Suzuki Vitara 1.4 BoosterJet Hybrid: Weniger ist mehr

Arne Roller

15 März. 2021

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Mit dem Motorupdate im Frühjahr letzten Jahres bekam auch der Vitara einen Mild-Hybrid-Antrieb verpasst. Unterm Strich bedeutet das weniger Verbrauch und CO2-Ausstoß, aber auch weniger Leistung. Wir klären, ob der Vitara trotzdem noch Spaß macht.

(Fotos: YesAuto)




Ein launiges Gefährt zu sein, das hat der Vitara in den Genen, war doch sein Großvater ein richtiges Fun-Mobil. Ich spreche natürlich vom Suzuki Vitara der ersten Generation, der 1988 auf den Markt kam und bis 1998 verkauft wurde. Der war ein Lifestyle-Vehikel allererster Güte mit abnehmbarer Plane, Offroad-Bereifung und 90er-typisch grellen Lackierungen. Fast wäre er bei Enthusiasten damals noch als raubeiniger Geländewagen durchgegangen, wäre da nicht die Einzelradaufhängung gewesen.



Der gegenwärtige Vitara ist seit 2015 auf dem Markt und etwas bodenständiger und alltagstauglicher als sein Halodri-Opa aus den 90ern. 2018 gab’s ein Facelift und nun 2020 ein erneutes Motorenupdate. Seitdem heißt es: mehr Umweltschutz, weniger PS. Außerdem gibt’s in Sachen Motor keine Auswahl mehr: Unter der Haube arbeitet jetzt immer ein 1,4-Liter-Turbobenziner mit freundlicher Unterstützung eines 48-Volt-Bordnetzes. Einen Diesel gibt es – oh Wunder – nicht mehr. Der schöne Nebeneffekt der Hybridisierung: Was besser für die Umwelt ist, ist meist auch besser für den Geldbeutel. Auch der Verbrauch des Vitara ist geschrumpft.



Suzuki Vitara 1.4 BoosterJet Hybrid: Exterieur-Design


Die Modellpflege liegt nun auch schon über zwei Jahre zurück, daher halte ich es hier ganz kurz: Mit dem Facelift änderte sich die Front des Vitara merklich. Sechs Streben zieren seitdem den Kühlergrill, eingerahmt von neuen LED-Scheinwerfern.


Die vertikalen Streben an der Front und die LED-Scheinwerfer kamen mit dem Facelift 2018 hinzu.


Am Heck sind die Lampen nun weit ausgestellt und – was wirklich gut aussieht – in einem dunklen Rot gehalten. Keine gelben oder weißen Flecken mehr auf dem Lampenkasten. So avancieren die Rückleuchten vom reinen Nutz- zum Designelement.


Guter Look: Viel Kontrast und schöne, ganz in rot gehaltene Rückleuchten.



Suzuki Vitara 1.4 BoosterJet Hybrid: Innenraum


Der Innenraum des Suzuki Vitara ist in Schwarz und Grau gehalten. Allerdings lassen sich für einen schmalen Taler im Konfigurator mehr Farbtupfer in den Innenraum zaubern. Farbliche Dekorelemente am Lenkrad kosten beispielsweise nur 25 Euro. Am Dreispeichenlenkrad lassen sich Medien, das Telefon und der adaptiven Fahrassistent – der hervorragend funktioniert – intuitiv steuern.


Kein Designwunder, aber durchaus aufgeräumt und gemütlich: Der Innenraum des Vitara



Suzuki Vitara 1.4 BoosterJet Hybrid: Konnektivität und Infotainment


In Sachen Smartphone und Konnektivität bietet der Vitara vorne fürs Laden einen USB- sowie einen 12-Volt-Anschluss, USB-C finden wir im Vitara leider noch nicht. Die Smartphone-Einbindung via Apple CarPlay und Android Auto gibt's in der Comfort+-Ausstattungsvariante, die 29.536 Euro kostet. Die Verbindung läuft über Kabel. Eine Wireless-Einbindung oder induktives Laden fürs Handy hat der Vitara nicht – wiederum: leider.


Das Herz des Infotainment-System ist ein 7-Zoll-Touchdisplay mit vier großen Schaltflächen: Radio, Telefon, Navigation und Smartphone-Einbindung. Einfacher geht's kaum. Die Steuerung des Systems geht mega-intuitiv von der Hand – Benchmark! Die Navigation funktioniert auch gut, bezieht allerdings keine Online-Daten. Aber: Wer Apple CarPlay nutzen will, muss ein von Ladekabel mit MFi-Zertifzierung dabei haben. Sonst passiert nämlich gar nichts.


Im Testwagen in der Ausführung Comfort+ sind die Sitze mit einem sehr schönen Mikrofaserstoff bezogen, eingerahmt von ledernen Seitenflanken. Die Sitze sehen gut aus und sind komfortabel. Lediglich die Sitzposition ist mir auch auf der niedrigsten Stufe noch immer etwas zu hoch.


