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Paukenschlag bei Audi: raus aus der Formel E, rein in die Rallye Dakar!

Mathias Keiber

30 Nov. 2020

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Audi gibt sein Engagement in der Formel E auf, steigt stattdessen in den Rallye-Klassiker schlechthin ein – und will diesen mit einem batterieelektrischen Antrieb gewinnen. Verantwortlich ist dafür ein neuer Motorsport-Chef und der kündigt auch gleich noch weiteres an.

(Bilder: Audi)


Audi gibt sein Engagement in der Formel E auf, steigt stattdessen in den Rallye-Klassiker schlechthin ein – und will diesen mit einem batterieelektrischen Antrieb gewinnen. Verantwortlich ist dafür ein neuer Motorsport-Chef und der kündigt auch gleich noch weiteres an.


Neben dem Kundensport stehe „der erfolgreiche Einsatz in der Formel E künftig im Mittelpunkt der Motorsport-Aktivitäten von Audi“. So hatte es in einer Pressemitteilung der Ingolstädter von Ende April 2020 zum Start der letzten DTM-Saison mit Audi-Beteiligung noch geheißen. Ein halbes Jahr später kündigt Audi nun seinen Ausstieg aus der Formel E an. Nach der Saison 2021 werden die „Vier Ringe“ ihre Teilnahme an der vollelektrischen Rennserie nicht mehr mit einem eigenen Team fortführen.

2018: Audi-Doppelsieg beim E-Prix in Berlin.


Seit 2014 ist Audi in der Formel E aktiv: Zunächst in unterstützender Form für das Team um den langjährigen Partner ABT Sportsline, ab 2017 mit einem vollen werkseitigen Einsatz. In den sechs Jahren hat das Team Audi Sport ABT Schaeffler insgesamt 43 Podiumsplätze, darunter zwölf Siege, erreicht – mehr als jedes andere Team. 2017 gewann Audi die Fahrerwertung, 2018 die Teammeisterschaft in der Premierensaison als Werksteam.


„Die Formel E hat bei Audi die Phase der Transformation begleitet“, sagt Audi-Chef Markus Duesmann zum Abschied aus der Rennserie. „Heute ist Elektromobilität bei den Vier Ringen nicht mehr Zukunftsmusik, sondern Gegenwart.“


Doch auch künftig bleibt der elektrische Antrieb im Mittelpunkt der Motosport-Strategie von Audi: Mit einem Prototyp geht die Marke 2022 erstmals bei der Rallye Dakar an den Start. Dabei kommt ein alternatives Antriebskonzept zum Einsatz, das erstmals einen elektrischen Antriebsstrang mit einer Hochvoltbatterie und einem Energiewandler kombiniert. „Wir wollen auch in Zukunft das Markenversprechen ‚Vorsprung durch Technik‘ im internationalen Top-Motorsport unter Beweis stellen und innovative Technologien für den Serieneinsatz entwickeln“, sagt Duesmann. Die härteste Rallye der Welt sei hierfür die „perfekte Bühne“.

Teaser Dakar 2022.


Die Entscheidung ergibt durchaus Sinn. Denn ein Problem der Elektromobilität ist die Reichweite. Und in der Formel E dauern Rennen nur 45 Minuten plus eine Runde. Die Rallye Dakar ist in Sachen zurückzulegende Wegstrecke ein ungleich größeres Kaliber. Ziel von Audi ist es, die Leistungsfähigkeit des Elektroantriebs und der Batterie in den kommenden Jahren permanent zu verbessern. Das dabei gewonnene Know-how soll dann in die Weiterentwicklung zukünftiger Serienmodelle einfließen.


Auch geschichtlich spricht einiges für ein Engagement im Rallye-Bereich. Ab 1981 revolutionierte die Markenikone Audi quattro diese Disziplin des Motorsports. Bis heute ist der permanente Allradantrieb nicht nur bei Rallyefahrzeugen Standard und kommt auch nach wie vor in den sportlichsten Audi-Serienmodellen zum Einsatz – bei den e-tron-Modellen inzwischen auch elektrisch. Und mit eben diesen schließt sich dann auch der Kreis. Schon vor dem Launch des Audi e-tron im September 2018 in San Francisco hatte es geheißen, die simple Modellbezeichnung solle an den Audi quattro erinnern – und auf eben dessen Spuren solle der e-tron wandeln. Anders gesagt: „e-tron“ soll wie „quattro“ zur Markenikone werden.


Dazu passt, dass sich Audi nach eigenen Angaben „als erster Automobilhersteller zur Entwicklung eines siegfähigen Prototyps mit alternativem Antriebskonzept bei der Rallye Dakar bekennt“. 2012 gelang den Ingolstädtern der erste Sieg eines Hybrid-Rennwagens bei den 24 Stunden von Le Mans. Dreimal in Folge blieb der Audi R18 e-tron quattro beim wichtigsten Langstreckenrennen der Welt ungeschlagen.

Dieter Gass und sein Nachfolger Julius Seebach.


Das künftige Abschneiden im Rennsport hat derweil nicht mehr Dieter Gass zu verantworten, der seit 2017 als Audi-Motorsportchef im Einsatz war. Er widmet sich nach dem erfolgreichen Abschluss des DTM-Engagements neuen Aufgaben – welchen konkret, lässt Audi offen. Den Posten von Gass übernimmt Julius Seebach zusätzlich zu seinem Engagement als Geschäftsführer der Audi Sport GmbH.


„Ich bin davon überzeugt, dass Julius Seebach im Rahmen der Neuausrichtung des Motorsports der richtige Mann ist“, sagt Duesmann. „Bei Dieter Gass möchte ich mich im Namen des gesamten Vorstands für seinen unermüdlichen Einsatz bedanken. Er steht vor allem für den fast schon unglaublichen Erfolg, den wir speziell in den letzten beiden Jahren in der DTM hatten. Aber auch der erfolgreiche Einstieg in die Formel E geht auf das Konto von Dieter Gass.“

24 Stunden Le Mans 2015: Audi R18 e-tron quattro #8 (Audi Sport Team Joest), Lucas di Grassi, Loïc Duval, Oliver Jarvis.


Seebach indes hat bereits weitere mögliche Betätigungsfelder im internationalen Motorsport evaluiert. Ergebnis: Audi bereite sich „intensiv auf den Einstieg in die neue Sportwagen-Kategorie LMDh vor“, so Seebach. Das dürfte den Herzschlag vieler Rennsport-Fans Richtung maximales Drehmoment schicken. Denn LMDh steht für „Le Mans Daytona Hypercars“.


Mathias Keiber

30 Nov. 2020