Volkswagen Arteon Shooting Brake 2.0 TSI 4MOTION: Stilsicheres Statement

Arne Roller

27 Sept. 2021

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Dieser VW ist anders als andere. Er stellt Ästhetik über den praktischen Nutzen und eignet sich wohl als einziges Fahrzeug der Marke als Begleiter für Individualisten.

YesAuto Bewertung:

82/ 100

Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

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  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit


Volkswagen, das ist bekanntermaßen “Das Auto”, der Volumenhersteller, der den Geschmack der Massen treffen will und muss. Allgemein sind sie daher in Wolfsburg nicht unbedingt dafür bekannt, besonders extravagante Autos zu bauen. Ganz untypisch ist da der Arteon, der exaltierte große Bruder des Passat. 



Der Arteon, 2017 erstmals als Fastback eingeführt, ersetzte damals den schon recht schick geschnittenen Passat CC. Nebenbei ist der Arteon auf gewisse Art und Weise auch ein spiritueller Phaeton-Nachfolger. Zwar anderthalb Klassen kleiner, wildert er wie schon das damalige Oberklasse-Modell aus Wolfsburg im Revier von BMW, Audi und Mercedes. Ehrlicherweise muss man sagen, dass der Arteon dabei bisher ebenfalls nur mäßig erfolgreich ist. Der Arteon Fastback ging als Angriff auf die Obere Mittelklasse à la Audi A6, BMW 5er und E-Klasse ins Rennen. Hier ist er allerdings im Schnitt 6-8 Zentimer kürzer. Auch als Gegner von Audi A5 Sportbrake und BMW 4er Gran Coupé darf man ihn sehen, auch wenn er im Vergleich zu diesen Mittelklasse-Modellen mit seinen 4,86 Metern deutlich länger ist. Der Fastback also hat starke Konkurrenz.



Volkswagen Arteon Shooting Brake: Untypisch VW


Der Arteon Shooting Brake ist wohl der am wenigsten markentypische, ja fast schon am wenigsten deutsche unter den Volkswagen. Für Eleganz macht er Abstriche bei der Praktikabilität. Dafür sind wir Deutsche dem Klischee nach mit unseren geliebten Jack Wolfskin-Jacken nicht bekannt. Beim Arteon Shooting Brake funktioniert die untypische Formel: Hier wird VW fahren zum Statement in Sachen Design, Stil und Geschmack. Das gab’s mit Ausnahme eines Karmann Ghia bisher kaum. Ein VW war nie als Auto für Designer, Architekten oder Künstler aller Facon bekannt. Das waren doch eher die Autos aus Italien, Schweden oder Frankreich: Alfas, Volvos, auch Saab (Rest in Pieces) und einige Citroën-Modelle. 


Aber da, jetzt ja, ein Arteon Shooting Brake. Als neue Alternative für Ästheten. Alfa hat aktuell keine Kombis (übrigens eine Schande, dass es die Giulia nicht als Sportswagon gibt). Saab ist Asche wer weiß, wann sie wie der Phönix aus dieser emporsteigen können. Und Citroën? Da muss man heute zu DS schauen. Ja, die DS 9 könnte man als Konkurrent des Arteon Fastback ansehen, nicht aber des Shooting Brake, denn auch hier es gibt bei der DS 9 keine Kombiversion. Mercedes-Benz CLA oder Kia ProCeed? Anderthalb Klassen kleiner! Der Arteon Shooting Brake ist ein konkurrenzloser Schönling.


Auch ein schöner Rücken kann entzücken: die Heckansicht des Arteon.


Wobei, einer wäre da zumindest erwähnenswert: Der überall für sein Design gefeierte, aber rund neun Zentimeter kürzere Mittelklasse-Kombi Peugeot 508 SW kommt dem Status als Rivalen noch am nächsten. 



Volkswagen Arteon Shooting Brake: Vom Benziner über den Diesel bis zum Plug-in-Hybriden 


Motorseitig haben wir in unserem Testwagen den 2.0 TSI, einen reinen Vierzylinder-Turbobenziner ohne jedwede Elektrifizierung. Der Verbrenner ist mit 190 PS und Frontantrieb oder mit 280 PS und 4MOTION-Allrad verfügbar. 

