VW T-Roc Cabrio: Zu witzig um von VW zu sein

Attila Langhammer

29 Dez. 2021

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Das VW T-Roc Cabrio ist ein ganz besonderes Automobil: denn wenn Du Dir die anderen Produkte aus der VW-Controller-Küche anschaust, dann fällt der witzige kleine Kerl sofort als Ausreißer auf. Ohne den üblichen Ernst seiner Markenbrüder macht er mächtig was her und hier erfährst Du, was er kann – und was eher nicht

Du hast Deinen eigenen Kopf und willst es jedem zeigen? Ständig? Dann brauchst Du ein VW T-Roc Cabrio. Warum? Weil das T-Roc Cabrio das eigenständigste Automodell ist, das es zur Zeit auf dem Markt gibt. Der T-Roc gehört nicht zu einem Fahrzeugsegment, der T-Roc ist das Segment. Und zwar das der SUV-Cabrios. Okay, von 2017 bis 2018 gab's den Range Rover Evoque mit Klappdach und von 2011 bis 2014 gab's mal noch ein Nissan Murano Crosscabrio – ansonsten ist in dem Bereich nicht viel los. Und trotzdem gibt es durchaus ein paar Interessenten, die mehr sind als nur ein paar Verwirrte – in diesem Jahr wurden in Deutschland mehr als 13.000 T-Roc-Cabrios neu zugelassen.


Anders als das normale fünfsitzige fünftürige Klein-SUV T-Roc ist das Cabrio lediglich ein viersitziges zweitüriges Fahrzeug. Durch den Cabrioumbau geht in Reihe zwei viel von dem wenigen Platz des T-Roc verloren. Was er dagegen beibehält, ist das eher mittelprächtige Qualitätsniveau des T-Roc. Die technische Basis bildet zwar der Golf, aber von dem fühlt sich der T-Roc doch recht weit entfernt an. Im November hat die T-Roc-Baureihe zudem ein Facelift erhalten, aber unser Testwagen wusste davon nichts, als er in Wolfsburg losfuhr. Mit der Überarbeitung ist aber nicht alles besser geworden: viele der feinen analogen und haptischen Tasten, die unser Fotoauto zieren wurden durch wilde Touch-und-Schmierflächen ersetzt, dafür ist die Oberfläche des Armaturenträgers im Faceliftmodell nun weich unterschäumt.

Das dreilagige elektrohydraulische Verdeck öffnet und schließt sich in etwa neun Sekunden und für das wirklich praktische Windschott berechnet VW bei Startpreisen oberhalb von 30.000 Euro noch einmal 340 Euro. Dessen ordnungsgemäßer Lagerplatz findet sich im Kofferraum, unterm Ladeboden – da musst Du also gut überlegen, ob, wann und wie Du es gebrauchen könntest. Oder, bei definitiver Zwei-Passagier-Nutzung lässt Du es eingeklappt in der vorinstallierten Position über der Rücksitzbank.


Wie fährt das T-Roc Cabrio?


Obwohl das T-Roc-Cabrio ein automobiles Einhorn ist, fährt es wie ein ganz normaler VW. Die technische Basis stammt vom Golf (VII) und entsprechend Jedermann-tauglich ist das Modell. Der Testwagen mit 150 PS stellt bereits die Topmotorisierung vor, die 300-PS-Version des geschlossenen T-Roc lässt sich nicht aufreißen. Aber auch mit 150 PS bietet der kleine Kerl ausreichend Fahrspaß, denn wer will im Cabrio schon rasen? Zu mal in so einem simplen? Bereits ab Tempo 100 klingts und rauschts von der B-Säule her, ein Akustikdach gibt's nicht. Deshalb also lieber gleich das Dach aufmachen und entschleunigen.

Angst vor Kälteattacken musst Du nicht haben, die Sitzheizung wird richtig heiß und hält Dich auch bei einstelligen Temperaturen noch warm; die Lenkradheizung ist hingegen eher ein Witz, da dürfen die Verantwortlichen gern noch ein paar Watt drauf legen. Die Frage nach dem Nackenfön erübrigt sich in diesem Klein-Segment. Eine Option, auf die Du verzichten solltest ist das adaptive Fahrwerk, denn der Sportmodus tut fast nichts und ist in diesem Fahrzeug eh nicht so sinnvoll. Denn:


Das T-Roc-Cabrio ist ein Gleiter und so sollte es auch gefahren werden. Die uneilige Doppelkupplungsautomatik wirkt angenehm mit dem 1,5-Liter mit 150 PS/250 Nm zusammen und wenn es sein muss, geht die Kombination auch schnell. Der Testwagen rollte auf seinen Winterreifen zudem etwas ungemütlich ab.

Im Alltag ist der das SUV-Cabrio nur bedingt bequem einsetzbar: der Kofferraum fasst 287 Liter und wird auch bei aufgeklapptem Verdeck nicht beeinträchtigt, aber der Zugang durch die Öffnungsluke ist nicht gerade traumhaft. Und in die Kabine passen nur vier (statt fünf) Passagiere, bei geschlossenem Verdeck ist der Fond auch nur schlecht zugänglich – aber ein Kindersitz passt rein. Und dieses Cabrio mit dem SUV-typischen höheren Einstieg. Die Ergonomie ist beim Testwagen, bei dem es sich noch um ein Vorfaceliftmodell handelt, gut, die überarbeitete Version ist hingegen deutlich touch-lastiger und damit unpräziser.


Fazit

Das VW T-Roc Cabrio ist so ein witziges Auto, das es eigentlich nicht von VW sein kann. Normalerweise beobachtet VW ja erst der Markt und wenn ein Hersteller mit einer Idee erfolgreich ist, springen die Wolfsburger mit der geballten Wucht des Konzerns ebenfalls in die Nische, bei diesem Cabrio muss da irgendwas schief gelaufen sein – und dass macht den kleinen Klapp-Knubbel so sympathisch. Qualitativ macht der T-Roc (insgesamt) ein paar Abstriche von der gewohnten VW-Qualität, da klappert schon mal was, aber im Cabrio kann ich darüber hinweg sehen, weil das Ding einfach Freude macht.

Fotos: YesAuto

Attila Langhammer

29 Dez. 2021