Volks-Range-Rover: Opel Frontera wird 30!

Mathias Keiber

12 März. 2021

1/7
Erste Exemplare können dieses Jahr ein H-Kennzeichen bekommen.

Der Opel Frontera ist ein echter Pionier. Als er 1991 vorgestellt wird, kennt den Begriff SUV hierzulande noch niemand. Die Leute sprechen von einem Geländewagen. Der Schreiber dieser Zeilen, damals in der Grundschule, spricht jedes Mal, wenn er einen sieht, begeistert vom „Opel-Jeep“ – noch nicht wissend, dass Jeep eine eigene Marke ist.


Was ich damals auch nicht weiß: Ganz streng genommen ist der „Opel-Jeep“ weder Opel noch Jeep. Denn es handelt sich um einen Lizenz-Nachbau des Isuzu Wizard. Hergestellt wird er auch nicht bei Opel in Rüsselsheim, sondern bei IBC Vehicles im nördlich von London gelegenen Luton, wo heute die Opel-Modelle Vivaro und Zafira Life vom Band fahren. All das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen: Der Opel Frontera war und ist, ich will es nicht anders sagen, ein geiles Auto.

Frontera A mit Werbebotschafter Reinhold Messner. (Alle Fotos: Opel)


Opel präsentiert ihn 1991 auf dem Genfer Automobilsalon als „allradgetriebenes Freizeit-Automobil“. Genauer gesagt sind es gleich zwei Autos. Denn wie der Isuzu Wizard auch als Isuzu MU zu haben ist, gibt es den Opel Frontera als Fünftürer und als kompakten Dreitürer. Vor 30 Jahren vereinigt er ordentliche Straßentauglichkeit mit ernstzunehmender Offroad-Eignung. Letztere wird neben der erhöhten Bodenfreiheit durch Hinterrad- und zuschaltbarem Allradantrieb sowie Untersetzungsgetriebe erreicht. Die Zugkraft liegt bei beträchtlichen 2,8 Tonnen.

Frontera A mit kurzem Radstand.


Das kommt an bei den Leuten. Zwar liegt der Marktanteil geländegängiger Autos zu Beginn des Jahrzehnts in Deutschland nur bei etwa zweieinhalb Prozent. Doch das ändert sich bald und der Frontera gilt dabei als Trendsetter. Zu Auslieferungsbeginn liegen bei Opel bereits über 20.000 Bestellungen vor – in der Basisversion ist das Modell für 38.000 DM zu haben.


Bereits 1993 hängt der Frontera die gesamte grobstollige Konkurrenz ab und setzt sich an die Spitze der Zulassungsstatistik. 1993 und 1994 ist er der meistverkaufte Offroader Europas; der größte Einzelmarkt ist Deutschland. Insgesamt werden vom Frontera über 320.000 Einheiten zugelassen. Produziert wird das Modell über zwei Generationen hinweg von 1991 bis 2004.

Frontera A im Querschnitt.

Der Neuling ist ab Ende 1991 in zwei Karosserievarianten lieferbar: Als Frontera Sport mit kurzem Radstand und Hardtop verfügt er über ein Zweiliter-Triebwerk, das wie in anderen Opel-Modellen, zum Beispiel im Vectra, 115 PS leistet. Den fünftürigen Frontera mit langem Radstand gibt es wahlweise mit dem aus dem Omega bewährten 2,4-Liter-Benziner mit 125 PS oder dem 2,3-Liter-Turbodiesel mit 100 PS.


Beide Benziner werden europaweit serienmäßig mit geregeltem Katalysator angeboten. Die Kraft wird bei allen Modellen über ein manuelles Fünfgang-Schaltgetriebe und ein zweistufiges Verteilergetriebe mit Geländeuntersetzung – im Normalfall an die Hinterachse – übertragen. Für beste Traktion kann der Fahrer über einen kurzen Schalthebel die Vorderachse zuschalten. Ein selbstsperrendes Hinterachsdifferential mit begrenztem Schlupf ist gegen Aufpreis lieferbar.

Frontera A Interieur.


Der Frontera ist ein echter Offroader, denn er verfügt über einen separaten Leiterrahmen, der auch die Radaufhängungen und die Antriebskomponenten trägt. Die Karosserie der dreitürigen Version ist durch zehn, beim Fünftürer durch zwölf spezielle Gummilager mit dem Rahmen verbunden. Der Leiterrahmen verfügt über insgesamt sechs Querträger, um für den Geländebetrieb eine hohe Verwindungssteifigkeit zu ermöglichen. Motor und Kraftübertragungs-Komponenten sind an zusätzlichen, verschraubten Trägern montiert, sodass sie bei Wartungs- und Reparaturarbeiten leicht demontiert werden können.


Käufer bekommen ein praktisches Auto: Beim Fünftürer Serie sind zum Beispiel elektrische Fensterheber und eine asymmetrisch teilbare Rückbank. Dennoch bleibt der Frontera nicht von den in den 90er Jahren Opel-typischen Malaisen verschont: viel Kunststoff und so mancher Verarbeitungsmangel.


Derweil werden SUV immer beliebter, zum Beispiel 1994 mit dem Toyota RAV4. Opel reagiert und bringt Sondereditionen seines Frontera auf den Markt, zum Beispiel mit Frontschutzbügel, Sonnendach oder farbigen Trittbrettern an den Seiten.

Frontera B mit langem Radstand.


Mit neuem 2,2-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer und 3,2-Liter-Sechszylinder geht im Herbst 1998 die zweite Generation des Opel Frontera an den Start. Der neuentwickelte Offroader wartet hinten mit Fünflenker-Hinterachse und vorn und hinten mit verbreiterter Spur auf, um das Handling zu verbessern. In allen Modellen ermöglicht ab sofort das elektronische „No-Stop-Allrad“-System den Wechsel zwischen Heck- und Vierradantrieb per Knopfdruck während der Fahrt. Erstmals ist der Allradler auch mit einem Vierstufen-Automatikgetriebe kombinierbar.

Frontera B mit kurzem Radstand.


Erhältlich ist der Frontera weiterhin als Kurzversion Sport sowie als Fünftürer mit langem Radstand. Äußeres Kennzeichen der zweiten Generation ist eine weichere Führung der Karosserielinien. Bei der Kurzversion sorgen eine schmalere B-Säule sowie ein zusätzliches Seitenfenster für bessere Rundumsicht.


Die ersten Frontera wurden Ende 1991 ausgeliefert. Das heißt: Diese Exemplare können in diesem Jahr als historische Fahrzeuge zugelassen werden. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt gibt es ein umfangreiches Angebot aller Baujahre, manche schon ab 2000 Euro. Über 6000 Euro geht es selbst beim V6 selten.

360°

Details

Gebraucht

Videos

News

Du weißt nicht, welches Auto zu Deinem Lebensstil passt? Frag YesAuto! Unser Kaufberater zeigt Dir alle Informationen, die Du brauchst um die richtige Entscheidung zu treffen.

Mathias Keiber

12 März. 2021