Außerdem gibt’s Dieselmotoren zwischen 150 und 200 PS, wobei der 200-Pferdchen-Diesel ebenfalls als 4MOTION zu haben ist. Neu sind der 156 PS Plug-in-Hybrid mit 156 PS und natürlich der Arteon R mit 320 PS. Alle Motorvarianten kommen mit einem Doppekupplungsgetriebe. 



Volkswagen Arteon: Der Innenraum typisch VW!


Als ich mir meine Notizen für den Arteon angeschaut hab, war da beim Innenraum einfach weiß. Denn: im Gegensatz zum aufsehenerregenden Äußeren des Arteon ist dieser Innenraum deutlich weniger spektakulär.


Fast wie im Passat: Der Innenraum ist schick und gut verarbeitet, aber weniger spektakuär als das Exterieur.


Er ist schön, er ist guter Standard, aber er ist weder Premium noch besonders auffällig. Alu-Dekor, Klavierlack, weiche Materialien im oberen Bereich und das optionale Ambientelicht sorgen insgesamt für einen stylischen Look. 



Volkswagen Arteon Shooting Brake: Infotainment & Konnektivität


Autos sind heute rollende Smartphones, ergo kommt man an dem Thema nicht vorbei. Ungern definiere ich Fahrzeuge über ihren “Computer”, vor allem dann, wenn sie so schön sind wie der Arteon und die Außenhaut einfach viel interessanter ist als das Infotainment-System. In der Zukunft wird sich hier noch viel mehr ändern. Immer mehr Kunden wollen kein Auto mehr besitzen, hegen keinen metallenen Fetisch und wollen schlichtweg ein vernetztes Transportmittel. Der Arteon ist nicht das Fahrzeug für diese Leute. Seine Infotainment-Technik ist nicht auf dem allerneuesten Stand, kann aber die im Alltag wirklich praktischen Dinge wie kabellose Smartphone-Integration und das induktive Laden. Letzteres zumindest dann, wenn am Smartphone keine Hülle dran ist. Wir haben es mit drei verschiedenen Hüllen getestet. Der Smartphone-Schutz überfordert den Arteon. Das Laden will nicht funktionieren, stattdessen ruft das System die Funktion für die EC- und Kreditkartenzahlung auf dem Smartphone auf. Es scheint ein Softwareproblem zu sein, viele Betroffene berichteten unter unserem TikTok-Video zur Problematik über ähnliche Erfahrungen. Dabei fuhren die Kommentierenden verschiedenste Modelle aus dem Volkswagen-Konzern. Das Problem hat also nicht der Arteon allein.

Die Menüs des Infotainment-Systems sind einfach gestrickt und übersichtlich, die Steuerung intuitiv. Auch die Smartphone-Integration geht einfach von der Hand.



Volkswagen Arteon Shooting Brake: Mehr Platz als man befüchten mag


Bei der Kopffreiheit muss der Arteon Shooting Brake wegen des schönen Fließhecks kleine Abstriche machen. Aber dramatisch ist es nicht. Auch ich habe mit meinen 1,86 Metern über dem Kopf noch eine Faust breit Platz. Die Beinfreiheit beläuft sich mit einem auf mich eingestellten Vordersitz auf rund 20 cm.


Shooting Brake hin oder her: Ich sitze mit meinem 1,86 Metern "hinter mir selbst" sehr gemütlich.


Optional gibt’s auf der Rückbank 3-Zonen-Klima und Sitzheizung für die äußeren Sitze. Gut vernetzt und stets mit Strom versorgt sind die HinterbänklerInnen dank USB-C- sowie 12-Volt-Anschluss und einer herkömmlichen Steckdose.



Volkswagen Arteon Shooting Brake: Abstriche beim Kofferraumvolumen? Alles relativ!


Auch hier muss der Arteon Shooting Brake wegen seiner coupéhaften Form natürlich Abstriche machen. Allerdings gilt auch hier: dramatisch sind die Platzeinbußen nicht.


