VW leistet sich PR-Debakel in den USA

Arne Roller

06 Apr. 2021

Mit einem verfrühten Aprilscherz untergräbt Volkswagen in den USA seine Glaubwürdigkeit. Als ob diese nicht schon angekratzt genug wäre …

(Foto: Volkswagen AG/Twitter)


Der deutsche Autobauer hat es geschafft, die amerikanische Medienwelt gegen sich aufzubringen. Dabei wollte man bei VW doch nur lustig sein. Die Chronologie eines misslungenen PR-Stunts.


Montag (29. März): Deutscher Humor, weltbekannt


Drei Tage vor dem 1. April veröffentlicht Volkswagen einen Entwurf einer Pressemitteilung und kündigt an, den Namen in den USA in Voltswagen zu ändern, um für den großen E-Auto-Push zu werben. Die Erklärung wird anschließend schnell wieder gelöscht. Doch anonyme, interne Quellen bekräftigten die Aussage auf Nachfrage seitens einiger Journalisten. An diesem Punkt berichten die Medien noch sehr vorsichtig und gehen weitestgehend davon aus, dass es sich um einen verfrühten Aprilscherz handelt.



Dienstag (30. März): "Alles offiziell, könnt ihr so schreiben. Ätsch, doch nicht"


Volkswagen ändert jetzt übergreifend auf seinen US-Kanälen die Logos und bringt eine offizielle Pressemitteilung heraus, in der auch der CEO von Volkswagen USA – Scott Keogh – die Namensänderung zum Mai 2021 bestätigt. Der Wandel solle „für die künftige Investition des Unternehmens in die Elektromobilität" stehen. Viele US-Medien, darunter Automotive News, Reuters und auch Motor1, beißen nun an und berichteten.

Später am selben Tag zieht VW die Mitteilung wieder zurück: „Volkswagen USA wird seinen Namen nicht in Voltswagen ändern. Die Umbenennung sollte eine Ankündigung im Geiste eines Aprilscherzes sein“, teilte man jetzt in einer neuen Erklärung mit. Die ursprüngliche Veröffentlichung war inzwischen wieder entfernt worden.



Volkswagens PR-Stunt: US-Medien finden’s gar nicht lustig


Der Ärger aufseiten der Medien ist jetzt groß. „Nicht witzig“ oder „schlechter Stil“ sind noch die netteren Bezeichnungen für den PR-Stunt: Dawn Kopecki, leitende Redakteurin bei CNBC.com, schreibt auf Twitter:


"Anscheinend hat niemand im Genehmigungsverfahren bei VW gesagt, hey, vielleicht sollten wir die Presse nicht belügen, wenn man diese ganze, ihr wisst schon, Emissions-Lügen-Sache, bedenkt“.


Auch Automotive News macht sich in einem Blog-Artikel Luft:


„VW hat gelogen, um Diesel zu verkaufen. Jetzt hat man gelogen, um, Elektrofahrzeuge zu verkaufen. Es scheint immer noch eine akzeptable Unternehmensstrategie zu sein, die Öffentlichkeit zu belügen.“


Autsch! Nicht gerade das, was man als Firma hören möchte, die seit Jahren versucht, das Vertrauen der (US-)Kunden zurückzugewinnen. Brandon Turkus von Motor1 stellt in seinem Beitrag über Volkswagens PR-Debakel fest:


„Es gab [...] noch nie einen (Aprilscherz), der das Vertrauen der Medien in das Wort eines Unternehmens geschädigt hat. Bis jetzt."


Da liest sich die Kritik von Road and Track’s Macklin Hogan fast leichtherzig:


„Volkswagens Idee eines Aprilscherzes sieht anscheinend so aus: Im März lügen.“



Mittwoch (31. März): Sorry, war gar nicht so gemeint


Volkswagen entschuldigt sich jetzt ganz offiziell: "Einige Leute sind verärgert und es tut uns leid, dass die Aktion zu Verwirrung geführt hat."

Bei der Presse bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Das Medienecho zum PR-Stunt in den USA lässt sich wie folgt zusammenfassen: Volkswagen hat wissentlich große Nachrichtenhäuser wie USA Today, Associated Press, CNBC, Reuters und auch die Washington Post belogen. Und das als die Firma, die den Dieselskandal zu verantworten hat und seit Jahren versucht, wieder an Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu gewinnen. In einer Zeit, in der die USA (und auch andere Staaten) mit einer Welle von Fake-News zu kämpfen haben, hat Volkswagen erneut wenig Fingerspitzengefühl gezeigt.


Es war nicht das erste Mal, dass das Marketing von VW sich in letzter Zeit großer Kritik ausgesetzt sieht. Viele werden sich noch an den „Shitstorm“ aus dem vergangenen Jahr erinnern, als VW mit einem Videoclip für Aufruhr sorgte, in dem ein Schwarzer von einer riesigen weißen Hand durch die Gegend geworfen wurde.



Der Werbespot löste in der Öffentlichkeit und auch im Unternehmen weit verbreitete Kritik aus. Die Arbeitnehmervertreter von Volkswagen nannten die Causa damals einen „Tiefpunkt“ und forderten eine Überarbeitung des Social-Media-Marketings.

360°

Details

Gebraucht

Videos

News

Du weißt nicht, welches Auto zu Deinem Lebensstil passt? Frag YesAuto! Unser Kaufberater zeigt Dir alle Informationen, die Du brauchst um die richtige Entscheidung zu treffen.

Arne Roller

06 Apr. 2021