Volvo Amazon P130: Eine Markenikone wird 60

Mathias Keiber

27 Okt. 2021

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Ein herausragendes Sicherheitsniveau und beispiellose Langlebigkeit machten den Amazon für Volvo zum identitätsstiftenden Produkt — und zum Welterfolg. Besonders beliebt war der Zweisitzer P130. Im Oktober 1961 kam der schicke Schwede auf den Markt.

In der Geschichte von Volvo ist der Amazon eine absolute Legende. 1956 als Viertürer gestartet, bekommt er im Oktober 1961 einen Bruder zur Seite gestellt: den zweitürigen Amazon P130. Gezeichnet wird der automobile Augenschmaus vom damals erst 26-jährigen Jan Wilsgaard, der über Jahrzehnte für viele Modelle der Schweden stilprägend verantwortlich ist. Wie schon beim viertürigen Amazon vereint Wilsgaard Elemente aus der italienischen Designkultur mit skandinavischen Konturen. Einen griechischen Einfluss gibt es auch: Namenspate sind die Kriegerinnen der griechischen Mythologie, die Amazonen. Eine Ikone des Feminismus wird der Amazon zwar nicht, wohl aber zur Ikone der Marke Volvo. Der beschert er einen noch größeren Verkaufserfolg als der buckelige PV444 – und zementiert obendrein auch noch den bis heute intakten Markenkern Volvos als Hersteller besonders sicherer Autos.


Schon seit 1959 beeindruckt der Amazon mit einem beispielhaften Sicherheitssystem, das bis heute mehr als einer Million Menschen das Leben rettet: Der von Volvo patentierte Dreipunkt-Sicherheitsgurt. Im Jahr 1967 debütiert im zweitürigen Volvo Amazon P130 außerdem der weltweit erste rückwärts gerichtete Kindersitz. Die Sicherheitstechniker der Schweden haben dazu einen drehbaren Beifahrersitz mit speziell gepolsterter Rückenlehne entwickelt.

Apropos Sitze: Der Amazon ist als eines der ersten Automobile serienmäßig mit ergonomischen Sitzen ausgestattet, entwickelt in Zusammenarbeit mit Medizinern. Kopfstützen, Scheibenbremsen und Zweikreis-Bremsanlagen tragen ebenfalls zum hohen Sicherheitsniveau bei.


Ähnlich vorbildlich ist zudem das umfassende Rostschutzprogramm, das Volvo dem Amazon kredenzt. Die Korrosionsabwehr trägt entschieden dazu bei, die Stabilität der Karosseriestruktur über viele Jahre zu erhalten. Wie gut das funktioniert, kann man heute noch sehen. Oder anders gesagt: Weil das so gut funktioniert, kann man heute noch viele Exemplare des Modells im schwedischen Straßenverkehr sehen. Über 24.000 Amazon sind allein in Schweden weiterhin registriert – laut Volvo ein Rekordwert für mindestens 50 Jahre alte Oldtimer. Weltweit soll Schätzungen zufolge immer noch jeder zehnte Amazon im Einsatz sein.


Wie bei Volvo üblich, sind die Motoren des P130 auf hohe Laufleistungen ausgelegt. Optional wird für den 1961 eingeführten 1,8-Liter-Vierzylinder (B18) und für das 1968 folgende 2-Liter-Triebwerk (B20) sogar ein drehzahl- und verbrauchsreduzierendes Overdrive-Getriebe angeboten. Ebenfalls aus Wunsch verbaut Volvo statt einer Zwei- eine Dreigang-Automatik.

Kultstatus bei Sportlimousinen-Fans erlangt ab 1966 der Amazon 123 GT, der vom 103 PS starken B18-Motor des legendären Volvo-Sportcoupés P1800 angetrieben wird. Buchstäbliche Glanzlichter setzt die Variante mit zwei zusätzlichen Jod-Scheinwerfern, die neben Weit- und Nebelstrahlern auch Kurvenlicht bieten.


Ganz auf Effizienz ausgerichtet ist dagegen der ab 1965 erhältliche Amazon 121 Favorit. Mit sparsamer Ausstattung, Dreigang-Getriebe und 75 PS Motorleistung wird der Zweitürer auf einigen Märkten als Basismodell der Baureihe angeboten.


Weltweit populär sind jedoch nur die gehobenen Ausstattungslinien – das aber ordentlich. Vom 1956 vorgestellten Viertürer werden rund 60 Prozent der Produktion auf Exportmärkten abgesetzt. Ein Ergebnis, zu dem der 1961 eingeführte Amazon P130 noch maßgeblich beiträgt, zumal er als erster Volvo auch in den neuen Werken in Kanada und Belgien gebaut wird. Am Ende ist die zweitürige Limousine die meistverkaufte Karosserievariante des Amazon. Bis Juli 1970 setzt Volvo weltweit fast 360.000 Exemplare ab. Insgesamt fuhren 667.293 „Amazonen“ vom Band. 

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Mathias Keiber

27 Okt. 2021