Testfahrt im neuen VW Tiguan R: verdammt scharfes SUV!

Arne Roller

08 Okt. 2020

1/9
Nach viereinhalb Jahren überaus erfolgreicher Marktpräsenz bekam der VW Tiguan im Sommer sein Facelift. Die Basisversion ist bereits bestellbar – Allspace, Plug-in-Hybrid und nicht zuletzt der „R“ als sportliche Topversion folgen. YesAuto-Redakteur Arne Roller durfte den 320-PS-Tiguan bereits Probe fahren.

Nach viereinhalb Jahren überaus erfolgreicher Marktpräsenz bekam der VW Tiguan im Sommer sein Facelift. Die Basisversion ist bereits bestellbar – Allspace, Plug-in-Hybrid und nicht zuletzt der „R“ als sportliche Topversion folgen. YesAuto-Redakteur Arne Roller durfte den 320-PS-Tiguan bereits Probe fahren.


Der modellgepflegte Tiguan: links der Plug-in-Hybrid, in der Mitte die R-Version und rechts die R-Line. (Foto: Volkswagen)


910.926 Tiguan verkaufte Volkswagen im letzten Jahr weltweit. Damit ist er die Nummer Eins bei den SUV in Europa. Und nicht etwa der Golf, sondern der Tiguan ist damit das volumenstärkste Modell der Wolfsburger. Damit das so bleibt, spendierte VW dem Kompakt-SUV im Sommer ein Facelift.


Der Tiguan mit kurzem Radstand ist bereits seit Juli bestellbar – mit Benzin- und Dieselmotoren und einem Leistungsspektrum von 130 PS bis 200 PS. Der Plug-in-Hybrid sowie der Tiguan R sollen noch in diesem Quartal folgen, der Allspace mit langem Radstand bekommt das Facelift erst im nächsten Jahr.


Zu den Neuerungen beim Tiguan-Facelift gehört eine überarbeitete Motorenpalette, Änderungen am Ex- sowie Interieur und neue Assistenzsysteme. Die TSI-Benzinmotoren der aktuellen Generation verfügen jetzt über Zylinderabschaltung, die Dieselmotoren über das sogenannte „Twindosing“. Sie haben also zwei SCR-Katalysatoren, von denen jeder über eine eigene Adblue-Einspritzung verfügt. Der Clou dabei: Der vordere, näher am Motor positionierte Kat kommt beim Kaltstart schneller auf Temperatur. Der zweite Kat sitzt weiter hinten, bleibt länger kühl und kann dadurch bei höheren Lasten besser arbeiten.



Volkswagen Tiguan Facelift: Gelungenes Exterieur-Update


Neu am Exterieur ist die jetzt höhere Motorhaube mit dem Knick oberhalb des Kühlergrills, wie man es schon vom größeren Touareg oder auch dem US-Modell Atlas Cross kennt. Der Grill mitsamt den schmaleren LED-Scheinwerfern im Golf-Stil ist breiter, auch die Stoßfänger und Kotflügel hat VW neu gestaltet.


An der Front wurden Scheinwerfer, Stoßfänger und die Motorhaube überarbeitet. (Foto: Volkswagen)


Vorne und hinten prangt jetzt mittig das neue Volkswagen-Logo, am Heck zeigt sich der Modellname – wie bei jetzt allen neuen Volkswagen – in großen Buchstaben direkt unter dem Markensignet. Die LED-Leuchten sowohl vorne als auch hinten gehören seit dem Facelift serienmäßig zum Tiguan.


Das neue VW-Logo, großer Tiguan-Schriftzug und ein verändertes "4MOTION"-Emblem am Heck. (Foto: Volkswagen)


Im Inneren fällt sofort die Überarbeitung der Schaltkonsole für die Klimatisierung in der Mittelkonsole auf. Hier finden sich jetzt Touch-Module für die Temperatur und weitere Funktionen wie Frontscheibe-, Heckscheiben-, und Sitzheizung sowie ein sogenannter "Touch-Slider" für die Stärke der Gebläse. Zweimal genutzt, geht die neue Steuerung ins Blut über und die Verstellung auch während der Fahrt leicht von Hand. Modern und intuitiv – alles richtig gemacht!


