Tagebuch Peugeot e-208 GT Pack

Mathias Keiber

25 März. 2021

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14 Tage, 4 Redakteure, 1 Auto: Unser allumfassender Erfahrungsbericht in Text, Fotos und bewegten Bildern.

Manche Sachen muss man einfach mal ausprobieren. Und wer das Abenteuer mag, der scheut auch die Elektromobilität auf der Langstrecke im Winter nicht. Konkret: im Peugeot e-208 von Mainz nach München – und zwar im Februar. Das war meine Mission. Und ich habe sie erfüllt. Aber es war ganz schön knapp. 15 Minuten vor Ladenschluss und mit 10 Kilometern Restreichweite komme ich in München an. Doch eins nach dem anderen…


Montag, 15. Februar: Der vollelektrische Kleinwagen kommt in der sportlichen Variante GT Pack um 11 Uhr bei mir an. Schick schaut er aus, sehr schick sogar. Nicht nur die Lackierung in kräftig leuchtendem Blau sticht ins Auge. Insbesondere die Front schreit geradezu: Aufgepasst, hier bin ich! Den spitzen, langen Scheinwerfern nach zu urteilen, könnte man meinen, die Löwen-Marke schickt einen Säbelzahntiger ins Rennen um die Gunst der Elektroauto-Käufer. Doch Löwe hin, Tiger her: Peugeot ist ein Frontdesign gelungen, dass einem der Lieblingswörter automobiler Kommunikationsabteilungen mehr als nur gerecht wird – markant. Verglichen mit seinem Rüsselsheimer Plattform-Bruder, dem Corsa-e, wirkt der e-208 wie der Charakterkopf. Er hat ein Gesicht, das man so schnell nicht vergisst.

Der Blick auf den digitalen Tacho geht nicht durch das Lenkrad hindurch, sondern darüber hinweg. (Foto: Peugeot)


Was man leider auch nicht so schnell vergisst, jedenfalls nicht bei über 1,90 Meter Körpergröße, ist der Einstieg auf den Fahrersitz: Der will nur auf sehr viel Biegen und aber immerhin ohne Brechen gelingen. Einmal drinnen hat man jedoch auch als menschlicher Schrank ausreichend Platz hinterm Kart-mäßig tiefsitzenden Steuer. Materialmäßig kann der Innenraum durchaus überzeugen: hier Alcantara, dort aufgeschäumte Kunststoffe, dort unten Alu, Klavierlack unter dem Touchscreen – viel Gutes, aber vielleicht auch zu viel des Guten. Soll heißen: Im Einzelnen überaus gefällig, im Ganzen aber nicht so richtig homogen.


Ohne Zweifel ein spektakulärer Blickfang ist das dreidimensionale i-Cockpit. Darin angezeigt wird eine zu etwas mehr als 75 Prozent volle Batterie bzw. eine Restreichweite von 202 Kilometern. Ich parke das Auto hinterm Haus und begebe mich zurück ins Home-Office. Denn die Fahrt von Mainz nach München steht erst am Folgetag an.


Dienstag, 16. Februar: Nach einer bitterkalten Nacht setze ich mich 25 Stunden nach Inempfangnahme ins Auto: Ich drücke den Startknopf, wende meinen Blick auf den in Fahrer-Richtung angewinkelten Infotainment-Touchscreen. Das Navi ist intuitiv bedienbar, ich gebe mein Ziel ein und bekomme angezeigt: 440 Kilometer Wegstrecke sind es bis zu meinem Ziel. Die prognostizierte Ankunftszeit ist um 16.38 Uhr. Was da natürlich nicht mit eingerechnet ist, sind die Ladepausen. Ein Blick ins i-Cockpit sagt: Der ist in spätestens 184 Kilometern nötig. Kurze Ernüchterung, dann die Feststellung: Eine Nacht unter null kostet ganz schön Reichweite. Ich lege vorsorglich den Eco-Modus ein, schließlich will ich die 50 kWh-Batterie nicht zweimal von unter 10 auf über 80 Prozent laden müssen.

