Studie: Erwartungen an Tempolimit überzogen

Mathias Keiber

14 Sept. 2021

Selbst auf Autobahnabschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fahren dem Institut der deutschen Wirtschaft zufolge mehr als drei Viertel langsamer als 130 km/h.

Die Zeiten, in denen man auf deutschen Autobahnen wirklich so schnell fahren konnte, wie man wollte, zumindest tagsüber, sind lange vorbei. So jedenfalls die Wahrnehmung vieler Autofahrer. Doch jetzt haben Big-Data- und Verkehrsexperten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Echtzeit-Daten von Autobahnabschnitten ohne Tempolimit ausgewertet. Das Ergebnis: Selbst nachts fahren die meisten langsamer als 130 km/h.


Die IW-Forscher haben aber nicht nur nachts gemessen, sondern nach eigenen Angaben über einen Zeitraum von rund vier Monaten Daten von Autobahnzählstellen an Abschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung in Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Dabei seien rund 1,2 Milliarden Fahrten auf 1.762 Fahrstreifen erfasst worden.


Resultat: „Tatsächlich fahren auch auf Abschnitten ohne Tempolimit rund 77 Prozent der Autofahrer langsamer als 130 km/h. Weitere zwölf Prozent fahren zwischen 130 und 140 km/h, und weniger als zwei Prozent fahren schneller als 160 km/h.“


Erwartungsgemäß seien die meisten Autofahrer zwischen 15 und 18 Uhr unterwegs. In diesem Zeitraum fahre kaum jemand schnell: Gerade einmal rund ein Prozent der Fahrer sei mit mehr als 160 km/h unterwegs. Zwar steige der Anteil der Schnellfahrer ab 19 Uhr deutlich, doch bleibe er insgesamt klein: Zwischen 22 und 4 Uhr seien nur vier Prozent 160km/h oder schneller gefahren.


„Die Zahlen zeigen, dass selbst bei freier Fahrt und nachts nur eine Minderheit sich mit maximalen Geschwindigkeiten wohlfühlt“, sagt IW-Verkehrsökonom Thomas Puls.


Weiterhin gibt das Institut an: „Von 2.719 Verkehrstoten im Jahr 2020 starben 317 Menschen auf der Autobahn, allerdings wird etwa jeder dritte Kilometer auf der Autobahn gefahren.“


Ob ein Tempolimit den CO2-Ausstoß entscheidend senken könnte? Auch hier zeigt sich das IW skeptisch: „Selbst bei einheitlichem Tempo 130 würden Modellen zufolge maximal zwei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.“ Dabei will die Bundesregierung bis 2030 im Verkehr annähernd 80 Millionen Tonnen einsparen.


Puls kommt vor diesem Hintergrund zum Schluss: „Die öffentlichen Erwartungen an ein Tempolimit sind nach 50 Jahren Debatte deutlich überzogen.“


(Foto: Deutsche Fotothek)

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Mathias Keiber

14 Sept. 2021