Schön und gut: Die Sitze. Die Verstellung ist beim Suzuki Vitara immer manuell. Leider geht's für meinen Geschmack nicht weit genug runter.


Auf der Rückbank finden sich drei Kopfstützen und auch genug Platz für ebenso viele Passagiere. Im Gegensatz zum kleineren Suzuki Ignis hat man hier auch nicht die Haltegriffe und Garderobenhaken wegrationalisiert. Was dennoch fehlt, sind eine Mittelarmlehne und jegliche Stromversorgung für Smartphones oder sonstige Geräte zum Zeitverreib auf den billigen Plätzen. Billig auch, weil hinten die komplette Türverkleidung aus Hartplastik besteht.



Suzuki Vitara 1.4 BoosterJet Hybrid: Fahrverhalten


Unser Hauptaugenmerk soll heute auf dem neuen Antrieb liegen. Es ist derselbe, den wir schon aus dem Suzuki Swift Sport kennen. Mit 129 PS leistet der 1,4-Liter-Turbobenziner seit der Hybridisierung 11 PS weniger als zuvor. Inwiefern spürt man das? In der Stadt und auf der Landstraße bemerkt man höchstens, dass die Beschleunigung gleich bleibt – also gar nichts. Das kommt daher, dass der kleine Elektromotor jetzt einen kleinen Boost dazu gibt, bevor dann ab 2.000 Umdrehungen der Turbolader anfängt, seine Kraft ins Spiel zu bringen. Langsamer wird der Vitara dadurch nicht. Auf dem Datenblatt stehen nach wie vor 9,5 Sekunden für den Sprint auf Landstraßentempo. Nimmt man den Fuß vom Gas, rekuperiert der Motor und speist die Energie in eine kleine Batterie ein.


Der Vitara fährt sich nach wie vor recht flott, ist aber in Kurven doch recht wankanfällig. Er ist eben nicht als Sportler ausgelegt, sondern vielmehr als praktischer Alltagsbegleiter mit guter Übersicht und zusätzlichen Offroad-Kompetenzen.


Dennoch verfügt er über einen Sportmodus: aktiviert man diesen, verschärft sich die Gaspedalkennlinie, das Ansprechverhalten nimmt zu. Bei starker Beschleunigung beteiligt der Vitara im Sportmodus auch die Hinterräder am Antrieb.


Die Lenkung hat etwas Spiel in der Mitte, ansonsten ist sie aber ausgereift – nicht zu leicht und nicht zu schwergängig. Viel Rückmeldung gibt sie nicht, was aber völlig in Ordnung geht. Schließlich fahren wir hier keinen Sportwagen. Die Sechsgang-Schaltung lässt sich durchaus schnell und sauber schalten. Hier bewegen wir uns auf hohem Niveau. Nicht ganz auf dem der Getriebe-Könige bei Mazda, aber doch sehr ordentlich.


Richtig gut ist der Suzuki Vitara nach wie vor auch auf der Langstrecke. Zwar spürt man hier jenseits von Tempo 120 die 11 PS weniger gegenüber den früheren Motoren – das heißt aber nicht, dass der Vitara viel von seinen Sprinterqualitäten eingebüßt hat. Die Höchstgeschwindigkeit nimmt zwar von 200 km/h auf 190 km/h ab, das sind aber keine Welten. Und dank seines 6-Gang-Getriebes bleibt er ein guter Begleiter auf langen Autobahnabschnitten.



Suzuki Vitara 1.4 BoosterJet Hybrid: Verbrauch


Suzuki spricht bei den neuen Hybridmodellen von Spriteinsparungen zwischen 19 und 21%. Auf dem Papier stehen 4,6 Liter für den Fronttriebler respektive 4,9 Liter beim AllGrip. Das ist eine äußerst realistische Angabe: Ich selbst bin meist nicht der beste Sparfuchs, konnte den Allrad-Vitara aber auf meiner Drittelmix-Fahrt mit 5,3 Litern bewegen.



Suzuki Vitara 1.4 BoosterJet Hybrid: AllGrip-Antrieb


Im Fahrmodus „Auto“ läuft der Vitara fast ausschließlich über die vordere Achse. Erkennt das System jedoch Schlupf an den vorderen Rädern, schaltet sich die Hinterachse umgehend zu, um die Traktion zu verbessern. Zusätzlich gibt es den "Lock-Modus" für einen starren Durchtrieb zwischen Vorder- und Hinterachse. Diese Längssperre funktioniert bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h. Per Bremseingriff kann der Vitara bis zu einem gewissen Grad sogar zusätzliche Achs-Differenzialsperren simulieren. Damit hat er deutlich mehr Schlechtwegekompetenz zu bieten als viele seine Mitbewerber im Segment.