Packt nur unwesentlich weniger als die meisten "normalen" Kombis: Der Kofferraum des Arteon Shooting Brake.


Ein BMW 5er Touring lädt mit seinen 1.700 Litern auch nur 68 LIter mehr als der Arteon mit seinen 565 bis 1.632 Litern. Der nächste Vertreter der Oberen Mittelklasse, der Audi A6 Avant, ist mit 1.680 Litern ebenfalls nur unwesentlich kaum besser. Klar, es gibt Raumwunder wie das E-Klasse T-Modell mit 1.820 Litern und auch Mittelklasse-Fahrzeuge wie der Passat Variant (1.780) und sogar Kompakte wie der Octavia Combi (1.700) können mit ihrer geraden Dachlinie mehr laden. Zur ausgleichenden Gerechtigkeit ziehen sie keine Blicke auf sich. Der Arteon hingegen schon. 



Volkswagen Arteon Shooting Brake 2.0 TSI OPF R-Line 4MOTION DSG: Fahrverhalten


Kommen wir zu einem weiteren Pluspunkt des Arteon gegenüber der eben genannten Raumwunder: dem puren Fahren. Der 280 PS starke 2.0 TSI im Testwagen macht ordentlich Dampf. In 5,6 Sekunden geht es von null auf hundert. Das ist proper. Die Automatik leistet sich beim Vortrieb keine Fehler und bietet eine große Bandbreite an Operationsmodi. Im “S”-Modus bleibt sie in Hach-Acht-Stellung und dreht schön hoch. Der Standard-Modus “D” wirkt da im Vergleich geradezu behäbig. Fährt man im Eco-Modus, schaltet auch das Getriebe in “E” und segelt, wo es kann. 


Mit seinem langen Radstand und der breiten Spur zeigt sich der Arteon stabil. Das Wanken ist im Allgemeinen gut eingedämmt. Während es den meisten Fahrern an Leistung nicht fehlen wird, kann der Arteon Shooting Brake in puncto Fahrspaß mit einem BMW nicht ganz mithalten. Dem Arteon auf Passat-Basis fehlt das ausgeklügelte Heckantriebs-Setup eines 3er Touring und er neigt nicht nur in Kurven mehr. Allerdings bietet der Arteon Shooting Brake dem ambitionierten Fahrer mehr als der Passat und hat dynamisch mehr zu bieten als ein Škoda Octavia oder Superb.


Bei der Lenkung handelt es sich um eine elektrisch unterstützte Abstimmung mit geschwindigkeitsabhängiger Übersetzung. Das System arbeitet konstant und genau und bietet somit eine gute Lenkpräzision. 

Am besten funktioniert der Arteon auf der Autobahn. Hier punktet er auch jenseits von Tempo 200 mit Spurtreue und vermittelt absolute Kontrolle. Auf langen Autobahnfahrten ist der Arteon nicht nur komfortabel, sondern dank seiner aerodynamischen Form auch leise.

Zu guter Letzt arbeitet auch der Travel-Assist hervorragend. Im Gegensatz zu vielen anderen, aggressiven und/oder nervigen System des autonomen Fahrens auf Level 2 stellt er einen zurückhaltenden und angenehmen Zugewinn an Sicherheit dar.



Volkswagen Arteon: Ausstattung & Preis


Der Arteon als Fastback ist ab 40.905 Euro zu haben, der Shooting Brake startet bei 42.790 Euronen. Damit ist er rund 10.000 Euro günstiger als die Komibiversionen von Audi A6, BMW 5er und Mercedes-Benz E-Klasse. Nach oben ist allerdings viel möglich: Unser R-LIne mit dem 280 PS-Motor kostet mindestens 54.185 Euro. Und dann hat er noch nicht die schöne rote Farbe und die dicken 20-Zöller. 

Besonders interessant ist der Arteon auch als Dienstwagen, seit es den Plug-in-Hybriden gibt, den man mit 0.5 % versteuern kann. Da kann der Mitarbeiter des Architektur-Büros etwas stilvoller vorfahren als im Passat. 


