Formel 1: Finale Furioso sorgt für Hochspannung

Frederik Hackbarth

10 Dez. 2021

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Max Verstappen gegen Lewis Hamilton: die Sportwelt blickt am Wochenende nach Abu Dhabi, wo die WM-Kontrahenten punktgleich in ein spannungsgeladenes Formel-1-Finale gehen

Das gab es in der üben 70-jährigen Geschichte der Formel 1 erst ein einziges Mal. Mit jeweils 369,5 Punkten auf dem Konto gehen Max Verstappen und Lewis Hamilton am Wochenende beim Abu Dhabi GP punktgleich ins entscheidende letzte Saisonrennen. Nur 1974 war die Ausgangslage zwischen Emerson Fittipaldi und Clay Regazzoni genauso knapp, damals setzte sich der Brasilianer im McLaren gegen den Ferrari-Piloten durch.

 

Das Duell der Neuzeit lautet Red Bull gegen Mercedes, wobei Verstappen trotz Punktegleichstand mit einem Joker ins Finale Furioso einzieht: weil er mit neun Saisonsiegen einen mehr hat als Hamilton, wäre der Holländer Champion, für den Fall, dass es beim aktuellen Stand bleibt oder beide ausfallen. Dieser Umstand, gepaart mit der aggressiven und zuletzt viel kritisierten Fahrweise des Red-Bull-Piloten, lässt nicht wenige Experten befürchten, dass es beim Saisonfinale zu einem neuerlichen und dann entscheidenden Crash zwischen den Rivalen kommen könnte.

Erinnerung werden wach an die Duelle zwischen Ayrton Senna und Alain Prost in den Jahren 1989 und 1990 in Suzuka, aber auch an die Rammstöße von Michael Schumacher gegen Damon Hill 1994 in Adelaide und gegen Jacques Villeneuve 1997 in Jerez. Besonders das letzte Beispiel gilt als Präzedenzfall, Schumacher wurden nach der verunglückten Aktion alle Punkte der Saison und der Vizetitel aberkannt.

 

Im Vorfeld des Showdowns 2021 und nach der hitzigen Auseinandersetzung zuletzt beim Saudi-Arabien GP, hat sich auch die Rennleitung deshalb berufen gesehen, noch einmal auf ihre Möglichkeiten der Bestrafung hinzuweisen und in den Raum zu stellen, dass ähnliche Sanktionen auch am Sonntag zum Einsatz kommen könnten, sollte ein Pilot versuchen, den Titel auf schmutzige Art und Weise zu erringen. "Wir hoffen, dass es nicht nötig ist, haben aber die Möglichkeit, einen Fahrer zu disqualifizieren oder ihm Punkte wegzunehmen", warnt Rennleiter Michael Masi.

 

Für Verstappen sind die Androhungen allerdings Nebengeräusche, der Holländer betonte in seiner Pressekonferenz mehrfach, seine Gangart fürs Wochenende nicht anpassen zu wollen. Daraus, dass er sich von der Rennleitung ungerecht behandelt und in ein schlechtes Licht gerückt fühlt, macht Verstappen allerdings auch keinen Hehl und sagt: "Ich werde anders behandelt als andere." Red-Bull-Berater Helmut Marko geht sogar noch einen Schritt weiter: "Max wird ein Bad-Boy-Image angehängt. Damit muss ein junger Mann erstmal umgehen."

Die große Frage vor dem Finale ist tatsächlich: Kann der 24-Jährige mit dem immensen Druck umgehen? Widersacher Hamilton (36) war schon oft in einen WM-Kampf involviert, der Brite jagt auf Yas Island bereits seinen achten Titel und wäre damit vor Michael Schumacher alleiniger Rekordhalter – für Verstappen hingegen ist es der erste.

Ex-Champion Jaques Villeneuve prognostiziert: "Ich weiß nicht, wie lange Max dieses Level noch aufrechterhalten kann. Es ist sehr selten, dass ein Fahrer vom ersten bis zum 22. Rennen immer in dieser Zone ist und keine Fehler macht. Aber an einem gewissen Punkt wird das passieren, das Adrenalin wird ihn nicht ewig tragen." Bereits mit dem Patzer im Qualifying beim letzten Rennen in Saudi-Arabien zeigte Verstappen Nerven, auch in Abu Dhabi erwischt er am Freitag keinen optimalen Start ins Wochenende.

 

Im ersten Training gelingt dem Red-Bull-Piloten zwar eine Bestzeit – unter Rennbedingungen am frühen Abend Ortszeit, nimmt ihm Hamilton aber über sechs Zehntel ab. Noch hinter Esteban Ocon (Alpine) und Valtteri Bottas (Mercedes), wird Verstappen nur Vierter. "Es lief nicht wirklich nach Plan, uns fehlt etwas die Pace", konstatiert der WM-Leader nach der Session.

Sieht der Holländer auch am Sonntag im Rennen seine Felle davonschwimmen, wäre zumindest einer nicht überrascht, wenn es doch noch zum finalen Titelcrash kommt. Verstappens Vater Jos, selbst ehemaliger F1-Pilot, verrät: "Max will um jeden Preis gewinnen. Er wird alles versuchen, um den Sieg zu holen – egal wie!" Dafür muss er Hamilton aber zumindest einmal nahekommen. Bleiben die Abstände zwischen Mercedes und Red Bull auf dem an mehreren Stellen umgebauten Yas Marina Circuit so groß wie im Training, wird selbst das von vielen befürchtete Foul schwer...


Fotos: F1, Mercedes, Red Bull

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Frederik Hackbarth

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