nicht ab Werk, aber mit ein paar Handgriffen und etwas Motortuning kann er es sein. Wer darauf nicht viel wert legt, bekommt auf jeden Fall einen sportlichen Begleiter für den Alltag, der seine Muskeln auch offen zur Schau stellt. Ein sportiv ausgelegter und gleichzeitig sehr sparsamer Lifestyler, das ist der Swift Sport allemal. Wer die Größeren ärgern will, muss ein bisschen mehr Leistung rauskitzeln, dann ist auch das möglich.



Suzuki Swift Sport: Die technischen Daten


Fünftürer, fünfsitziger Kleinstwagen mit Frontantrieb

Länge/Breite/Höhe: 3.890 mm/1.735 mm/1.480 mm

Radstand: 2.450 mm

Kofferraumvolumen: 265 bis 947 Liter

Motor: 1,4-Liter-Reihenvierzylinder-Turbobenziner, 95 kW/129 PS bei 5.500 U/min, maximales Drehmoment: 235 Newtonmeter bei 2.000 – 3.000 U/min,

Motorposition: Frontmotor, quer verbaut

Antrieb: Vorderradantrieb

Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe

Leergewicht: 1.095 Kilogramm

0-100 km/h: 9,1 s

Vmax: 210 km/h

Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 4,7 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 106 g/km

Abgasnorm: Euro 6d

Effizienzklasse: B

Tankinhalt: 37 Liter

Preis: ab 23.200 Euro


Zusatzinformationen:


Testverbrauch: 5,4 Liter

Steuer pro Jahr: 50 Euro

Versicherungsklassen KH/VK/TK: 13/19/22

Wartung: 15.000 km (max. 1 Jahr)

Garantie: 3 Jahre / 100.000 km

Arne Roller

26 Nov. 2020