Der Plug-in-Hybrid liegt bei 49.385 Euro vor Prämie, liegt also preislic aktuell bei rund 40.000 Euro. Mit seinen 156 PS braucht er allerdings 7,8 Sekunden für den Sprint auf Landstraßentempo. Das ist nicht langsam, aber kein Vergleich zu den fiesen 5,6 des 2.0 TSI 4MOTION. In nächsten Jahr winken allerdings neue Gesetze für die Stecker-Hybriden: ab 2022 müssen neu zugelassene Plug-ins für den Steuerbonus eine elektrische Reichweite von mindestens 60 Kilometern aufweisen. Der Arteon Fastack schafft lediglich 59, der Shooting Brake gar nur 57.  

Die “Dynamic Chassis Control” im Testwagen ist eher als eine Luxusspielerei zu sehen, bei den Fahrzeugen mit 4MOTION-Allrad Serie. Wer auf den Allradantrieb verzichtet, kann sich auch das DCC und damit 1.200 Euro sparen. 



Volkswagen Arteon Shooting Brake 2.0 TSI 4MOTION: Fazit


Volkswagen ist dafür zu feiern, dass sie mit dem Arteon Shooting Brake etwas anderes ausprobiert haben. VW-Markendesign ist, wie eingangs erwähnt, meist für den Massenmarkt optimiert. Da sind aufsehenerregende Formen nicht vorgesehen, da sie Gefahr laufen, zu polarisieren. Der Arteon fällt hier wie der exaltierte Künstlersohn einer sonst eher braven Mittelstandsfamilie eindeutig aus dem Raster und überzeugt mit selbstbewusst zur Schau gestellter Eleganz. 


Positives Fazit: Der Arteon konnte mich nicht nur mit seinem charmanten Äußeren überzeugen.


In Wolfsburg hat man sich traditionell schwer dabei getan, es mit den gehobenen Konkurrenten aufzunehmen. Und eines bleibt: Wer besonders sportlich fahren will, ist mit einem BMW oder Audi besser dran. Beim Anblick des Arteon Shooting Brake allerdings schwächelt das Marken-Prestige der drei deutschen Premium-Hersteller. Denn ein Fahrzeug wie der Arteon definiert sich vielmehr über sein Design als über das Markenlogo. Der Auftritt des Arteon ist schlichtweg beeindruckend. Wenn dieses Fahrzeug um die Ecke kommt, dann schaut man hin: auf die edlen, markanten Linien und die langgezogene Silhouette. 5er Touring oder A6 Avant wirken im Vergleich eher gewöhnlich. Außerdem sind wesentlich teurer. Und hier liegt der springende Punkt: Dieser Fließheck-Kombi sieht so gut aus, dass jeder sein Design als Kaufgrund annehmen muss. Der günstigere Preis gerät ob der Außergewöhnlichkeit des Fahrzeugs in Vergessenheit. Das Besondere und Schöne für weniger Geld fahren? Mit dem Arteon Shooting Brake kann man das. 



Technische Daten Volkswagen Arteon 2.0 TSI 4MOTION


Fünftürer, fünfsitziger Kombi mit Allradantrieb 

Länge/Breite/Höhe: 4.866 mm/1.871 mm/1.460 mm

Radstand: 2.835 mm  

Kofferraumvolumen: 562 bis 1.632 Liter

Motor: 2,0-Liter-Reihenvierzylinder-Turbobenziner, 206 kW/280 PS bei 5.500 U/min, maximales Drehmoment: 235 Newtonmeter bei 2.000 – 3.000 U/min,

Motorposition: Frontmotor, quer verbaut

Antrieb: Allradantrieb

Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe

Leergewicht: 1.095 Kilogramm

0-100 km/h: 5,5 s

Vmax: 250 km/h

Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 7,2 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 165 g/km

Abgasnorm: Euro 6d

Preis: ab 53.505 Euro

 


Zusatzinformationen


Testverbrauch: 6,59 Liter

Steuer pro Jahr: 203 Euro

Versicherungsklassen KH/VTK/VK: 14/26/23


Arne Roller

27 Sept. 2021