Vinfast will E-Autos in Deutschland bauen

Arne Roller

07 Jan. 2022

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Der vietnamesische Hersteller ist auf der Suche nach einem Produktions- und Entwicklungsstandort. Zwei Bundesländer sind noch im Rennen.

Vinfast macht jetzt auch international Ernst. Auf der CES zeigte der vietnamesische Hersteller drei neue Elektro-SUV. Im Heimatland baut man eine neue Batteriefabrik, in den USA soll 2024 ein Werk entstehen. Aus deutscher Sicht ist besonders interessant, dass die Vietnamesen sich auch bei uns nach einem Fabrikstandort umsehen.


Unterstützt wird Vinfast dabei von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI), dem Nachfolger der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai). Die bundeseigene GmbH ist dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWi) unterstellt und hatte zuvor bereits Tesla bei der Suche nach seinem Produktionsstandort beraten.


Wie Vinfast mitteilte, sollen am neuen Standort Elektroautos und -busse sowohl gebaut als auch entwickelt werden. Einen Zieltermin für die Eröffnung der Fabrik nannte das Unternehmen bisher aber noch nicht. Der Schritt nach Deutschland kommt dabei keineswegs überraschend. Bereits beim Aufbau des Stammwerks in Vietnam hatte Vinfast auf eine Ausrüstung durch deutsche Zulieferer gesetzt. Die Basis für die ersten Fahrzeuge waren Modelle von BMW und Opel, während Bosch und ZF zu den wichtigsten Zulieferern gehörten. In der werkseigenen Lehrwerkstatt arbeitet man nach deutschem Vorbild: die Ausbilder kommen aus Deutschland.


Wie die Automobilwoche (Paywall) heute berichtet, sind nur noch Standorte in zwei Bundesländern im Rennen. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung könnte darunter auch das Opel-Werk in Eisenach (Thüringen) sein. Die Opel-Mutter-Stellantis arbeitet nach wie vor daran, die Auslastung ihrer vielen Werke zu optimieren. Nicht zuletzt hat Ex-Vinfast CEO Michael Lohscheller als früherer Opel-Chef gute Kontakte zu Stellantis und war vor seinem unerwarteten Rücktritt in die Standortsuche involviert. Ende Dezember wurde bekannt, dass der deutsche Manager nach nur vier Monaten bei Vinfast aus persönlichen Gründen gekündigt hatte.  



Vinfast: Diese Elektromodelle kommen nach Deutschland


Aktuell baut Vinfast im vietnamesischen Werk die speziell für den Heimatmarkt vorgesehen Verbrenner-Modelle Lux A2.0 und Lux SA2.0, die auf dem BMW 5er (Baureihe F10) und dem BMW X5 (Baureihe F15) basieren. Die Produktion dieser konventionellen Modelle will Vinfast in diesem Jahr komplett einstellen. Die neuen Elektromodelle VF 5, VF 6, VF 7, VF 8 und VF9 für den europäischen Markt sollen dann in naher Zukunft auch in Deutschland entstehen.


Auf der CES in Las Vegas stellten die Vietnamesen jetzt ihre komplette Elektroauto-Flotte vor. Neu sind die Modelle VF 5, VF 6 und VF 7 für die Segmente A, B und C (Kleinstwagen, Kleinwagen und Kompaktklasse). Bei allen Modellen handelt es sich um SUV. Wann diese bei uns auf den Markt kommen, ist noch nicht bekannt.


Die beiden bereits bekannten Elektro-SUV VF e35 und VF e36 erhielten – um sich in die Nomenklatur einzuglieder – neue Namen: VF 8 und VF 9. Sie stellen die Topmodelle dar und sind entsprechen den Segmenten D (Mittelklasse) und E (obere Mittelklasse). Für den VF 8 und VF 9, die beide noch 2022 in Deutschland starten sollen, sind schon jetzt Reservierungen möglich. Das 4,75 Meter lange SUV VF 8 ist in seiner Basis-Ausstattung „Eco“ mit 216 kW/294 PS ab 43.900 Euro zu haben. Die „Plus“-Variante mit 300 kW/408 PS liegt bei 50.900 Euro. Hinzu kommt ein monatliches Batterie-Leasing von 120 Euro. Als Reichweite nennt Vinfast 504 Kilometer (WLTP).


Für die Modelle VF 8 und VF 9 laufen bereits die Reservierungen.


Der größere, 5,12 Meter lange VF 9 „Eco“ kommt immer mit dem 300 kW-Antrieb und soll mit seinem 106 kWh-Akku 550 Kilometer (WLTP) weit kommen. Hierzulande startet der Preis bei 58.600 Euro – hinzu kommen 150 Euro Batterie-Leasing pro Monat. Eine ungewöhnlich lange Garantie von zehn Jahren respektive 200.000 Kilometern ist bei beiden Modellen inklusive.



Vinfast: Wissenswertes über den Hersteller


Der erste Autohersteller Vietnams wurde 2017 gegründet und gehört zum Mischkonzern Vingroup. Der Konzern ist eines der wenigen nicht-staatlichen und überwiegend in Privatbesitz befindlichen Konglomerate im kommunistischen Vietnam. Mit seinen rund 44.000 Beschäftigten betreibt die Vingroup Immobilienfirmen, Supermärkte und Hotels. Auch Smartphones gehören neben den Autos zu den Produkten des Unternehmens.


Im Jahr 2020 erwirtschaftete die Vingroup laut Geschäftsbericht einen Nettogewinn von 165 Millionen Euro bei einem Umsatz von 4,05 Milliarden Euro. Größter Anteilseigner ist der Selfemade-Milliardär Pham Nhat Vuong. Laut Forbes gehört er mit einem geschätzten Vermögen von 8,2 Milliarden Dollar zu den reichsten Menschen in Vietnam.


(Fotos: Vinfast)

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Arne Roller

07 Jan. 2022