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Volkswagen Motorsport ist Geschichte

Mathias Keiber

02 Dez. 2020

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Die Motorsport-Abteilung der Kernmarke wird aufgelöst, die Mitarbeiter bekommen ein Übernahme-Angebot. Konzernchef Diess setzt alle Pferdestärken auf die Elektromobilität.

(Fotos: Volkswagen)


Die Motorsport-Abteilung der Kernmarke wird aufgelöst, die Mitarbeiter bekommen ein Übernahme-Angebot. Konzernchef Diess setzt alle Pferdestärken auf die Elektromobilität.


Da wirkt die Bekanntgabe der „Neuausrichtung“ von Audi im Bereich Motorsport im Nachhinein wie ein Ablenkungsmanöver: Denn die Marke Volkswagen stellt ihre Motorsport-Aktivitäten gleich vollständig ein. Stattdessen sollen alle Kräfte für die Transformation in das mobile Elektrozeitalter gebündelt werden.


Konkret heißt das: Die Volkswagen Motorsport GmbH in Hannover mit mehr als 150 Mitarbeitern wird aufgelöst, die Angestellten werden in die Volkswagen AG integriert. Die Ersatzteilversorgung für den Polo GTI R5 sowie den Golf GTI TCR für die Rundstrecke soll langfristig sichergestellt werden. Die Produktion des Kundensport-Fahrzeugs Polo GTI R5 für den Rallyesport läuft jedoch zum Jahresende aus.

Solche Szenen wird es künftig nicht mehr geben: Marc-Christian Bertram, damals Leiter Elektrik und Elektronik bei Volkswagen Motorsport, im Gespräch mit Romain Dumas.


Zur Erklärung sagt Kernmarken-Entwicklungschef Frank Welsch: „Die Marke Volkswagen ist auf dem Weg, der führende Anbieter in der nachhaltigen Elektromobilität zu werden. Zu diesem Zweck bündeln wir unsere Kräfte und haben entschieden, eigene Motorsport-Aktivitäten für die Marke Volkswagen einzustellen. Die Motorsport-Belegschaft wird in der Folge in die Volkswagen AG integriert. Die tiefe technische Expertise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie das gewonnene Know-how aus dem ID.R Projekt bleiben dadurch im Unternehmen und werden uns dabei helfen, weitere effiziente Modelle der ID. Familie auf die Straße zu bringen.“


Letztendlich wirft die Entscheidung auch ein klareres Licht auf die Neuausrichtung von Audi im Bereich Motorsport. Denn „en miniature“ verhält es mit Ex-Audi-Motosportchef Dieter Gass so wie mit der Belegschaft der Volkswagen Motorsport GmbH: Gass wird anderweitig eingesetzt, seine bisherigen Aufgaben fallen in den Zuständigkeitsbereich des Chefs der Audi Sport GmbH, Julius Seebach.


Im Endeffekt ist es so: Konzernchef-Diess zieht dem Motorsport größtenteils den Stöpsel. Gibt es keinen Nutzen für die Elektromobilität, gibt es auch keinen Motorsport. Die künftige Teilnahme von Audi an der Rallye Dakar lässt sich damit erklären, dass das Langstreckenrennen dem Ausbau der Reichweiten von Serienfahrzeugen dient – was bei der Formel E mit ihren 45-minütigen Rennen schlicht weniger der Fall ist.

Rennlegende „Striezel“ Stuck im historischen Rallye-Golf bei der Winterrallye Planai-Classic.


Volkswagen Motorsport blickt auf mehr als fünf Jahrzehnte Motorsport-Geschichte zurück. Beginnend mit der Blütezeit der Formel V in den Sechziger- und Siebzigerjahren und den Erfolgen in der Formel 3 engagierte sich Volkswagen mit seriennahen Fahrzeugen wie dem Polo, dem Golf und dem Scirocco auf der Rundstrecke, im Rallycross und im Rallyesport. Zu den größten Erfolgen der Marke zählen drei Siege bei der Rallye Dakar mit dem Race-Touareg (2009-2011), vier Rallye-Weltmeister-Titel mit dem Polo R WRC (2013-2016), zwei TCR-International-Titel mit dem Golf GTI (2016, 2017) sowie drei Rallycross-Weltmeister-Titel mit dem Polo (2017, 2018, 2020). Mit dem vollelektrischen ID.R vollzog Volkswagen Motorsport ab 2018 erfolgreich den Wandel zur Elektromobilität.


Mit dem Sportwagen ID.R hält Volkswagen fünf internationale Rekorde, unter anderem den Gesamtrekord am Pikes Peak (USA), den Elektro-Rekord auf der Nürburgring-Nordschleife (D) und am Berg Tianmen in China.


Mathias Keiber

02 Dez. 2020