Erste Verschnaufpause bei Würzburg. (Foto: Mathias Keiber)


Kurz vor der A66 überkommt mich dann aber zum ersten und einzigen Mal die Unvernunft. Die Auffahrt auf die Autobahn gönne ich mir im Sportmodus. Erwartungsgemäß zeigt sich: Mit 136 PS und 260 Newtonmetern sofort verfügbarem Drehmoment kommt man in einem Kleinwagen schon ziemlich zügig von der Stelle. Das Beschleunigen auf die Autobahn macht richtig Spaß! Allerdings sollte man das nicht allzu oft wiederholen. Denn auch ohne Zwischensprints merke ich schnell, dass da irgendwas nicht stimmt: Die in Kilometern angezeigte Restreichweite im i-Cockpit purzelt sehr viel schneller nach unten als die ebenfalls in Kilometern angezeigte Restdistanz bis zum Zielort. Ich nehme also Gas raus und besorge mir effektiv ein Abo für die rechte Spur. Im Eco-Modus ist es derweil recht kühl im Auto. Im Spessart um Aschaffenburg kann ich zwar so manche Talfahrt zum Rekuperieren nutzen, aber bei Würzburg ist dann nach etwa 150 Kilometern Wegstrecke Schluss. Der Batteriestand ist unter 10 Prozent, ich muss an die Schnelladesäule an einer Autobahnraststätte. Den Ladevorgang kann ich problemlos übers Handy per QR-Code starten. Ich schaue von außen aufs i-Cockpit: Batterie lädt. Der e-208 kann laut Herstellerangaben mit bis zu 100 kW laden.


Im Shop der Tanke kaufe ich mir ein belegtes Brötchen und mache einen Spaziergang in die Pampa hinter die Raststätte. Nach etwa 45 Minuten komme ich zurück. Der Akku ist bei 84 Prozent. In 45 Minuten hat die Batterie also 37,5 kWh aufgenommen. Die durchschnittliche Ladegeschwindigkeit hat demnach 50 kW betragen. Mit rund 290 Kilometern Restreichweite fahre ich zurück auf die A3.Das entspricht genau meiner Restdistanz bis zum Zielort. Mir ist klar: Das wird nicht reichen. Also fahre ich unvernünftiger als bisher, weil ich eh weiß, dass ich noch mal an den Ladestecker muss. Konkret heißt das: Ich kündige mein Abo für die rechte Spur, fahre so um die 110 km/h, während der Verkehr flüssig läuft. Außerdem fahre ich im Normal-Modus, sonst friere ich mir mangels Heizung den Allerwertesten ab.

Zweite Verschnaufpause: Zwischen Nürnberg und Ingolstadt wird's allmählich dunkel. (Foto: Mathias Keiber)


Nach 140 Kilometern echter Wegstrecke zeigt die Restreichweite 40 Kilometer an. 110 Kilometer sind also verpufft – geschuldet der nicht defensiven, aber auch keineswegs offensiven Fahrweise, sowie meinem Bedürfnis nach Wärme. An einer Schnellladesäule irgendwo zwischen Nürnberg und Ingolstadt will ich Laden. Doch bis das mit dem QR-Code funktioniert, vergehen mehrere vergebliche Versuche. Irgendwann klappt es dann doch. Doch langsam wird es dunkel, ich werde ungeduldig. Ich warte nicht, bis die Batterie bei 80 Prozent ist und beende den Ladevorgang. Knapp 200 Kilometer werden mir angezeigt, als ich weiterfahre. Die Wegstecke beträgt weitere 140 Kilometer. Mir ist klar, dass ich langsamer als beim zweiten Abschnitt fahren muss, sonst wird es nicht reichen.


Die Lösung: Ich hänge mich hinter einen Schwertransport. 80 km/h steht auf dessen Heck. Restreichweite und Restdistanz gehen nun Hand in Hand. Das Problem: Die prognostizierte Ankunftszeit in München rückt in immer weitere Ferne. 19.20 Uhr steht auf dem Navi-Screen – Tendenz im Uhrzeigersinn steigend. Ich muss was tun. Also überhole ich den Schwertransport und beobachte Restreichweite und Restdistanz ab sofort mit Argusaugen. Dabei fällt mir auch, dass die zwei Werte bis zu 90 km/h harmonieren, also gleichzeitig gleichviel abbauen. Das Dumme nur: Die ein oder andere Baustelle sorgt für weiteren zeitlichen Verzug. Die prognostizierte Ankunftszeit liegt bereits nach 19.30 Uhr. Zur Erinnerung: Anfangs stand da mal 16.38 Uhr.


Mit viel Glück parke ich um 19.45 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt, der in 15 Minuten schließt. Das i-Cockpit zeigt 10 Kilometer Restreichweite. Kein Problem, denn bis zu meinem Domizil ist weniger als ein Kilometer Wegstrecke zurückzulegen.

