Volvo-Chef: Verbrenner-Verbot besser als E-Auto-Prämie

Mathias Keiber

02 Dez. 2020

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Hakan Samuelsson fordert von den europäischen Regierungen eine klare Agenda in Richtung elektrischer Mobilität. Kaufanreize seien für den Wandel weniger effektiv.

Hakan Samuelsson fordert von den europäischen Regierungen eine klare Agenda in Richtung elektrischer Mobilität. Kaufanreize seien für den Wandel weniger effektiv.


Immer wieder macht Volvo-Chef Hakan Samuelsson mit kühnen Aussagen auf sich aufmerksam, die man von den Vorstandsvorsitzenden deutscher Automarken so nicht erwarten könnte. Im Sommer etwa verkündete der schwedische Manager, man werde alle Neuwagen von Volvo ab sofort auf eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h begrenzen. Die Entscheidung stand ohne Zweifel im Zusammenhang mit der Ankündigung Samuelssons von vor ein paar Jahren, ab 2020 werde in keinem neuen Volvo-Modell mehr ein Mensch bei einem Unfall sterben. Könnte man sich eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 180 km/h bei Audi, BMW oder Mercedes vorstellen? Antwort: Genausowenig wie die These, die Samuelsson aktuell aufstellt.

Samuelsson: Verbot besser als Prämie. (Foto: Volvo)


Gegenüber der britischen „Financial Times“ sagte der Volvo-Chef, ein Verkaufstopp für Verbrenner sei der deutlich bessere Weg, um Konzerne zur E-Mobilität zu bewegen als Kaufanreize für Elektroautos. „Auf Basis von Anreizen kann niemand ein erfolgreiches und profitables Geschäft aufbauen“, so Samuelsson. Zwar könne eine zeitlich begrenzte Förderung der Branche helfen, sich in die richtige Richtung zu entwickeln. Allerdings sei es effektiver, wenn die Regierungen eine klare Agenda in Richtung einer elektrischen Zukunft setzen. Er begrüße daher das Bestreben der von Premier Boris Johnson geführten Regierung, in Großbritannien schon ab 2030 keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen. Auch Dänemark, Indien, Island, Israel, die Niederlande, Schweden und Slowenien wollen ab 2030 keine Verbrenner mehr zulassen. In Norwegen wird es bereits 2025 soweit sein.


In Deutschland ist man von einer solchen Entscheidung noch weit entfernt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sorgte zuletzt für Aufregung, als er ein entsprechendes Zulassungsverbot im Jahr 2035 als „gute Idee“ bezeichnete. Auch in Kalifornien soll es ab 2035 soweit sein. Nicht nur für Söder gilt der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat als Leitmarkt. Auch beim Bekanntwerden des Dieselskandals spielte die dortige Umweltbehörde CARB (California Air Resources Board) die entscheidende Rolle.

Markus Söder, hier bei Audi, will den Verbrenner 2025 abwickeln. (Foto: Audi)


Für Samuelsson ist der Verbrennungsmotor eine „Technologie der Vergangenheit“, wie er gegenüber der „Financial Times“ verlauten ließ. „Europa hat die große Möglichkeit, den Wandel hin zu nachhaltiger Mobilität anzuführen. Regierungen und Konzerne sollten an einem Strang ziehen, um das zu erreichen.“


Daimler und BMW planen indes weiter mit Verbrennern: Der bayerische Premium-Hersteller will die Fertigung von Diesel- und Benzinmotoren bis 2024 aus dem Münchener Stammwerk nach Großbritannien und Österreich verlegen; die Schwaben wollen ab 2024 Hunderttausende Verbrenner gemeinsam mit ihrem chinesischen Großaktionär Geely außerhalb Deutschlands produzieren. Wahrscheinlicher Hintergrund in beiden Fällen: die Heimat-Standorte sollen zukunftsfähig bleiben. Allerdings wirft die Entscheidung von BMW für den Produktionsstandort Großbritannien durchaus Fragen auf – die nach dem Brexit und die nach Johnsons Bestreben, den Verbrenner bereits 2030 abzuwickeln. Unterdessen gibt es bei Volkswagen keine solchen Pläne. Trotz der von CEO Herbert Diess verordneten Komplett-Elektrifizierung der Modell-Palette ist die Arbeitnehmerseite in Wolfsburg zu stark für eine Durchsetzung derartiger Pläne.


Volvos erster reiner Stromer: der XC 40 Recharge. (Foto: Volvo)


Samuelsson derweil davon aus, dass bereits 2025 die Hälfte des Absatzes von Volvo vollelektrische Fahrzeuge sein werden, der Rest Plugin-Hybride. Aktuell haben die Schweden erst ein rein elektrisches Modell im Programm, den XC40 Recharge. Doch das soll sich ändern, genauso wie die Position von Volvo im Markt für Premium-Fahrzeuge: „Wir sind davon überzeugt, dass das Premium-Autosegment im Laufe der Zeit vollelektrisch wird. Unser Ziel ist es, in diesem Segment führend zu sein“, sagt Samuelsson.

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Mathias Keiber

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