VW-Chef zum Tempolimit: Würden großen Wettbewerbsvorteil aufgeben

Mathias Keiber

08 Juli. 2021

In einem Interview nennt Herbert Diess Gründe gegen Tempo 130 auf Autobahnen.

Die Zeit, in der man nachts mit Tempo 130 über eine freie Autobahn tuckern musss, sie könnte schon bald kommen. Sieht man sich die Umfragen für die Bundestagswahl an, werden die zwei vermutlich stärksten Parteien die Union und die Grünen sein. Und während für letztere ein Tempolimit absolute Priorität genießt, scheint es bei der Union einfach nur noch im Wahlprogramm zu stehen – als abräumbare Forderung in etwaigen Koalitionsverhandlungen.


Volkswagen-Chef Herbert Diess liefert nun im „Handelsblatt“-Interview Gründe, die gegen ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen sprechen. „Deutschland steht wie kein anderes Land für individuelle Freiheit. Egal, wo man auf der Welt ist, alle schwärmen vom Freiheitsgefühl auf deutschen Autobahnen. Das ist ein Wettbewerbsvorteil, den wir nicht leichtfertig aufgeben sollten“, sagt Diess. Die freien Autobahnen hätten viel Ingenieurskunst hervorgebracht, das Premiumangebot sei fast komplett in deutscher Hand. „Wenn es der Politik um den Klimaschutz ginge,“ gibt Diess zu bedenken, „würde sie andere Bereiche viel stärker in den Fokus nehmen.“ Er denkt dabei an die Braunkohleverstromung, die Stahl- und Zementindustrie, die Schifffahrt oder den Lkw-Verkehr.


In Zukunft könnte sich vieles laut Diess ohnehin von selbst erledigen. „Es geht um intelligente Verkehrsleitsysteme und autonomes Fahren, das weiterhin höhere Geschwindigkeiten zulassen wird und für große Fortschritte in Sachen Sicherheit sorgt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in zehn oder 15 Jahren noch in nennenswertem Umfang größere Autobahnunfälle haben werden.“ Außerdem werde man durch die steigende Anzahl an batterieelektrischen Fahrzeugen ohnehin langsamer fahren. „Bei 160 km/h ist der Reichweitenverlust schon beachtlich, Tempo 200 fährt man nur für kurze Zeit. Auch deshalb frage ich mich, ob wir überhaupt ein Tempolimit brauchen“, sagt Diess.


Fragte man den US-Philosophen Matthew B. Crawford, von der „Sunday Times“ als „einer der einflussreichsten Denker unserer Zeit“ bezeichnet, wäre seine Antwort zu einem Tempolimit nach der Bundestagswahl in Deutschland klar. In seinem letzten Sommer erschienen Buch „Why we drive“ lobt er die deutsche Straßenverkehrsordnung. Sie behandle Autofahrer wie Erwachsene, schreibt er. Vermutlich nicht mehr allzu lange. 


(Foto: Volkswagen)

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Mathias Keiber

08 Juli. 2021