Übergabe mit 148 Kilometern Restreichweite. (Foto: Mathias Keiber)


Mittwoch, 17. Januar: Am Morgen zeigt das i-Cockpit 6 Kilometer Restreichweite an. Die Nacht war lau, trotzdem leert sich die Batterie über den Tageswechsel. Nur eben weniger als in der Nacht davor. Trotzdem schaffe ich es problemlos an die innerstädtische Ladesäule, die aber keine Schnellladesäule ist. Vier Stunden später hole ich das Auto ab, parke es am Straßenrand (mit 148 Kilometern Reichweite) und übergebe den Schlüssel am Folgetag an meinen Kollegen Tobi.


Wochenende, 20. und 21. Februar: Tobi steigt ins Auto und fährt mit 138 Kilometer Reichweite (in 72 Stunden kontinuierlich steigender Temperaturen verliert die Batterie also nur 10 Kilometer Reichweite) ganz entspannt von München nach Rottach-Egern an den Tegernsee – und zwar im Eco-Modus, was ihn nicht weiter stört, denn es ist 13 Grad warm. Das nicht allzu schnelle Laden an einer örtlichen Ladesäule funktioniert problemlos, nach einer Stunde sind 5 kWh hinzugekommen, also etwa 10 Prozent der Gesamtkapazität. Damit kommt Tobi einen Tag später wieder locker in München an. Insgesamt legt er 110 Kilometer zurück, ohne jemals auf die Autobahn zu fahren. Das Auto gefällt ihm, speziell von Lenkung und Agilität zeigt er sich beeindruckt. „Wie im Kart“, sagt unser Social-Media-Manager und Podcast-Moderator.


Montag, 22. Februar: Ich erhalte einen Anruf. Am anderen Ende ist ein entnervter Tobi: „Sag mal, Matze. Wie hast du den Peugeot hier in München geladen bekommen? Ich hab’s an vier verschiedenen Ladesäulen der Stadtwerke München (SWM) versucht, ich bekomme immer eine Fehlermeldung.“ Tatsächlich hatte ich auch Probleme an einer SWM-Säule. Stecker Nummer zwei funktionierte bei mir jedoch per QR-Code. Nach Stunden findet Tobi die Lösung: Mit der Mobilitätsapp eines Versorgers, der gar nicht aus München ist, lassen sich die Ladesäulen der SWM in Betrieb nehmen.

Dienstag 23. Februar, bis Freitag, 26. Januar: Attila übernimmt das Auto für eine ausgiebige Videoproduktion. Er macht ein Review...



und eine Q-&-A-Session...



Wochenende, 26. und 27. Februar: Bevor das Auto am Montag zurück zum Hersteller geht, schnappt sich Arne den Stromer für eine Ausfahrt am Wochenende. Sein Fazit:


Außen wie innen finde ich das Design des Peugeot e-208 sehr ansprechend. In puncto Fahrspaß kann er nochmal extra punkten. Die Kraftentfaltung ist direkt und gleichmäßig, so kennt man das von E-Autos. Und dass der Schwerpunkt durch die im Unterboden installierte, knapp 400 Kilo schwere Batterie tief liegt, tut sein Übriges: Der e-208 geht richtig gut durch Kurven. Auf meiner Langstreckenfahrt habe ich es geschafft, rund 285 Kilometer mit einer Ladung zurückzulegen. Das bedeutete allerdings sehr diszipliniertes Fahren bei Tempo 90. Höhere Geschwindigkeiten jenseits der 100 verkürzen die Reichweite enorm. Lange Reisen sind also nur ohne Zeitdruck im Nacken zu empfehlen.


Montag, 28. Februar: Am Vortag stellt mir Arne den e-208 mit 44 Kilometern Restreichweite in Mainz vor die Haustür. Er ist in Bonn mit voller Batterie losgefahren, 162 Kilometer bis Mainz. Für mich passt das quasi perfekt: Über Nacht, es ist warm, verliert die Batterie so gut wie nix. Die knapp 40 Kilometer bis zum vereinbarten Rückgabeort sollten also drin sein. Tiefenentspannte Fahrt dorthin also? Nope. Nach der Schleichfahrt von Mainz nach München habe ich noch eine Rechnung offen und 40 Kilometer ist eine Strecke, die im Bereich der Paradedisziplin des e-208 liegt. Außerdem steht das Auto in der sportlichen „GT Pack“-Ausstattung vor mir. Eine sportliche Spritztour zum Abschied muss schlicht sein.