Multifunktionslenkrad mit Touch-Bedienung (R-Line und R), die neue Schaltkonsole für die Klimatisierung in der Mitte (Foto: Volkswagen)


Mit dem Facelift kam im Juli auch eine Neuordnung der Ausstattungslinien: Einfach nur Tiguan, so nennt sich jetzt die Basislinie, auf sie folgt der Tiguan Life mit Einparkhilfe, Abstandstempomat, Fernlichtassistent, Dachreling, Klimaautomatik und 17-Zoll-Rädern. Darüber stehen Elegance und R-Line.


Die R-Line zeichnet sich durch eine sportlich angehauchte Gestaltung aus und kommt mit Matrix-LED-Scheinwerfern, digitalen Instrumenten und dem Multifunktionslederlenkrad mit Touch-Bedienung. Die Variante Elegance sticht durch Design-Elemente wie Chromverzierungen heraus und verfügt über eine elektrische Heckklappe.



Volkswagen Tiguan: eHybrid kommt Ende des Jahres


Die erste Plug-in-Hybrid-Variante des Tiguan verfügt über einen Antriebsstrang mit einem 100 kW/150 PS starken, 1,4 Liter großen Turbo-Vierzylinder und einem E-Motor, der 85 kW/115 PS leistet und aus einer 13 kWh großen Batterie gespeist wird. Das ergibt eine Systemleistung von 245 PS.


Rein elektrisch fährt der Plug-in-Hybrid bis zu 130 km/h schnell und kommt im WLTP-Zyklus 50 Kilometer weit (NEFZ bis zu 60 Kilometer). Dabei ermöglicht es das „prädiktive Fahren“ mittels intelligenter Soft- und Hardware, die elektrische Reichweite zu vergrößern, in dem etwa eine ins Navigationssystem eingegebene Strecke analysiert wird. So kann das System die am effizientesten befahrbare Strecke – etwa mit wenigen Steigungen – anbieten. Außerdem fördert es besonders vorausschauendes Fahren, indem es früh auf Kurven hinweist, sodass man als Fahrer rechtzeitig bremsen und so die optimale Rekuperation einleiten kann.


Beim Tiguan eHybrid befindet sich der Ladestecker vorne links. (Foto: Volkswagen)



Volkswagen Tiguan eHybrid: Intelligentes, aber langsames Laden


Laden lässt sich der Tiguan eHybrid je nach Stromquelle mit 2,3 oder 3,6 kW Wechselstrom (AC). Das integrierte Ladegerät kann das Laden vollautomatisch managen. Zudem kann der Nutzer via Infotainmentsystem („e-manager“) oder der „We Connect“-App auf dem Smartphone den Zeitpunkt des Ladens steuern, um zum Beispiel günstigen Nachtstrom zu nutzen. Die Wallbox für Zuhause ist ab 390 Euro zu haben. Daran ist eine leere Batterie in knapp vier Stunden wieder voll aufgeladen, an der Haushaltsteckdose mit 2,3 kW dauert es knapp sechs Stunden.


Schnelles Laden per Gleichstrom ist beim Tiguan eHybrid nicht möglich, weshalb er vor allem eine Option für diejenigen ist, die Zuhause die Möglichkeit des Ladens über Nacht haben – oder auch am Arbeitsplatz. Der Plug-in-Hybrid kommt immer mit Frontantrieb und DSG und ist nur für den Tiguan mit kurzem Radstand verfügbar.



Volkswagen Tiguan R mit 320 PS


Lange wurde über die Motorenauswahl für den Tiguan R spekuliert. Wird es ein Fünfzylinder, vielleicht sogar ein Sechszylinder? Oder doch der Zweiliter-Vierzylinder aus dem Golf R? Letzterer ist es geworden, aber im Tiguan R leistet er immerhin 20 PS mehr als im Topmodell des Golf. Neben den 320 PS stehen 420 Newtonmeter Drehmoment zu Buche, die bereits ab 2.100 Umdrehungen anliegen. Ein verstärktes Siebengang-DSG, das für sehr schnelle Gangwechsel sorgt, bringt die Kraft auf die Antriebswelle. Der Tiguan R ist 250 km/h schnell und erreicht Tempo 100 in unter fünf Sekunden.