Suzuki Vitara 1.4 BoosterJet Hybrid: Ausstattung und Preise


Den Vitara gibt es jetzt nur noch mit einem Motor, aber noch immer in drei Ausstattungen, aus denen man wählen kann. Entscheiden muss man sich auch für oder gegen den Allradantrieb. Was es nicht gibt, im Gegensatz zum kleineren Ignis, ist eine Automatik. Der Vitara kommt immer mit 6-Gang-Handschaltung. Die Preise beginnen bei 23.053 Euro für die Variante Club. Allrad gibt er erst ab der Comfort-Variante. Ohne 4-Wheel-Drive kostet der Vitara 24.223 Euro, mit AWD 26.026 Euro. Der Antrieb aller Räder kostet also rund 1.800 Euro Aufpreis.


Die Comfort-Ausstattungsvariante bringt unter anderem einen Querverkehrswarner, einen Totowinkelwarner, die Rückfahrkamera, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen sowie dunkel getönte Scheiben an der Seite und hinten.


Die höchste Konfigurationsstufe Comfort + liegt preislich bei 29.536 Euro und bringt im Grunde genommen nur zwei wesentliche, dafür aber sehr komfortable Upgrades. Keyless-go, also Zutritt zum Fahrzeug und das Starten des Fahrzeugs, ohne den Schlüssel aus der Tasche zu nehmen, sowie das Audiosystem mit Smartphone-Einbindung. Wer Beides möchte, muss das recht teuer bezahlen. Wer seinen Schlüssel immer findet und wem eine Bluetooth-Verbindung reicht – der braucht's nicht.


Empfehlen würde ich aus Sicherheits- und Ästhetik-Gründen aber zumindest die Comfort-Variante. Rückfahrkamera, Totwinkelwarner und Querverkehrswarner bieten ein großes Plus an Sicherheit. Die abgedunkelten Scheiben und die 17-Zöller werten den Vitara zudem optisch enorm auf.


Die Ausstattungsvarianten und Lackfarben in der Übersicht. (Material: Suzuki)



Suzuki Vitara 1.4 BoosterJet Hybrid: Das Fazit


Der Suzuki Vitara ist in den letzten Jahren schöner, sparsamer und umweltfreundlicher geworden. Dabei war er vorher weder hässlich noch eine Umweltsau. Es waren Upgrades auf hohem Niveau. Ein spaßiger, kleiner Renner war diese Baureihe von Beginn an, und mit dem Mild-Hybrid-Antrieb bleibt sie das auch – zumindest in der Stadt und auf der Landstraße.


Das Attribut „okay“ trifft auf das Platzangebot und den Wohlfühlfaktor im Innenraum zu. Bedenkenlos zugreifen kann, wen Hartplastik nicht abtörnt.


Ich persönlich mag besonders den Sound des kleinen Motörchens, der viel "williger" klingt als die meisten dieser Größe. Insgesamt ist die schöne "Susi" ein grundsolides und sympathisches Fahrzeug. Der Konfigurator lässt leider nicht sehr viel Individualität bei der Ausstattung zu, was aber teilweise wieder über die große Auswahl an Verschönerungs-Zubehör wett gemacht wird. In den günstigeren Varianten ist der Suzuki Vitara beinahe ein Schnäppchen, für die Comfort-Variante mit ihren 29.536 Euro trifft das nicht mehr zu. Der Allradantrieb ist bereits ab 26.026 Euro zu haben. Er bringt ein Plus an Sicherheit nicht nur abseits des Teerbandes und macht den Vitara damit nicht nur für Förster zu einem interessanten Fahrzeug.



Suzuki Vitara 1.4 BoosterJet AllGrip Comfort+ Hybrid – Technische Daten


Fünftürer, fünfsitziges Kompatk-SUV mit Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.170 mm/1.775 mm/1.595 mm

Radstand: 2.500 mm

Kofferraumvolumen: 375 bis 1.120 Liter

Motor: 1,4-Liter-Reihenvierzylinder-Turbobenziner, 95 kW/129 PS bei 5.500 U/min, maximales Drehmoment: 235 Newtonmeter bei 2.000 – 3.000 U/min,

Motorposition: Frontmotor, quer verbaut

Antrieb: Allradantrieb (AWD, Lamellenkupplung)

Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe

Leergewicht: 1.320 Kilogramm

0-100 km/h: 9,5 s

Vmax: 190 km/h

Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 4,9 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 111 g/km

Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM

Effizienzklasse: A

Tankinhalt: 47 Liter

Preis: ab 29.536 Euro (Basispreis Vitara: 23.053 Euro)


Zusatzinformationen

Testverbrauch: 5,3 Liter

Steuer pro Jahr: 60 Euro

Versicherungsklassen KH/VK/TK: 15/19/21

Wartung:Alle 12 Monate oder 20.000 km

Garantie: 3 Jahre / 100.000 km


Arne Roller

15 März. 2021