Doch bevor es dazu kommt, wünsche ich mir mehrfach, ich hätte mich dagegen entschieden. Erstes Problem: Auf dem Parkplatz des örtlichen Stromversorgers gibt es 6 Ladesäulen für Elektroautos. Ich klingle an der Pforte. Man teilt mir mit – Laden nur für Mitarbeiter. Schade. Denn insofern es unter den Mitarbeitern Elektroauto-Fahrer gibt, sind diese wohl ausnahmslos im Home-Office. Schließlich sind alle Ladesäulen – nur kann sie niemand nutzen. Selbst außerhalb der Dienstzeiten, also etwa 12 Stunden lang an jedem Wochentag und 48 Stunden lang an jedem Wochenendes: keine Chance. Weniger effektiv kann man innerstädtischen Raum kaum nutzen. Schlussfolgerung: In Sachen urbaner Elektromobilität geht der örtliche Stromversorger mit schlechtem, weil maximal unflexiblem Beispiel voran.


Gut, dann halt woanders. Ich lasse mir im e-208 die nächste Lademöglichkeit anzeigen. Sie befindet sich vor dem Supermarkt, in dem ich mehrmals pro Woche einkaufe. „Dass mir die Ladesäule bisher nie aufgefallen ist“, wundere ich mich. Dort angekommen stelle ich fest: Entweder handelt es sich um eine theoretische Ladesäule, oder ich bin blind. Auch Google behauptet, es gebe hier eine Ladesäule. Wie dem auch sei: Ich finde sie nicht.

Die Ladekabel schlucken doch einiges des Kofferraumvolumens. (Foto: Mathias Keiber)


Also weiter zur nächsten. Und – oh, Glück! – sie ist nur von einer Seite von einem Verbrenner zugeparkt. Ich schließe den e-208 fachgerecht an und es passiert – genau – gar nichts. Gleiches Spiel am zweiten Anschluss der Säule. Ich rufe beim Betreiber an. Der Mensch am anderen Ende der Leitung findet das auch seltsam. Er fährt die Säule runter und wieder hoch und bittet mich, drei Minuten zu warten und es dann nochmal zu versuchen. Ich leiste den Anweisungen folge. Nach vier Minuten versuche ich es erneut. Doch da tut sich wiederum nichts. Ich rufe nochmal beim Betreiber an. Folge: Mein Gesprächspartner listet die Säule als defekt und „informiert den Techniker“.


Mir bleibt nichts anderes übrig, als zur nächsten Säule zu fahren. Dort angekommen beträgt die Restreichweite zwei Kilometer weniger als die zurückzulegende Wegstrecke bis zum Rückgabeort. Der bevorstehende Ladevorgang dient also nur in zweiter Linie dazu, mir ein sportliches Fahrvergnügen zu ermöglichen. Immerhin: Es klappt. Das Auto lädt. Anderthalb Stunden später komme ich zurück, steige an und bin in der Lage, noch einmal – und dieses Mal ohne Reichweitenbedenken – im Sport-Modus auf die Autobahn zu beschleunigen. Ein geiles, irgendwie überlegenes Gefühl!


Fazit nach 14 Tagen: Zum Auto selbst heben alle vier Redakteure den Daumen. Was die innerstädtischen Lademöglichkeiten betrifft, sind zwei von uns jedoch maximal gefrustet. Mit Lademöglichkeit zu Hause ist der e-208 GT Pack als sportlicher Flitzer fürs urbane Umfeld jedoch uneingeschränkt zu empfehlen – bei entsprechendem Budget jedenfalls. Denn abzüglich der Innovationsprämie von Bund und Herstellern sind für die getestete Variante immer noch rund 27.000 Euro fällig.


Daten Peugeot e-208 GT Pack:

Länge x Breite x Höhe: 4,06m x 1,96m x 1,43m

Radstand: 2,54m

Motor: Synchron-Elektromotor

Leistung: 100 kW / 136 PS bei 3673-10.000 U/min

Max. Drehmoment: 260 Nm bei 300-3673 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h (abgeregelt)

Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,1 Sek.

Batteriekapazität: 50 kWh

Reichweite (WLTP): 330 km

WLTP-Durchschnittsverbrauch: 17 kWh/100 km

Effizienzklasse: A+

CO2-Emissionen: 0 g/km

Leergewicht / Zuladung: min. 1530 / max. 380 kg

Kofferraumvolumen: 265-960 Liter

Wendekreis: 10,4 m

360°

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Mathias Keiber

25 März. 2021