Größere Lufteinlässe und das R-Emblem, daran erkennt man den R von vorne. (Foto: Volkswagen)


„Wir wollten, dass man den R schon aus 200 Metern Entfernung sofort erkennt“, hieß es auf der Pressekonferenz. Und so gab man dem Tiguan R besonders auffällig gestaltete Stoßfänger, vorne mit größeren Lufteinlässen, hinten mit Diffusor. Dazu Radhausverbreiterungen, 21-Zoll-Leichtmetallfelgen und mattgrau lackierte Außenspiegel. Hinter den Felgen sitzen zudem auffällige 18-Zoll-Bremsanlagen mit blauen Bremssätteln. Mit seinem Adaptivfahrwerk „DCC“ sitzt der R 10 mm tiefer als andere Tiguan-Modelle und verfügt immer über eine Vierrohr-Auspuffanlage. Gegen Aufpreis gibt’s eine Akrapovič-Anlage mit richtig schönem Sound und knallendem Geprotzel beim Gas wegnehmen.


Beim Tiguan R gibt's hinten immer vier Rohre. (Foto: Volkswagen)


Ein Highlight des Tiguan R ist außerdem das Torque-Splitting. Das System kann das Drehmoment nicht nur zwischen Vorder- und Hinterachse, sondern auch zwischen den kurveninneren und kurvenäußeren Hinterrädern optimal verteilen. Schnelle Gangwechsel, Launch-Control und in unter fünf Sekunden auf Landstraßentempo, der Tiguan R ist ein verdammt scharfes SUV!


YesAuto-Redakteur Arne Roller im Tiguan R: Vorfreude auf eine kleine Ausfahrt. (Foto: Volkswagen)


Und damit ans Eingemachte: Der Sound der Akrapovič-Anlage macht richtig Spaß, der Tiguan R liegt dank des adaptiven Fahrwerks und des Torque-Splitting immer satt in der Kurve. Er bekommt es hin, mich vergessen zu lassen, dass ich ein SUV fahre. Was er nicht ganz schafft, ist der letzte Punch – mich richtig in den Sitz zu pressen, dafür sind die 320 PS letzten Endes nicht ganz ausreichend.


Die Sitze im Tiguan R sind nicht nur schön gestaltet, sondern bieten gleichzeitig Komfort und viel Halt beim Kurvenkratzen. So gut es der Verkehr zulässt, ballere ich mit der Musik der Akrapovic in den Ohren Richtung Flughafen Hannover und genieße jeden Zwischensprint, den ich mir bei freier Fahrbahn erlauben kann. Leider muss ich mich schon nach knapp 90 Minuten wieder vom Tiguan R trennen. Hoffentlich sehe ich ihn bald wieder, um einerseits seine Finessen wie die Launch-Control und andererseits seine Alltagstauglichkeit ausgiebig testen zu können.



Tiguan eHybrid und Tiguan R: Preise noch spekulativ


Zu den Einstiegspreisen der neuen Varianten hat Volkswagen noch keine offiziellen Zahlen kommuniziert. Die Preise sind also noch spekulativ. Der eHybrid dürfte allerdings ab knapp über 40.000 Euro losgehen. Vielleicht etwas teuer, aufgrund der neuen Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Nämlich dem ID.4, der je nach Version bereits ab 37.000 Euro zu haben sein soll. Der Tiguan R dürfte zwar bei unter 60.000 Euro starten, kommt Kunden damit aber deutlich teurer als ein Cupra Ateca (300 PS, ab 44.380 Euro).

360°

Details

Gebraucht

Videos

News

Du weißt nicht, welches Auto zu Deinem Lebensstil passt? Frag YesAuto! Unser Kaufberater zeigt Dir alle Informationen, die Du brauchst um die richtige Entscheidung zu treffen.

Arne Roller

08 Okt. 2020